GameBoy Obscurities: Legend of the River King

ava-1234Neben der Farmsimulation Harvest Moon hat Natsume noch ein weiteres etwas andersartiges Spielekonzept laufen gehabt, nämlich die Angel-RPGs (Legend of the) River King. Ich bin damals tatsächlich über Harvest Moon drauf aufmerksam geworden, da der zweite GBC-Teil eine mögliche Verbindung mit Legend of the River King 2 anbot, hab’s mir aber nie geholt, auch das spätere Harvest Fishing auf dem DS nach einiger Überlegung nicht. Genau genommen existiert die Reihe allerdings schon länger, Legend of the River King GB ist nämlich dort bereits das dritte Kawa no Nushi Tsuri nach je einem Teil auf NES und SNES. Ist aber wohl auch in Japan nie so erfolgreich wie Harvest Moon gewesen, während jene Serie nämlich mittlerweile alle zwei Monate einen neuen Teil bekommt, hat es Kawa no Nushi Tsuri „nur“ auf 8 Spiele gebracht. Plus das sehr kurzlebige Spinoff Umi no Nushi Tsuri in 3 Teilen. Im Prinzip lassen sie sich also alle paar Jahre mal, zwischen zehn Harvest Moons, zu einem neuen Teil hinreißen, wahrscheinlich aus purer Langeweile.

Wie ich es geschafft habe, mich so lange von einem Spiel fernzuhalten, welches sowohl ein RPG ist, als sich auch um Fische zu drehen, ist natürlich eines der großen Mysterien des Universums. Die Antwort: 42. Die echte Antwort: Ich interessiere mich nicht die Bohne für den Angelsport. Ich mag Fische nur in Aquarien und in Dokus. Selbst Angeln als Nebenaufgabe in Spielen kann ich nicht viel abgewinnen– eine gewisse Obsession mit dem in Breath of Fire III mal ausgenommen. Außerdem habe ich eine erstaunliche Toleranz gegenüber dem Fischen in Animal Crossing, was aber wahrscheinlich mehr daher rührt, dass es an ein Aquarium gebunden ist. Ich fische kaum noch, bis gar nicht mehr, sobald ich alle neuen Saisontiere an der Angel hatte.

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Aber jetzt endlich mal zum Spiel. Die Handlung ist schnell erzählt: Eines Morgens wachen wir zum heftigen Gestöhne unserer Schwester auf und Mami erklärt uns, dass die kein Power Masturbating betreibt, sondern krank ist. Ominöse Krankheit ohne Namen kann nur geheilt werden, in dem wir den Guardian fangen, einen ganz besonderen Fisch, der River King wenn man so will – wäre er in einem Fluss statt See zu finden, heißt das. Nun questen wir uns durch vier Gebiete am Flussverlauf, um den NPCs Infos zu entlocken, wo genau jener Guardian zu finden ist und wie wir dort überhaupt hinkommen. Ist er dann gefangen, ist das Spiel beendet. Wer will, darf aber noch alle Fischarten zusammen fangen (40 in der GB-, 48 in der GBC-Version) und bekommt dann ein zusätzliches Areal freigeschaltet, in dem alle Fischarten gleichzeitig ihr Unwesen treiben. Auch wenn ich es für eine sehr seltsame Belohnung finde, nach allen gefangen Arten einen See zu bekommen, in dem alle gefangen werden können.

Das Ding ist, Legend of the River King ist leider recht langweilig, teilweise auch nervig. Um Fische zu fangen, braucht es natürlich erst einmal die richtige Ausrüstung. Verschiedene Angelruten, Köder, Fliegen und Haken können eingekauft werden, zu verschiedenen Preisen. Geld gibt es nur durch verkauften Fisch, versteht sich. Und nur gewisse Fischarten mögen auch gewisse Köder, und rutschen nur bei einer gewissen Größe nicht vom Haken. Das kann recht schnell nerven, durch Trial und Error rauszufinden, was jetzt für die aktuellen nötig ist, zumal sich Köder und Haken auch mit jedem Versuch, egal ob gefangen oder entwischt, aufbrauchen (und nicht automatisch vom 9er-Stack ein neues gewählt wird, sondern im Menü mühsam jedes Mal der nächste, gleiche Köder erneut ausgerüstet werden muss). Das negiert sich netterweise etwas, wenn man herausfindet, das Fliegen nur beim Misserfolg verschwinden und sowieso mit Fly Rod und Stonefly 90% er Fische anbeißen. Dennoch kann man sich nie sicher sein, da Fische manchmal sofort beißen, manchmal auch 10 Minuten an der Angel vorbei schwimmen, bis sie sich dann doch erbarmen, man währenddessen ständig rätselt, ob es nicht vielleicht doch ein anderer Köder sein muss.

Die Mechanik des Angelns ist übrigens total einfach. Angel ins Wasser werfen – erst dann sieht man die Fischschatten -, warten bis einer anbeißt und der Köder entsprechend sinkt, und dann einholen. Das Spiel wechselt nun in eine Seitenansicht unter Wasser und das übliche Tug of War Gedöns so vieler Angelspiele beginnt. Einfach warten, bis der Fisch ausgelaugt ist, dann Leine einholen, wenn er wieder gegen geht, Leine lassen, wenn er ausgelaugt ist einholen etc. Das ist nicht wirklich schwer und hat auch keine Variablen, der Guardian ist nicht wirklich schwerer einzuholen, als die Fische im ersten Gebiet.

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Nun habe ich noch gar nichts von den RPG-Elementen erwähnt. Das liegt daran, dass sie unglaublich aufgesetzt wirken. Als hätte sich jemand gedacht „Mensch, Enix macht mit Dragon Quest all diese RPG-Moneyz, davon wollen wir auch was abhaben. Hmm… schmeißen wir einfach unnötige Kämpfe in unser in Programmierung befindliches Angelspielt!“ Sehr sporadisch wird man, während man durch die Gebiete geht, von Wildtieren angegriffen, wie Bienen, Schlangen, streunenden Katzen etc., die dann entweder besiegt werden müssen, oder man selbst besiegt wird. Letzteres ist nicht so unwahrscheinlich, weil sie wie gesagt nicht so häufig auftauchen, wenig EXP geben und man entsprechend für jeden Kampf unterlevelt ist, das ganze Spiel über. Vergesst Grinding btw, dafür kommen die Viecher nicht häufig genug. Immerhin gibt es keinen Negativaspekt des Sterbens, man erwacht im nächsten Gasthof, alles noch intakt, nur HP auf 1, also steht eine Übernachtung an. Dabei sind die Kämpfe sogar etwas interaktiv, wandert doch ein Faustsymbol über den Gegnersprite und man kann entsprechend rechtzeitig oder eben nicht gedrückt daneben schlagen aber auch einen Schwachpunkt treffen. Ausrüstung für die Kämpfe gibt es allerdings nicht, kein Geld zur Belohnung und das Level hat keinerlei Auswirkungen auf das Angeln an sich. Weswegen die Kämpfe eben so unglaublich aufgesetzt und unnötig wirken, da sie nur nerven, wenn sie doch mal passieren, zumal viele Tiere einem die geangelten Fische klauen können. Ich habe es bereits mehrmals gesagt, RPG und andere Genre mischen sich nicht immer zu guten Resultaten, Parasite Eve wäre als reines Survival Horror besser dran, Dissidia als reines Fighting Game und River King als schlichtes Angelspiel ebenso.

Tja, nette Konzept bei Seite gelassen, kann ich nicht behaupten, dass der Nachmittag, den es gebraucht hat, um den Guardian zu fangen, wirklich sonderlich erfreuend war. Die RPG-Mechaniken nerven, die Zufälligkeit wie häufig oder eben nicht die Fische sich anzubeißen hingeben, kann schnell langweilen. Ich mochte das Spiel nicht so. Unverbesserliche, die sich dennoch dran versuchen wollen, dürfen es übrigens demnächst aus Nintendos überteuertem e-Shop downloaden.

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7 Kommentare

  1. Da! Genau das hatte mich schon länger mal interessiert. Aber wenn ich dein Review so lese, denke ich, dass mich das Spiel auf vielfältige Weise beim Spielen ankotzen würde. Da bleibe ich wohl doch lieber bei HM, wobei auch hier kein Teil mir jemals wieder so viel Spaß bereitet hat wie der SNES-Erstling. Vielleicht lag es aber auch an der Zeit…

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    • Das erste HM ist bei mir auch länger her, aber ich wette, dass ich auch heute nach kurzer Zeit wieder im tranceartigen Bewässern, Ernten, Bürsten, Melken, Eier sammeln, Holz hacken, Ware verkaufen und Bräute angraben versinken würde.

      Bin letztens wegen dem eShop Update auch erstmals auf Legend of the River King aufmerksam geworden. Nach dem Blogpost bin ich (zum Glück) alles andere als versucht, auf ebay danach zu stöbern. Klingt ganz danach, als ob man sich seine RPG- und Angeldosis besser bei einem neuen Breath of Fire III holen kann.

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    • Ich muss sagen, das SNES-Original und der zweite GB-Teil sind die beiden Harvest Moons, die ich tatsächlich regelmäßig mal wieder raus hole und spiele. Sind wirklich mit die Besten, wobei wohl doch etwas Nostalgie natürlich mit schwingt. Gerade beim Erstling fällt doch auf, wie wenig man machen kann, was zum einen eine Stärke ist, weil’s sich viel schneller spielt und nicht so viel unnötiger Dreck das Ding aufbläht, aber zwei von vier Jahreszeiten nix anbauen zu können, ist doch etwas viel.

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      • Grade das empfinde ich aber als große Stärke des alten Teils. Mir vergeht bei A wonderful Life schnell die Lust, weil ich von Möglichkeiten erschlagen werde. Rune Factory Frontier hatte das ganze etwas besser gelöst und führt einen nach und nach an alles heran.

      • Ugh, A Wonderful Life ist sowieso Sondermüll :D

        Aber zumindest im Herbst Ackerbau betreiben zu können, hätte ich im Original schon schön gefunden. Ein halbes Jahr ohne ist doch etwas viel Downtime für mich ^^

      • Du kannst doch im Herbst zumindest noch ernten. =3

  2. Also ich find das Spiel ok. Für ein Gameboy Color Spiel auf jeden Fall.

    Stimme aber komplett zu, was die Kämpfe angeht. Sinnloser geht es nicht.

    Harvest Fishing ist übrigens da besser: Keine Kämpfe, süßere Graphik, und.. ja. Aber motiviert nicht, weils recht lang ist für so etwas simples.

    Wusste gar nicht, dass Legend of the River King das für dne eShop kommt. Habs aber auch original.

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