TWILIGHT!

ava-1162Ja, Twilight. Sicher, das Thema ist durch, alle haben bereits proklamiert, dass sie es entweder lieben, oder hassen oder als Guilty Pleasure lieben und sind nun zu Fifty Shades of Grey weitergewandert. Doch so richtig sich permanent drüber beschweren, ohne es überhaupt zu kennen, ist ja irgendwo auch doof. So ganz stimmt das natürlich nicht. Ich habe ja bereits den ersten Film gesehen damals, kam zum Schluss, dass der Hate doch etwas übertrieben und der Film halt hauptsächlich recht doof und kolossal langweilig, aber auch irgendwo harmlos ist. Auch die Sache, dass Bella so ein schlechtes Role Model sein soll, hab ich damals abgeschossen damit, dass sie ja eigentlich nur ein Wunschtraum einer schon längst so existenten Generation ist. Ich glaub ja auch, dass viel vom Hass, der Twilight entgegenschlägt nicht mal so viel von Twilight an sich kommt, sondern der Backlash zu dessen enormen Popularität, den es absolut nicht verdient hat, ist. Wäre Twilight einfach ein sich halbgar verkaufendes Jugendbuch gewesen, das schnell wieder von der Bildfläche verschwindet, hätte es keinen interessiert. Das nächste gigantische Buchphänomen nach Harry Potter zu werden… ist schon was anderes. Wo wir übrigens schon dabei sind, Bücher nach dem Einband zu bewerten: Die der Twilight-Saga sind mal echt schnieke. Wäre ich ein Spontankäufer, mir würden sie in der Buchhandlung definitiv ins Auge springen und Interesse generieren.

Ein Nachteil, den so ein Kindle gegenüber einem echten Buch hat: Es gibt keine scharfen Seiten mehr, mit denen man sich die Pulsadern öffnen könnte, um dem Lesestoff zu entkommen.

Nicht, dass dieser schnippische Kommentar wirklich je zur Realisierung getragen werden müsste, während man Twilight liest. Ich war selbst sehr überrascht, aber ehrlich gesagt ist das Buch nicht so schrecklich, wie man erwarten würde. Sicher, es ist nicht wirklich „gut“, aber eben auch nicht „so schlecht“. Es ist halt dummer, romantischer Fluff für Teenie-Girls, so wie es für Jungs sinnlos-dumme Actionspektakel gibt.

Die größte Überraschung überhaupt ist, dass die Charaktere im Buch, ganz im Gegensatz zum Film, tatsächlich so was wie eine Persönlichkeit haben. Bella gibt sarkastische Kommentare von sich, statt einfach nur hohl durch die Gegend zu schauen. Edward hat auch einen Sinn für Humor und zieht sie gern auf, hat seinen Spaß an ihren Reaktionen. Ja, ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass die beiden – zumindest stellenweise – ganz sympathisch rüberkommen. Was natürlich auch hilft, ist, dass Bella nicht als eine so egoistische Kuh hingestellt wird, der es nur darum geht, zu bekommen, was sie will. Sie ist zur Selbstaufopferung bereit, auch wenn es nie so weit kommt, dass sie dies auch wirklich tun müsste.

Denn das ist das größte Problem an Twilight, der Grund warum es so langweilig werden kann, warum es so fanfictiony rüber kommt: Es passiert nichts, es gibt keinen Konflikt. Oh ja, selbst Stephenie Meyer merkt, dass es zumindest ein klimatische Finale geben muss und somit kommt auch hier plötzlich ein andere Vampir vorbei und entscheidet sich mal schnell dazu, Bella zu jagen. Aber die mehreren hundert Seiten davor passiert nix, außer das Bella und Edward sich ineinander verlieben und keiner was dagegen hat. Nur Edward, der meint, er sei schlecht für sie und solle sich zurückhalten, was er dann aber doch nie tut. Und ein weiteres Problem von Twilight: Charaktere reden über Probleme, aber wir spüren deren Existenz nie. Edward meint er solle sich besser von Bella fern halten, weil er nie sicher ist, ob ihn nicht die Blutlust überkommt und er sie anfällt und tötet. Dann hat er aber nie im Buch auch nur das geringste Problem damit, sich zu zügeln, selbst wenn er gegen Ende das Gift aus ihrem Blutkreislauf saugen muss. Bella hat Angst, dass die Cullens Probleme damit haben, ihr Vampir-„Sohn“ ist mit einem Menschen zusammen, der ihr Geheimnis kennt. Aber die empfangen sie mit offenen Armen. Bella weiß eigentlich, dass die Offenbarung, dass Edward Stalker-Tendenzen hat, sie stören müsste – aber er ist doch so dreamy! Es ist nicht so, dass es kein Potential für Konflikte gäbe, es ist nur so, dass jene nie geschehen. Alles läuft einfach zu perfekt für alle Beteiligten. Die natürlich auch alle perfekt sind. Abgesehen von Bella, die aber auch nur so quirky „Fehler“ hat, wie ein Körperkasper zu sein, der schlecht in Sport ist und schlecht Freunde gewinnt (aber dann doch innerhalb eines Tages die halbe Schule an ihr interessiert zu sein hat, natürlich), die sie nur für die Zielgruppe an Teenie-Girls umso beziehbarer macht. Immerhin muss man ihr zugestehen, dass sie sich bewusst ist, dass sie nichts zu bieten hat, auch wenn es natürlich das Buch nicht davon abhält, gleich ein halbes Dutzend Jungs auf sie stehen zu lassen. Eben wieder für die Zielgruppe – du musst nichts vorweisen können, um beliebt und gewollt zu sein.

Wirklich, Twilight ist natürlich auch nichts, was man ein gutes Buch nennen kann, aber es ist weder schrecklich und weitestgehend halt einfach… harmlos. Kleinmädchenfantasie, schnell zu lesen, einfach geschrieben. Frau Meyer mag gewisse Worte und Phrasen gerne, benutzt sie häufig, schreibt alles sehr auf den Punkt, statt blumige Umschreibungen und detaillierte Szenenbeschreibungen zu bringen. Etwas spröde vielleicht, aber mich störte das nie, zumal es alles aus dem Blickwinkel eines Teenie-Mädels geschrieben ist. Dass sie die Ereignisse nicht so pompös umschreibt, wie Anne Rices Vampire, macht doch irgendwo sogar Sinn.

Also wirklich, Twilight ist gar nicht so schrecklich. Ist der Hype, der um es entsteht, verdient? Auf keinen Fall. Aber auch nicht der Hate. Oder kurz: Twilight verdient die Aufmerksamkeit, die es bekommt, nicht. Egal welcher Richtung.

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