Academy Weekend – Hugo

ava-1224Hugo ist mit The Artist einer der beiden großen Gewinner der Academy Awards 2012 gewesen. Beide haben fünf davon abgeräumt, Hugo war mit elf sogar für einen mehr nominiert, ist aber wohl doch der kleinere der beiden Gewinner, weil er Bester Film eben nicht gekriegt hat, die wichtigste Kategorie von allen.

Titelgebender Hugo ist ein Waisenjunge, der in den Wänden des Pariser Hauptbahnhofes lebt. Es ist nämlich so, dass sein Vater ein Angestellter im Museum war, der in seiner Freizeit komplexe Maschinerien reparierte. Nachdem jener starb, kam Hugo bei seinem saufenden Onkel unter, der am Bahnhof dafür angestellt ist, die Uhren zu warten. Der Onkel ist nun auch verschwunden und so geht Hugo allein der Arbeit nach. Besonders anziehen tut ihn dabei der Laden eines Spielzeugmachers, welcher ihn allerdings für einen Dieb hält (was Hugo btw auch ist, so um überleben zu können) und ihm geschockt ein Notizbuch abnimmt, das Hugos Vater zusammen mit einem Automaton, einer menschlichen Maschine, irgendwann angeschleppt hatte.

Ich muss zugestehen, dass ich meine Anlaufschwierigkeiten mit Hugo habe. Einfach nur, weil er so hart versucht artsy fartsy zu sein. Ein Waisenkind, nostalgisch-steampunkige Optik, schräge Nebencharaktere, ein Film über das Filmemachen und später philosophiert Hugo sogar darüber, dass Menschen genau wie Maschinen einen (Lebens-)Zweck erfüllen müssen und kaputt sind, wenn sie jenen aus den Augen verlieren. Oh ja, da hat ich echt hin und wieder meine Probleme, hinter dies zu schauen und dem Film an sich eine Chance zu geben.

Der ist nämlich gar nicht mal so schlecht, vor allem in seiner zweiten Stunde, wenn er von Hugo weg geht und das erzählt, was er eigentlich erzählen will. Denn das ganze Setup mit Hugo und dem Geheimnis um den Automaton des verstorbenen Vaters ist nur dazu da, um an die Lebensgeschichte von Georges Méliès zu kommen. Den Mann gab es wirklich und ist einer der großen Virtuosen gewesen, als das Medium Film zum Dreh des 19. Jahrhunderts neu aufgekommen ist. Über 500 Filme soll er damals gedreht haben und eines der ikonischsten Werke des frühen Filmes, 1902s Le voyage dans la lune, geht auf sein Konto. Als es eben um den Magier ging, der als einer der Ersten dran glaubte, Kinematographie sei kein kurzlebiger Trend sondern die Zukunft, in dieser geradezu Pionierstimmung hunderte kleine Werke voller Fantasie drehte, bis die Realität des Ersten Weltkrieges den Traum platzen lies… da hatte mich Hugo dann doch. Da kam dann der Charme. Zu schade, dass ich mich um die Rahmenhandlung des eigentlichen Titelgebers, der so viel Screentime ausmachte, wesentlich weniger geschert habe.

hugo

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3 Kommentare

  1. Ich habe Hugo Cabret leider bis heute nicht gesehen. Schade, wirklich, weil Interesse bestünde. Nur… großer Gewinner? Bei der hohen Anzahl an Nominierungen nur in Nebenkategorien abstauben …. für mich war der großer Verlierer im vorigen Jahr.

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    • Na ja, zweitgrößter Gewinner halt einfach alleine von der Quantität der Oscars her. Und immerhin war er in reichlich Hauptkategorien nominiert. Sicher, The Artist ist der größere Gewinner, da der eben auch in jenen durchgekommen ist.

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