Amazing Spider-Man

ava-1275Erstaunlich, dass die ganze Superhelden-Film-Sache nach all den Jahren immer noch nicht am Abflauen ist. Wenn das so weiter geht, haben die doch irgendwann mal die ganze A-, B- und C-Liste durch und müssen einen Film um einen der schwulen Helden machen. Ich mein, abgesehen von Batman natürlich, dem Nolan aber ja auch sein Boy Toy genommen hat. Vielleicht muss man sogar wieder mal einen über einen weiblichen Superhelden machen, die bekanntermaßen nichts einspielen. Und wenn Hollywood, ganz ähnlich der Gameindustrie, eines hasst, dann ist es zu riskieren, einen Film zu machen, in dem der Hauptcharakter kein weißer, brünetter, Hetero-Kerl zwischen 20 und 40 ist. Um das zu kontern kann man aber natürlich auch einfach wieder einen Kreis ziehen und munter mit Reboots von vorn beginnen.

So geschehen in The Amazing Spider-Man, der genau zehn Jahre nach dem Erstling der Raimi-Trilogie die Film-Franchise rebootet. Warum auch nicht, Reboots passieren sowieso immer schneller in Medien und es ist ja nicht so, dass gerade die Comicszene nicht tausend verschiedene Timelines pro Superheld hätte, weil nach X Serien die aktuelle so ein Clusterfuck wird, dass man einfach von vorn beginnt. Und mal ehrlich, unantastbare Meisterwerke sind die ersten drei Filme nun auch wirklich nicht. Der erste ist ganz gut, der zweite sogar um einiges besser, während der dritte durchfällt, wenn ich mich vage zurückerinnere. Aber schon damals fand ich die Sache etwas overhyped. Es ist halt so, dass Superheldenfilme so Mitte der 90er angefangen haben, universell ziemlich scheiße zu sein, was sich bis zum Millennium nicht änderte, als dann X-Men und Spider-Man daher kamen und ganz brauchbar waren, und eben deswegen schon häufig rückwirkend etwas besser in Erinnerung gehalten werden, als sie denn wirklich waren.

Ach ja, The Amazing Spider-Man, fangen wir nach 300 Worten doch mal an, über ihn zu reden. Die neue Origins-Story ist bewusst natürlich etwas anders designt, aber doch der vorigen natürlich sehr ähnlich. Peter Parker, dessen Eltern hier einfach in einer Nacht- und Nebelaktion spurlos verschwunden sind, um für das Finale der neuen Trilogie noch ein Big Reveal zu haben, ist also bei Onkel und Tante untergekommen. Als das Superhirn anfängt, die Forschung seines Vater zu untersuchen, gerät er auch an die Evil Corp, für die jener mit einem Kollegen arbeitete, wo Peter prompt von einer genmanipulierten Spinne gebissen wird, die dem loserigen Teenager den Körper eines 28-jährigen Models gibt, ihm Kampfsport beibringt und Hauswände hochlaufen lässt. Jetzt, wo er heiß aussieht, wird auch sein Schwarm, von dem er etwas creepy gern heimlich Bilder macht, Gwen Stacey, auf ihn aufmerksam. Deren Vater der Cop ist, der nicht so begeistert davon ist, dass der Vigilante Spider-Man für ihn die Verbrecher einspinnt. Da steckt doch das Potential einer Sitcom drin!

Ach ja, Peters Onkel wird natürlich auch von einem Kerl erschossen, den jener hat entkommen lassen, weil der Idiot doch tatsächlich versucht, dem einen Pistole aus der Hand zu ringen. Obwohl sein Onkel somit ziemlich selbst Schuld dran ist, dass er über den Haufen geschossen wird, macht sich Peter dafür verantwortlich, und wird zum Superhelden. Weil dafür immer erst ein Familienmitglied umkommen muss.

Und der Kollege des Vaters, der übrigens nur einen Arm hat und dessen Forschung mit DNS-Crossbreeding zu tun hat, damit er wie weniger komplexe Organismen Körperteile einfach regenerieren kann, macht natürlich unter Zeitdruck den Selbsttest und wird zum Hulkigator (weil ein Seestern-Mutant nicht so toll kommen würde, wie eine Echse), was natürlich aufgehalten gehört.

Nein, The Amazing Spider-Man ist kein Film der großen Überraschungen, aber das sind die wenigsten Superhelden-Filme, schon gar nicht, wenn man deren Origins-Story über die Bühne bringen muss. Die Laufen eh alle nach dem gleichen Schema ab und gerade bei Spider-Man hatten wir das Ganze eben gerade vor knappen 10 Jahren erst. Im Prinzip kommt halt alles so, wie man sich das denken kann. Aber wie gesagt, wer in einen Superheldenfilm geht und erwartet, dass die Handlung ihn aus dem Sessel fegt, der macht eh was falsch. Oder schaut Watchmen.

Doch das bedeutet natürlich nicht, dass der Film schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Ich würde sogar sagen, es ist die bessere Version der beiden Entstehungsgeschichten. Peters Onkel und Tante, sowie Peter und Gwen sind unglaublich süß hier. Andrew Garfield bringt wesentlich bessere schauspielerische Leistung, als Tobey Maguire, und sieht dabei auch noch knackiger aus. Der Film hat, recht viel Pathos im Finale mal abgesehen, wesentlich weniger gestelzte Dialoge oder wird zu kitschig und dämlich, wie das im Original so manchmal der Fall war. Man kann den Film wesentlich ernster nehmen, ohne dass er dabei vergisst, dennoch eine gewisse Leichtigkeit und den Spaß an so einem Superhelden zu erhalten. Und obwohl das Ding mal wieder mit 2 Stunden Plus Überlänge hat, herrscht hier nicht so viel tote Luft vor, wie in manch anderem. Ein paar Charaktere sind sogar nicht mal ganz so eindimensional, wie man das erwarten würde. Der Schulrabauke beispielsweise will Peter trösten, als der seinen Onkel verliert. Der Vater von Gwen mag zunächst gewohnt übertrieben hinter Spider-Man her sein (selbst als ein chaotischer Riesenechsenmutant mit einer biologischen Waffe durch Manhattan rennt, ist dessen oberste Priorität immer noch diesen verdammten Spider-Man zu schnappen, der ihm die Show stiehlt!), hilft ihm im Finale dann aber doch aus. Und sogar der Bösewicht ist kein so chargierender Typ, sondern nachvollziehbar und menschlich.

Was natürlich nicht bedeutet, dass der Film perfekt ist. Es ist sicherlich nicht der pompöseste und Augenöffnend spannendste Superhelden-Film, den wir in den letzten Jahren hatten. Und trotz der 2 Stunden ist er manchmal erstaunlich schlecht darin, Beziehungen zu entwickeln. Es kam mir fast so vor, als hätte ich zur Mitte hin zwei oder drei Szenen verpasst. Zuerst verliert Peter seinen Onkel und ist deswegen schlecht drauf, aber schon kurz darauf ist er grölend-freudig am sich durch Manhattan schwingen, weil Superkräfte nun Mal so geil sind. Und Gwen, die sich weder mit ihm je außerhalb der Schule getroffen, noch in der Schule bisher allzu viel mit ihm interagiert hat, ist plötzlich „Hey, willste meine Eltern kennenlernen?“. Und der Schulschläger ist in den Endszenen plötzlich anscheinend der neue beste Freund von Peter, obwohl der nach dem gescheiterten Tröstversuch einfach komplett aus dem Rest des Filmes verschwunden ist. Wann haben sich all diese Charakterbeziehungen genau entwickelt? Sicher nicht in den 2 Stunden 5 Minuten, die der Filme ohne Credits läuft.

Aber das macht alles nichts, der Film funktioniert trotzdem, schon alleine, weil wir erwarten, dass diese Beziehungen sich so entwickeln würden, stößt das gar nicht mal ganz so sehr auf. The Amazing Spider-Man ist nämlich tatsächlich einer der besseren Superhelden-Filme, die uns deren Renaissance gebracht hat, und davon gibt es nicht gerade wenige. Ich bin fast gewillt, zu behaupten, es wäre der beste der 4 Spider-Men, aber dafür müsste ich den zweiten Raimi-Teil noch mal sehen, besser als dessen erster und dritter Eintrag isser aber allemal. „Amazing“ mag es zwar immer noch etwas übertreiben, aber „Darn Good Spider-Man“ tönt natürlich nicht so gut.

spiderman4

Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Ein Kommentar

  1. Ich seh das auch so. Unter den Spider-Man Filmen ist diese Fassung eindeutig die bessere, v.a. weil sie mehr Augenmerk auf Charaktermomente legt (gerade in der ersten Hälfte) und weniger Show-Off ist als bei Raimi. Ich war anfangs unglaublich misstrauisch, wurde aber echt positiv überrascht!

    Und Spider-Man 3 ist echt mies. Eine reine Enttäuschung für meine Superhelden-Fan-Seele.

    Antworten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: