GameBoy Obscurities: Dragon Slayer

ava-1253Dragon Quest ist das erste japanische RPG? Mitnichten, es ist „nur“ das erste Konsolen-RPG und der Eintrag, der das Genre dort richtig beliebt gemacht hat. Doch gab es bereits vorher RPGs auf japanischen Heim-PCs wie Hydlide oder Cosmic Soldier. Auch Falcom, wohl Japans größter der Nischen-PC-Schmieden Japans, bevor sie mit ihren PSP-Erfolgen von jenem weggingen, waren bereits früh dabei. Mit der wenig bis gar nicht zusammenhängenden Dragon Slayer Reihe beispielsweise, dessen zweiter Teil die Grundlage der Xanadu-Reihe und siebter Eintrag das erste The Legend of Heroes darstellt.

Spiele von Falcom sind Ende der 80er/Anfang der 90er zudem auf so ziemlich alles portiert worden, was sie abspielen konnte, und so hat es das ursprüngliche Dragon Slayer auch auf Nintendos monochromen Handheld geschafft (wie so häufig von anderen Firmen – die MSX-Version kam beispielsweise übers damals noch unbekannte SquareSoft). Nur in Japan, allerdings hat das Spiel keinerlei Text (gut, fünf Worte oder so, die schon alle in Englisch sind), von daher gibt es auch keine Einstiegshürde.

Obwohl, die gibt es doch, aber eben nicht was ein textliches Verständnis angeht, sondern dahingehend, dass man mitten ins Dungeon gesetzt wird und keine Ahnung hat, wie man dieses altmodisch Fossil von einem RPG überhaupt zocken soll.

dragonslayer1

Ich steh also neben einem Haus. Gut, gehen wir doch mal durch die Gegend. Da sind Gegner, aber alle hinter Mauern versiegelt. Gut. Ah, Münzen die ich einsammeln kann. Wenn ich mit denen zurück zum Haus kehre, erhöhen sich meine HP. Oh, da liegt ein Diamant. Hmm… davon kann ich nur einen auf einmal tragen. Gut, versuchen wir doch mal, den auch zum Haus zu bringen. Oh, erhöht meine Attacke, okidoke. Da liegt dann noch ein Ring, erneut kann ich nur den einen tragen. Der lässt mich Blöcke und das Haus verschieben. Außerdem sind überall Kisten, die ich nicht öffnen kann. Hmm, mal zu den Monstern gegangen. Die bringen mich sofort um. Ach so, ich soll also Haken an denen vorbei schlagen, bis ich den Warp finde, der mich zum Schwert bringt, mit dem ich sie endlich verletzen kann. Gekämpft wird a la Früh-Ys, in dem ich einfach in den Gegner laufe, bis der tot ist, bevor ich es bin. Verstehe. Okidoke. So, besiege ich einen Gegnern, respawned ein neuer, stärkerer, bis das Spiel endlich einen generiert hat, der mich tötet. Oha, also doch lieber Hit and Run spielen? Oh, wenn ich zum Haus zurückkehre, regenerieren meine HP nicht, jeglicher Verlust im Kampf ist also permanent. Und die Münzen, die meine HP erhöhen, respawnen nicht. Oha, oha.

So. Das ist das Spiel. Durch die Labyrinthgänge des Dungeons preschen, versuchen dabei nicht zu sterben, und Münzen und (einzeln) Diamanten sammeln, zum Haus zurückbringen, um stärker zu werden. Bis man die Werte ziemlich maximiert hat, um den Dragon slayen zu können und zu gewinnen (nicht ganz, als letzter Dick Move verstreut das Spiel die vier Schätze, die er bewachte, dann noch mal im Dungeon). Wobei das Spiel dann in Phase 2 geht und alles in einem anders generierten Dungeon von vorn beginnt. Gegner können einem durchaus auch Items klauen oder Statuswerte drainen. Die GameBoy-Version bewegt sich zudem auch noch Arsch langsam.

dragonslayer2

Die Sache ist die, nach der ersten Schockstarre gewöhnt man sich sogar dran. Sobald man es geschafft hat, einige Diamanten zum Haus zurückzubringen, kann man es auch mit Gegnern aufnehmen und geht denen, die zu stark sind, halt noch aus dem Weg. Nach genug besiegten Gegnern lernt man auch Zauber, die alle passiv sind, jedoch die Dungeonarbeit erleichtern, in dem man frei herumfliegen oder Blöcke zerbrechen kann. Irgendwann kennt man sich auch auf der überall gleich aussehenden Map aus und weiß tatsächlich, wo man ist, nur weil die drei Blöcke so ausgerichtet sind, statt anders. Und dann ist man irgendwie in einer Trance, spielt wie ein hirnloser Zombie weiter und weiter, Spaß wird man aber dennoch wohl nie haben. Die armen Japaner, die das Ding damals ohne Savestating auf einem echten Gerät spielen mussten. Nicht nur, weil das natürlich den Spielverlauf erleichtert, sondern weil es schlichtweg gar keine Speicherfunktion auf dem eigentlichen Modul gibt, es also in einer Sitzung geschafft werden musste. Und dann gibt es plötzlich bei einem so primitiven Spiel Sachen, wie dass sich der Cursor die letzte Magieposition merkt oder echt schwache Gegner einen gar nicht mehr von sich aus angreifen. Seltsam.

Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass Dragon Slayer wohl das schlechteste Spiel ist, mit dem ich je Zeit verbracht habe. Ich dachte Hydlide wäre schlimm gewesen, aber das ist wenigstens nicht ganz so monoton. Als VirtualBoyAdvance das Ding gar nicht erst abspielen wollte, hätte mir das ein Zeichen sein sollen, statt einfach nach einem anderen Emu zu suchen.

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2 Kommentare

  1. An der Stelle muss man dir einfach danken, dass du deine Freizeit und Nerven für diese interessanten Einblicke in die Anfänge des RPG Genres opferst :)

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    • Das gute an so alten Schinken wie Hydlide und Dragon Slayer ist, dass man sie trotz ihrer Unfairness in wenigen Stunden bezwingen kann. Sonst hät ich wohl beide zwecks verschwendeter Lebenszeit auch nicht durchgebracht.

      Kleines Geheimnis: Ich hab Dragon Slayer zudem ge-shortcutted, indem ich den Drachen noch underleveled besiegt habe, da der einen bei richtiger Positionierung gar nicht angreifen kann. Aber pssst, sonst verlier ich noch wichtige Street Credz.

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