love is over for sure

ava-1278Catherine ist eine Geschichte über den 32-jährigen Vincent, der in den Tag hineinlebt und dessen Freundin Katherine ihre Beziehung endlich gen Heirat schippern sehen will, als er plötzlich nach einer richtig betrunkenen Nacht neben der heißen, jüngeren Catherine erwacht und von nun an in seinen Alpträumen Türme erklettern muss, während seine Bindungsängste ihm als Monster manifestiert auf den Versen sind.

Holy fucking shit, sign me right up! War so ziemlich mein erster Gedanke, als Catherine angekündigt wurde. Dann ist es auch noch vom Persona 3/4-Team, die ja wissen, wie man modernen Style auf den Tisch bringt und mit manifestierten Ängsten aus dem Unterbewusstsein kämpft. Und das Spiel ist tatsächlich zum Darling des Internets geworden, im Releasejahr. Jeder spricht über das Spiel, als wäre es diese intellektuelle Fabel über moderne Beziehungen und das Fremdgehen, mit richtig Bedeutung und Stoff zum Nachdenken.

Ich seh’s nicht. Für einen tieferen, bedeutungsvollen Sinn, ist Catherine ein viel zu dummes Spiel. Da, ich habe es gesagt. Catherine ist zu dumm, zu schlecht geschrieben und zu batshit insane, um eine Aussage über realistische Beziehungen zu machen. Im Prinzip ist es ein übertriebenes Harems-Anime, nur mit lediglich 2 statt 10 Mädels, die sich um einen begriffsstutzigen Kerl streiten. Ich kann in dem Spiel echt nichts ernst nehmen. Und folgend gibt es, um darüber zu reden, warum, auch jede Menge Spoiler zu allen Charakteren und den Plottwists am Ende. Weiter lesen also auf eigene Gefahr.

Die Charaktere sind keine richtigen Menschen, sondern Animeklischees, die total überzeichnet und unrealistisch agieren. Und mit keinem der dreien würde ich in einer Beziehung enden wollen.

Katherine ist so überfordernd. Es gibt keine Szene mit ihr, in der sie nicht im angepissten Ton auf Vincent einhakt, was er zu tun und zu lassen hat. Wegweisend ist die Cutscene, in der sie ihm eröffnet, dass ihre Periode sich verspätet und sie vielleicht schwanger ist. Vielleicht. Dennoch hat sie alles bereits durchgeplant und prescht verbal für die nächsten zehn Minuten auf den von der gerade erst bekommenen und noch nicht verarbeiteten News überforderten Vincent ein a la: Wir müssen jetzt aufs Geld achten, ich muss dann ja Schwangerschaftsurlaub nehmen. Aber danach will ich sofort auch wieder arbeiten, wir müssen uns also den Haushalt teilen. Hast du schon wieder ein neues Handy, du verschwendest zu viel Geld. Rauchen darfst du wegen des Babys auch nicht mehr. Und die Trinkgelage mit deinen Freunden sind auch rum, weil sie zu viel kosten. Weißt du was, ich regle am besten von jetzt ans unser beider Konten. Bitch, please, lay off a second! Jeez. Ein wenig kann ich sie sogar verstehen, wenn man mit so einem absolut passiven Kerl wie Vincent zusammen ist, lernt man mit der Zeit wohl einfach, das Ruder strickt in der Hand zu halten. Und als Japanerin um die 30, die immer noch nicht verheiratet ist und Kinder hat, sieht sie bestimmt eh jeder komisch an. Und sie kümmert sich ja um Vincent, kommt vorbei, wenn er behauptet es ginge ihm schlecht, räumt hinter ihm auf oder bringt ein Stück Kuchen. Aber dieses konstante auf Vincent einhacken, beständig im fordernden Ton, als wäre sie am Dauer-PMS-en, macht sie nicht gerade sympathisch oder den Spieler mental gehend „jepp, mit der Traumtype soll mein Vincent zusammen bleiben“

Vincent ist definitiv nicht mit dem richtigen Mädel für sich zusammen. Er ist easy going und möchte nur ohne jegliche feste Bindung in den Tag hinein leben, irgendwie wird schon alles laufen. Leider ist er aber passiv zum Punkt der Dummheit. Wenn Catherine eines Morgens neben ihm aufwacht und meint, jetzt sind sie exklusiv und so, sagt er dazu nichts. Die ganze Situation, in die er rutscht, auch wenn es dem armen Kerl ordentlich über den Kopf wächst, wäre von vornherein abwendbar, wenn er einfach mal gegenüber einer der beiden Kyasarins den Mund aufmachen und Dinge direkt ansprechen könnte, statt ein stammelnder Idiot zu sein. Ich mein, er war so betrunken, dass er gar nichts mehr weiß und eine heiße Blondine im nuttigen Outfit hat sich schamlos an ihn rangeworfen. Er ist also fremdgegangen, was natürlich nicht durch den Alkohol entschuldbar ist, aber sehen wir doch mal die Szene mit ausgetauschten Geschlechtern. Ein Mädel betrinkt sich in einer Bar, weil ihr Leben gerade scheiße läuft, und ein Kerl schleppt sie ab. Leute würden aufschreien, dass der Fiesling das arme Mädel in einem verwundbaren Lage, in der sie nicht mehr zurechnungsfähig war, ausgenutzt hat. Machts nen heißes Mädel bei nem Kerl, ist das natürlich wieder eine ganz andere Geschichte. Vincent findet das Fremdgehen auch tatsächlich schrecklich von ihm. Erster Ordnungspunkt wäre also gewesen, Catherine klar zu machen, dass dies nur ein Ausrutscher war, er eigentlich in einer Beziehung ist, und dies nicht wieder geschehen kann. Stattdessen kann er wie immer alles nur in seinen inneren Monologen klar artikulieren und natürlich jedem in der Stray Sheep bar drüber erzählen, der nur mal in Vincents generelle Richtung schaut, bekommt den Mädels gegenüber aber kein klares Wort heraus, sondern stammelt sich irgendwie durch die Situation.

Catherine ist schrecklich unsexy. Oh, natürlich nicht körperlich, sie ist immerhin eine junge, sexy Blondine, die ein Kleid trägt, das auch als Lingerie fürs Schlafzimmer herhalten kann. Aber ihr Verhalten ist das der fakesten Kreaturen auf diesem Planeten: Japanischen Idols. Diese nervig-schrille Stimmlage, das Verhalten wie eine 13-Jährige. Finden Japaner das wirklich sexy an Frauen? Und das schizophrene Stück macht auch absolut keinen Sinn. Die Designer denken wohl, sie ist die Freigeist-Option, weil sie direkt sagt, sie möchte nie heiraten, da dies eine überholte Institution ist und sie bezeichnet das, was zwischen ihr und Vincent ist auch nie eine Beziehung oder sich als seine Freundin. Aber sie ist sicherlich auch nicht die „freie“ Option, sagt sie ihm doch direkt am ersten Morgen, dass sie a) nicht einfach so durch die Gegend pennt (auch wenn sie genau das mit Vincent gerade gemacht hat) und b) er ihr gefälligst nicht fremdzugehen hat (Bitch, please! Ihr hattet bisher nur einen betrunkenen One Night Stand!). Catherine nennt es vielleicht nicht so, aber letztendlich versucht sie Vincent auch nur in eine feste, exklusive Beziehung zu sperren. Und ja, es gibt letztendlich einen Grund, warum sie so irrsinnig agiert (sie ist gar kein richtiger Mensch, sondern ein Sukkubus, der geschickt wird, um Beziehungen zu zerstören), warum sie Vincent stalked, aber sympathisch macht das auch sie nicht.

Das Ding ist, ich bin mir ziemlich sicher, die Macher sind der festen Überzeugung, dass sich der Spieler mit Vincent identifizieren und eine der beiden Kyasarins so toll finden soll, dass er versucht mir ihr zu enden. Ich find aber alle drei Charaktere, wenn auch hier und da im kleinen Rahmen teilweise sogar etwas nachvollziehbar, doch schrecklich unsympathisch und bin der Meinung, niemand von ihnen sollte wirklich je in einer Beziehung sein. So habe ich das Spiel übrigens auch gespielt, den beiden Mädels auf ihre SMS immer entsprechend geantwortet, Catherine im „lass mich in Ruhe“-Ton und Katherine … im Prinzip ähnlich, aber neutraler. Ich bin dann dennoch mit Katherine geendet, aber das liegt auch daran, dass die SMS keine Bedeutung auf den angeblich variablen Handlungsverlauf haben, denn der ist gar nicht variable, sondern absolut engstirnig.

So ist sowieso das ganze Spiel. Es ist erstaunlich, wie schwarz und weiß es sich zeichnet, bei einem doch sehr grauen Thema, nämlich modernen Beziehungen und das Fremdgehen, auf das es keine einfachen Antworten geben sollte, was das Spiel aber so nicht akzeptiert.

Es fängt damit an, dass es laut Catherine eigentlich nur eine Art von Beziehung gibt. Ein Mann und eine Frau in einer exklusiven Beziehung, die auf Heirat und Kinder hinsteuert. Offene Beziehungen, in denen man auch mit anderen schlafen darf? Nie von gehört. Paare, die gar nicht heiraten oder Kinder kriegen wollen? Gibt es nicht. Für mehr als eine Person Liebe empfinden und somit in mehr als einer Zweierbeziehung sein können? Das ist doch keine Beziehung. Und von homosexuellen Beziehungen, die die Menschheit von Natur aus nicht mehren können, scheint das Spiel auch nie gehört zu haben, obwohl es progressiv sogar einen Charakter hier gibt, der durch eine Geschlechtsumwandlung gegangen ist.

Und Menschen sind auch alle gleich. Frauen sind anscheinend alle diese bestimmenden Wesen, die einem konstant nervend im Ohr liegen, und deren einziges Ziel es ist, so schnell wie möglich verheiratet zu sein und Kinder zu produzieren. Während Männer alle Bindungsängste haben und am liebsten ihre Beziehung nie in diese Richtung bringen wollen würden. Und besagter Charakter, der mal im anderen Geschlecht geboren wurde? Das Spiel hämmert konstant auf den Punkt ein, dass sie keine „richtige“ Frau ist. Für ein Spiel, dass uns was über moderne Beziehungen und ihre Tücken erzählen will, ist es überraschend schwarz/weiß, überraschend engstirnig und prüde.

Spiegelt sich auch in dem Dutzend Fragen wieder, die man zwischen dem Turmerklimmen immer wieder beantworten soll. Es gibt eindeutige. „Wurden Sie schon mal als Geizkragen bezeichnet?“. Das ist entweder so, oder nicht. Aber weil die meisten davon tatsächlich hauptsächlich mit Beziehungen und Sexualität zu tun haben, gibt es auf viele von ihnen keine klaren, eindeutigen Antworten, auch wenn das Spiel nach ihnen verlangt. Die allererste Frage, die mir gestellt wurde, war beispielsweise „Beginnt oder endet das Leben mit der Heirat?“. Was für Dünnschiss ist das denn bitte? Beide Statements sind absoluter Blödsinn. Zu sagen, die Heirat ist das Ende deines Lebens? Aber genauso, zu behaupten, du bist noch nicht richtig lebendig, wenn du noch nicht verheiratet bist. Zumal das Spiel hier wie immer mal wieder komplett vergisst, dass nicht jeder, der in einer glücklichen Beziehung ist, automatisch auch (sofort) heiraten will. Was sagt das überhaupt über homosexuelle Paare aus, die gar nicht heiraten dürfen? Leben die vielleicht nicht richtig? Und selbst wenn man dem Spiel etwas Goodwill entgegen bringt und mehr im Sinne von „ein neuer Abschnitt im Leben beginnt“ interpretiert, so würde damit ja auch gleich ein alter Abschnitt beendet. Mein Antwort darauf wäre als entweder „nichts vom beiden“ oder „beides“, aber sicherlich nicht das eine oder andere, wie es vom Spiel verlangt wird.

Eine weitere Frage war „Ihr Partner steht auf Babyspielchen, was machen Sie?“ Die Antworten waren tatsächlich „Ausprobieren“ oder „Trennungsgrund“. Erneut Blödsinn. Erst mal muss ich wissen, was mit Babyspielchen überhaupt gemeint ist. Will er nur ein wenig vor sich hin brabbeln und von mir im Bett mit Babysprache angesprochen werden? Oder gehen wir die volle Meile und er will Erwachsenenwindeln tragen und die voll urinieren? Abgesehen davon, warum habe ich, wenn ich es nicht probieren will, nur die Wahl, mich gleich zu trennen? Nicht jeder Fetisch, den man mal gerne ausprobieren würde, ist auch wirklich fürs sexuelle Überleben einer Beziehung essentiell. Kann ich meinem Partner nicht sagen, dies und das ist nicht Ok für mich und der versteht es, weil es im doch nicht so absolut wichtig ist, und damit ist gut?

Schön ist auch die Formulierung von „Wärst du eifersüchtig, wenn dein/e Freund/in mit jemandem des anderen Geschlechts befreundet wäre?“. Gut, grundsätzlich gibt es hier die klare Antwort, dass ich bei so was entweder zur Eifersucht neige, oder nicht. Wobei dann doch nicht jeder automatisch auf jeden eifersüchtig wird, aber egal. Das witzige hieran ist nur erneut, dass das Spiel nicht versteht, dass es auch Homosexuelle gibt. Ich kann als Schwuler schon schnell eifersüchtig werden, dennoch lässt es mich natürlich absolut kalt, wenn mein Mann mit Frauen redet. Es sei denn er ist bisexuell, versteht sich. Aber Bisexualität gibt es im öffentlichen Bild eh nicht, man ist entweder in der Heten- oder Homo-Schublade. Immer mit Frauen zusammen gewesen, nun aber mit einem Mann am Vögeln? Eine Hete, die schwul geworden ist, nicht bisexuell.

Die finalen Fragen sind übrigens „Würden Sie alles tun, um ihren Partner zurückzubekommen?“, „Wünschen Sie sich ein ruhiges Leben?“, „Wünschen Sie sich Aufregung oder Chaos?“ und „Sind Sie bereit, für alle Zeit in Ruhe zu leben?“. Na wenn das nicht man eindeutig klar macht, was einen Richtung Katherine, was Richtung Catherine, und was zum Alleinsein führt, dann weiß ich auch nicht. Und wisst ihr was? Diese wenigen Fragen im letzten Alptraum sind tatsächlich alles, was beeinflusst in welcher dieser drei Kategorien man endet! Wie man auf die SMSen geantwortet hat? Was man den anderen Schafen/Charakteren antwortete? Wie man die vorigen 10 Fragen in den Alpträumen beantwortet hat? Irrelevant. In welcher Kombination man die Finalfragen beantwortet, ist das einzige Kriterium, mit welchem Mädel bzw. ob man überhaupt mit einer endet. Ob das Karma-Meter nun mehr gen Ordnung, Chaos oder Freiheit schwingt, beeinflusst nur, ob man dann noch das True, Normal oder Bad Ending der Kategorie bekommt.

Und der vorige Handlungsverlauf? Absolut statisch! Du kannst noch so fies zu Katherine sein, noch so sehr dich auf Catherine einlassen, noch so sehr antworten, dass feste Beziehungen nicht für dich sind. Im Finale wird Vincent dennoch IMMER zum Schluss kommen, dass er Katherine doch liebt und braucht und nun um sie kämpfen muss, sie endlich Heiraten und Kinder mit ihr haben will – nur um dann, wenn man gewisse Antworten in der finalen Nacht gegeben hat, doch plötzlich eventuell mit Catherine oder alleine zu enden. In Catherine ändern die eigenen Entscheidungen absolut nichts, außer die fünf Minuten der Ending-Cutscene. Und sicherlich sind wir es gewohnt, dass Spiele mit Moralmeter sich wesentlich weniger den eignen Entscheidungen anpassen, als einem die Macher das glauben machen wollen, doch bei einer Geschichte, in der es darum geht, sich zwischen zwei Mädels zu entscheiden, oder beiden den Rücken zu kehren, kann ich keine so krass festgelegte Geschichte stricken, die auch noch so eindeutig gen eine von beiden tendiert.

Dann erst der Plottwist gegen Ende! Warum haben Vincent und all die anderen Männer also diese Alpträume? Ein babylonischer Gott bringt auf diese Weise alle Männer um/bricht Beziehungen auseinander, die zu keiner Heirat und Kinder führen, weil die Kerle sich nicht von ihren Frauen dazu schikanieren lassen, in die Exklusivität zu gehen, sondern sich lieber Bindungslos treiben lassen. Und zwar, damit das Fortbestehen der Menschheit gesichert ist. Die Dummheit dieser Wendung hätte mich beinahe in so eine Schockstarre versetzt, dass ich fast nicht gemerkt hätte, das dieses Motiv von vorn bis hinten gar keinen Sinn ergibt. Das Fortbestehen der menschlichen Rasse soll also garantiert sein, in dem es viele Babys gibt. Was hat denn das damit zu tun, sich fest zu binden, zu heiraten, nicht fremdzugehen? Wäre es nicht besser, wenn Männer viel durch die Gegend huren und somit möglichst viele Bastarde zeugen, statt eine Frau zu heiraten und mir ihr die statistischen 1,5 Kinder zu zeugen? Gerade wenn man bedenkt, was Japaner für eine schreckliche Verhütungseinstellung haben, macht das doch viel mehr Sinn. Und warum landen nur Männer in den Träumen? Ach ja, stimmt ja, nur Männer sind diejenigen die nicht heiraten und keine Kinder haben wollen, während es für Frauen das einzige Lebensziel ist. Und erneut, wo kommen die Homosexuellen ins Spiel? Die halten keine Frauen zurück, indem sie sie in ziellosen Beziehungen festhalten, aber sind sicherlich auch nicht daran beteiligt, Babys für die nächste Generation zu zeugen.

2500 Worte und wir sind noch nicht mal beim Gameplay angelangt. Gut, dass ich die Woche keinen einzigen anderen Eintrag hatte, dass gleicht das hier wieder aus.

Catherine ist vom Spielerischen ein interaktiver Anime, in den jemand ein Puzzle-Game geschmissen hat. Außerhalb der Träume sieht man entweder Cutscenes mit einer der beiden Kyasarins, die Vincent das Leben zur Hölle machen, oder sitzt mit seinen Kumpels in der Bar Stray Sheep herum, um zu trinken und mit den anderen Gästen zu reden. Die haben, von den beiden seltsamen Twin-Peaks-Zwillingen mal abgesehen, alle Beziehungsprobleme und tauchen alle in den Alpträumen auf. Hier erfährt man, wenn man mit ihren redet, mehr darüber, warum. Denn ähnlich vielen RPGs muss man in Catherine nur mal einem NPC nahe kommen, damit er einem plötzlich die ganze, dramatische Lebensgeschichte darlegt. Nicht das Vincent besser wäre, erzählt er doch auch jedem von seiner Betrügerei – nur mit den zwei eigentlich wichtigen Personen kann er nicht drüber reden, wie es scheint. Ernsthaft, viel mehr als mit den Kumpels trinken und essen scheint Vincent außerhalb von Arbeit und Schlafen nicht zu tun. Das Spiel hat übrigens eine gewisse Obsession mit Alkohol. Nicht nur bekommt man Trivia über das jeweilige Getränk, wenn man sein Glas leert, Vincent hat auch eine Anzeige, wie betrunken er ist. Und im Gegensatz zu anderen Spielen ist das was Gutes, ein dichter Vincent bewegt sich in den Träumen schneller, als ein nüchterner! Und da die Kyasarins ihn nie in Ruhe lassen können, bekommt man hier auch alle 5 Sekunden eine der SMSen von einer. Ernsthaft Vincent, werd beide los und spezialisier dich jetzt auf Männer. Das Spiel hält zwar auf beide Geschlechter nicht viel, aber Männer sind wenigstens auf die gleiche Art und Weise schlimm, sollte es also weniger stören.

Die Alpträume sind nun, wo man wirklich „spielt“. Vincent muss jede Nacht eine neue Etage eines Turmes erklimmen. Das ist ein Blockpuzzle, in dem er eben Blöcke verschieben muss, um sich eine Treppe zum Erklimmen zu bauen. Mit der Zeit kommt da natürlich mehr dazu. Beispielsweise Blöcke, die auf Zeitzünder explodieren. Angeknackste Blöcke, die nach X betreten zerfallen. Fallenblöcke, die einen töten, wenn man auf ihnen stehen bleibt. Und jedes letzte Stage einer Nacht hat einen Boss, der einem hinterher klettert und diverse Attacken ausführen kann, beispielsweise per Charme Vincents Bewegungen entgegengesetzt ausführen lässt, oder die Beschaffenheit von Blöcken verändert, oder Kometen herabregnen lässt. Gerade jene Bossstages fand ich ziemlich nervig. Die Sache ist die, das Spiel hat mehrere Schwierigkeitsgrade. Easy, Normal und Hard und dann noch einen versteckten Very Easy, der zusammen mit Rebalancing der anderen (mehr Checkpoints, Undo-Funktion auch auf Normal) nachträglich in die japanische Version gepatcht wurde, weil vielen selbst das ursprüngliche Easy zu schwer war. Auf niedrigeren Stufen fällt beispielsweise der Turm wesentlich langsamer unter Vincent weg. Und in den normalen Stages hatte ich auch nie auch nur im entferntesten das Problem, dass jenes Turmende mir je nahe gekommen wäre. Ich hab aber das Gefühl, wer das reinprogrammiert hat, hat vergessen, dass er entsprechend die Bosse auf Easy auch langsamer machen müsste. Die Viecher klettern so was von schnell und viele Attacken kommen einem enorm in den Weg, zumal die Kamera vom aktuellen Kletterpart weg geht und auf den Boss zeigt, damit man merkt, er tut was Besonderes – dafür seh ich nicht mehr, was mein Vincent gerade tut. Ich hab es ehrlich gesagt auf Very Easy gespielt, weil mir das echt zu viel war, unter striktem Zeitdruck zu Puzzle-Klettern, während sich das Puzzle auch noch teilweise dynamisch verändert. Das eigentlich Spiel im Spiel fand ich also eher… unspaßig.

Nach 3000(!) zerstörenden Worten kommen wir aber doch mal zu den eindeutig guten Seiten von Catherine. Die Präsentation ist unantastbar. Die Stages haben Atmosphäre, das Cel-Shading steht den Anime-Cutscenes in nichts nach, der (wie meist bei Atlus einzig wählbare) englische Dub ist top und die Musik super. Außerdem ist viel in den Alptraumstages highly quotable. Der Game Over Screen proklamiert beispielsweise „love is over“, die Bossstages beginnen mit „[Bossname]. It’s the killer, do not die!“, Stage geschafft bringt ein „Great escape“, ein Retry benutzt lässt Vincent „Now’s not the time to be dead“ rufen, und eine seiner diversen Stage-Climbing-Begins-Sprüche ist “I’m gonna climb the shit outta you blocks”. Diese Sachen sind schon sehr tongue in cheek und hochgradig charmant.

Und wisst ihr was? Nach all den tausenden negativen Worten. Nach all dem Ranting, warum Catherine weit ab jeglicher Realität ist und nichts über reale Beziehungen auszusagen hat. Ich hasse das Spiel nicht. Ich würde es nicht ein gutes Spiel nennen. Aber ein unterhaltsames. Der Irrsinn der Story hat mich jederzeit gefangen gehalten, und auch wenn ich über die Charaktere nur den Kopf schütteln konnte, wollte ich immer wissen, was ihnen als nächstes passiert. Seht es als überzeichnetes und interaktives Nonsens-Anime ohne Sinn und Verstand und die Achterbahnfahrt ist eine aufregende. Erwartet nur halt nicht wirklich irgendwelche tiefsinnigen, sozialen Kommentare. Oder noch besser, schaut einfach ein LP, die Puzzle-Stages sind eh nicht so der Brüller und die Entscheidungen ändern absolut nichts. Warum also überhaupt selbst spielen.

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