Ju-on: Part Trois

ava-1247Shimizu schmiedet seine Eisen, solange sie noch heiß sind und so ließ er sich nicht lang lumpen, als America in der J-Horror-Welle auch um ein Remake seiner Ju-on bat. Er nahm sogar selbst Platz auf dem Regiestuhl, was wenn ich mich recht erinnere, zum ersten Mal bei einem J-Horror-Remake war und danach ein kurzlebiger Trend wurde, die Originalregisseure zu holen, statt einen Ami es remaken zu lassen. Kurzlebig, weil der J-Horror-Trend zum Release von The Grudge schon wieder auf dem absteigenden Ast war.

In diesem Falle handelt es sich nun tatsächlich um ein Remake, The Grudge erzählt im Prinzip genau die gleichen Ereignisse, wie Ju-on: The Grudge damals, mit ein paar kleinen Änderungen, dafür sind andere Szenen Shot for Shot wiedergegeben. Zugeständnisse an das amerikanische Publikum macht Shimizu dabei so wenig, wie nur möglich (in den Titel Cards der US-Filme tauchen selbst die japanischen Ju-on-Schriftzeichen auf). So spielt auch The Grudge in Japan im gleichen Anwesen, mit den gleichen Saekis, die den Ursprung des Fluches bilden. Allerdings wohnt eine amerikanische Familie dort, die Sozialarbeiterin ist Sarah Michelle Gellar und auch der Professor, der maßgeblich (unschuldig) am Unglück beteiligt ist, ist Ausländer.

Das Ganze sieht auf einem technischen Level nun natürlich eine ganze Ecke besser aus, auch wenn ich sagen muss, dass die Geister dadurch irgendwie ein wenig goofy wirken, in der einen oder anderen Szene. Wirklich mehr Gore oder laute Jump Scares bzw. allgemeine Effekthascherei wird man nicht entdecken, wobei sich die japanischen Filme ja sowieso nie mit dem Auftauchen der Geister groß zurückgehalten haben, und Shimizu die Fehlender-Unterkiefer-Szene aus Ju-on: The Curse hierein zieht.

Nun ja, es ist halt tatsächlich so, The Grudge ist einfach Ju-on: The Grudge noch mal von vorn, quasi sich genau gleich entfaltend, nur diesmal mit einem halben Cast an kaukasischen Schauspielern. Nicht besser, nicht schlechter, sondern eben einfach alles erneut.

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Eine besondere Änderung finden wir aber erst in The Grudge 2 heraus: Sarah Michelle Gellar hat überlebt. Der Vorgänger endete mit der typischen Szene, dass Kayako vor ihr auftauchte, dann Fade to Black. Hieß bisher für alle Charaktere, dass der Fluch sie erwischt hat. Nicht so hier. Was aber wohl nur der Fall ist, um erneut eben Sarah Michelle Gellars Namen in den Credits zu haben, letztendlich kommt sie nämlich nur in zwei Szenen vor, bis der Fluch sie nun aber auch wirklich erwischt.

Der Rest ist altbekannt: Charaktere gehen ins Haus (nun etwas verbrannt, da Gellar es angesteckt hat, was aber nicht viel Unterschied macht) und werden von den Geistern von Kayako und Toshio (und deren Katze, weil der Ehemann echt gründlich vorgegangen ist und selbst das Vieh ertränkt hat) geplagt, bis sie am Ende ihres Segmentes umkommen und der nächste Charakter ins Haus stolpert, bzw. der Fluch sich auf deren Angehörige ausweitet.

The Grudge 2 versucht dabei etwas neuen Wind rein zu blasen, in dem wir eine Backstory bekommen, warum Kayako überhaupt dazu fähig ist, im Tod einen solch starken Fluch zu hinterlassen. Das ist sowieso klarer Fall von „too little, too late“, und ich weiß auch nicht, ob ich’s so oder so gut finden kann. Die Randomness des Fluches, eben die Grundlosigkeit der Angelegenheit, hat doch etwas vom Schrecken ausgemacht. Quasi jeder konnte zu einem solchen Geist werden, jedes Haus, in dem man seinen Fuß setzt, in dem jemand brutal umgekommen ist, konnte einen verfluchen. Dem ist nun anscheinend nicht mehr so, auch wenn jemand vergessen hat, den Anfangstext jeden dieser Filme, der nun nicht mehr passt, zu ändern. Dafür ganz nett, dass die Opfer-Charaktere hier definitiv stärker charakterisiert sind, als in den Vorgängern. Man findet tatsächlich etwas mehr, als das unbedingt Nötigste, über sie heraus, bevor sie um die Ecke kommen.

Die Sache ist die, dass die Ju-ons/The Grudges alle durchaus ganz Ok sind, aber wir sind jetzt einfach beim sechsten Film angelangt und die Sache hat sich, obwohl sich qualitativ nicht viel geändert hat, nun einfach mal tot gelaufen. Man kann nur so häufig einen Film dieser Machart sehen, bis die Luft und Spannung raus ist, weil man mittlerweile die meisten Scare Setups schon ähnlich in den Vorgängern sah, es ob der Unentrinnbarkeit des Fluches auch klar ist, dass wir für keinen Charakter mehr fiebern müssen, sobald er die Schwelle des Hauses übertreten hat. Am Ende eines jeden Filmes sind sowieso alle tot.

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2009 verschlug es die Reihe dann mit The Grudge 3 zurück an ihre Wurzeln als Direct-to-Video Produktion. Und brach mit ein paar langen Traditionen. So ist es der erste Film, bei dem Shimizu nicht Regie führte, sowie der erste, bei dem Kayako nicht von der gleichen Schauspielerin portraitiert wird (man hat nicht mal sonderlich drauf geachtet, für sie und Toshio Schauspieler zu casten, die den vorigen ähnlich sehen).

Der Film beginnt wie der vorige damit, uns zu zeigen, dass das Opfer der finale Szene jene doch irgendwie überlebt hat, nur um ihn gleich darauf umzubringen. Und dann die große Überraschung: The Grudge 3 ist komplett linear erzählt! Kein hin und her mehr zwischen verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte und kaum zusammenhängenden Charakteren. Und quasi keine Szene mehr in Japan, alles dreht sich um den amerikanischen Wohnkomplex aus dem Vorgänger, in den der Fluch nun übergesiedelt ist. Nach den dortigen Toden ziehen immer mehr Leute aus und der Hausmeister und seine zwei Schwestern werden zum neuen Opfer von Kayako und Toshio, neben ein paar anderen Figuren, die dumm genug sind, das Gebäude zu betreten.

Und dann eine weitere Überraschung, The Grudge 3 expandiert die Backstory des Vorgängers, in dem er uns eine Schwester Kayakos erfindet, die tatsächlich eine Möglichkeit kennt, den Fluch zu beenden. Zum ersten Mal in einem dieser Filme ist der Tod also nicht unausweichlich, sondern es gibt eine Lösung, eine Überlebenschance.

Das ist ja schon fast kein Ju-on mehr, eh? Genau genommen kommt es einem tatsächlich weniger wie J-Horror-Standard vor, denn wie US-Horror-Standard. Mehr Charakterisierung, ein Mädel, das sich dem Reinigungsritual krumm stellt, ein hässliches Kind mit unheilbarer Krankheit, das in die Lösung hinein spielt. Mehr Blut, als in den unmittelbaren Vorgängern (aber nicht wirklich viel brutaler, als die ersten beiden Ju-ons mit der Säuglingssache). Jepp, The Grudge 3 bringt frischen Wind in die Reihe, in dem es abgestandenen Wind aus typischen amerikanischen Horrorfilmen einbläst. Von daher… netter Versuch, aber erneut nicht super spannend, zumal er es wie der Vorgänger nicht wirklich schafft, einen der Scares wirklich unheimlich zu machen.

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