Generation One

ava-1206Die Original-PhantasyStars werden von Sega immer etwas stiefmütterlich behandelt. Klar, alle X Jahre gibt es vielleicht mal ein Rerelease, aber dies sind immer Ports. Das erste Phantasy Star gibt es neben dem Master-System-Original noch auf dem Mega Drive, in PS-Collections für GBA, Saturn und PS2, sowie Sonics Ultimate Mega Drive Collection für PS3 und Xbox360 und auf Wiis VC. Alles Ports, nicht einer davon grafisch mal etwas gesäubert oder aufgehübscht wie SquareEnix das mit Final Fantasy oder Falcom mit Ys machen, die ja auch so ziemlich auf alles geportet wurden, was sie abspielen kann, und lediglich die PS2-Collection lässt endlich mal den Schwierigkeitsgrad senken. Doch es besteht eine einzelne Ausnahme, das Stand-Alone Remake auf der PS2 in Segas 3D Ages 2500 Line. Ähnlich die D3s Simple 2000 Line (Oneechanbara, Earth Defense Force, Zombie vs Ambulance und dreihundert andere Budget Title) steht das 2500 dabei für den Preis in Yen, im Gegensatz zu SquareEnix verlangte Sega also zumindest nicht erneut Vollpreis für das Einzelrelease (Vollpreis-PS2-Spiele waren 6000-7000 Yen, also das dreifache). Genau genommen lies Sega zu Beginn des Lineups D3 das Ding schmeißen und übernahm die Linie erst, nachdem die ersten paar Spiele alles andere als der erhofften Qualität entsprachen (nicht doch, dabei ist D3 Simple-Lineup doch für so Perlen wie Demolition Girl, Street Boyz und Co. bekannt!).

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Phantasy Star, das Original fürs Master System, ist dabei ein ziemlich überraschendes Spiel. Man muss hierbei bedenken, dass es Ende 1987 erschien, selbst Final Fantasy war damals gerade wenige Tage alt. Es gab sozusagen noch keine Norm, nach der sich JRPGs gerichtet hatten, haben die PC-Vertreter a la Dragon Slayer und Hydlide nicht wirklich viel Auswirkung auf die Standards der Konsolen-JRPGs gehabt und auf jenen waren lediglich die ersten beiden Dragon Quests schon existent. Das erklärt wohl auch, warum Teil 1 im Gegensatz zu den folgenden drei noch ein wenig Wizardry-Dungeoncawler-Designmentalität hat. Mit seinen 1st-Person-Dungeons, Falltüren, versteckten Türen, mit Fallen bestückten Schatztruhen und Heilung, die nicht pauschal kostet, sondern je nachdem, wie sehr regeneriert gehört.

Umso erstaunlicher ist, wie weit es seinen Kollegen doch voraus war. Ein weiblicher Hauptcharakter ist bis heutzutage in JRPGs noch eine Seltenheit, wie SE mit seinem Pochen darauf, wie speziell doch Lightning Returns ist, bestätigt. Liegt wahrscheinlich daran, dass der Kopf des Entwicklerteams der Classic Phantasy Stars selbst eine Frau ist, auch nicht unbedingt die Norm in der japanischen Geschäftswelt, gerade in den 80ern. Und wisst ihr was? Alis ist einfach nur ein Charakter. Sie wird nicht sexualisiert, ihr wird als Daseinsberechtigung keine Romanze angedichtet, sie muss nie beweisen genauso tough zu sein wie ein Kerl.

Auch was die Handlung angeht, ist Phantasy Star dem ersten Final Fantasy und den ersten beiden Dragon Quests meilenweit voraus, gerade auch, was die Präsentation angeht, mit den für wichtige Momente immer wieder eingeblendeten Standbild-Pixelarts. Überhaupt ist das Spiel der Konkurrenz technisch fast eine Generation voraus, die mit Attackanimationen ausgestatteten Gegnersprites sind auch heutzutage beeindruckend, gerade für ein 8bit-RPG (Final Fantasy VI hatte nicht mal welche). Rundum, Phantasy Star ist, wenn man bedenkt, dass es ein 8bit-Spiel von 1987 ist, heutzutage noch verdammt beeindruckend.

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Das Problem ist, dies in einem PS2-Remake zu spielen, negiert all diese Novität ein wenig sehr. Man kann es einfach nicht anders sagen, doch Sega Ages 2500 Series Vol. 1: Phantasy Star Generation 1 sieht billig aus. Klar ist jetzt alles unverpixelt und glatter, hochauflösender und moderner anzusehen. Aber wenn man beim Ansehen des Originals denkt „Wow, was die aus 8bit so alles rausgeholt haben“, mag sich beim PS2-Remake der Gedanke nicht erwehren, dass die Lunar-Remakes auf der vorigen Sony-Konsole oder gar Phantasy Star IV auf einem 16biter teilweise besser aussehen. Gerade die neuen Gegnerdesigns stinken enorm ab und auch die eingeblendeten Standbilder haben ein enorm generisches Animedesign, wirken schnell dahin geschludert. Einige animierte Ingame-Sachen, wie der Flug zum Air Castle und das dortige Auftauchen des Drachens, passieren jetzt sogar Offscreen! Sicher, die Oberwelt ist jetzt netter anzusehen, mehrere Gegner werden gleichzeitig angezeigt, die Dungeons wenn auch extremes Low-Res-3D haben wenigstens unterschiedliche Designs… doch so wirklich optisch gefällig sein will das Remake mir nicht. Die Musik ist auch häufig ein Downgrade.

Aber immerhin macht es das Spiel etwas angenehmer spielbar, ist es doch nun einfacher, ein Großteil des Grinds des Originals ist entfernt. Warum aber so viel NPC-Gerede, bevor man weitergelassen wird, die es häufig auch mal schwer machen, zu merken, wo man einen Textbrocken übergangen hat, und fest hängt, hinzugefügt wurde, bleibt mir schleierhaft. Hoffnungslos einfach wie ein Final Fantasy I GBA ist es übrigens immer noch nicht, aber eben doch schon zügiger spielbar mittlerweile. Das ist aber tatsächlich alles, was das Remake für sich verbuchen kann. Irgendwo wäre es doch mal ganz schön gewesen, wenn da jemand professionelleres drangelassen worden wäre, dass Segas 3D Ages/2500 Lineup schnelle Budget-Titel sind, sieht mal leider doch an jeder Ecke.

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2 Kommentare

  1. Ich habe mich noch vor einer Weile sehr für die Phantasy Star Collection für dem Game Boy Advance interessiert, strich es aber wieder von der Liste, da der zweite Teil extrem langwierig und schwer sein soll. Gerade nach einem ermüdenden Final Fantasy III muss ich echt nicht so etwas haben. Außerdem soll der dritte Teil nicht so tollsein und nur für den ersten würde ich es nicht kaufen wollen.

    Tatsächlich hätte ich noch am ersten und vierten Teil Interesse, möchte mir aber diese nicht unbedingt blind kaufen, nachdem ich von einigen hochgehypten Spielen eher enttäuscht wurde. Vielleicht irgendwann für WiiU, aber das liegt noch in den Sternen.

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    • Die GBA-Collection ist nicht so pralle. Phantasy Star hat einen Save Bug (wenn man gerade dann speichert – was man überall und zu jeder Zeit machen kann im Original – wenn die BGM looped, hängt sich das Spiel ohne speichern auf) und der veringerte Bildschirmausschnitt macht das Navigiern der Dungeons in PS2 zu einer noch größeren Hölle, als es eh schon ist.

      Ich muss sagen, auch wenn PS3 hoffnungslos unspektakulär ist, vom nicht sonderlich gut umgesetzten Generationssystem mal abgeshen, fand ich es zumindest noch besser spielbar, als PS2. Bei Phantasy Star II konnte ich sehen, was das 1989 zu einem herausragenden JRPG gemacht hat, aber es ist einfach hundsmiserabel gealtert. Von der schwere der Kämpfe, zu den schlimmen Labyrinthdungeons, zum sperrigen Interface, zum extrem trägen Spielverlauf… das ist heutzutage kaum noch durchstehbar.

      Ist aber schon ein wenig Schade, dass nicht alle 4 schon auf der PS2/PSP-Version der Mega Drive Collection sind.

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