Shoujo Cosette

Von 1975 bis 1997 lief jährlich eine neue Serie des Labels World Masterpiece Theater, bevor sie wegen schlechter Quoten eingestellt wurden. Doch zehn Jahre später wagte sich Nippon Animation an ein Reboot der TV-Reihe. Überraschenderweise diesmal aber nicht basierend auf einem Kinderbuch, wie sonst so üblich, sondern auf dem französischen Backstein von einem Klassiker schlechthin: Die Elenden. Immerhin, in einem Buch von Tausend und dann noch mal halb so vielen Seiten, sollte man meinen, stecke genug Stoff, um die üblichen 52 Folgen auch prall füllen zu können.

Doch schon der Ersteindruck von Les Miserables: Shoujo Cosette ist kein guter: Das Charakterdesign ist scheußlich, die Animationen unter aller Sau, Opening und Ending sind ätzend. Das Problem: Diese Oberflächlichkeiten ignoriert und nur auf den Inhalt konzentriert, wird es auch nicht viel besser.

Ich habe den Roman nie gelesen, kann also keine Vergleiche anstellen, ja ich habe bis zu dieser Serie noch nicht mal eine der zahlreichen Verfilmungen oder das bekannte Musical geschaut. Ich war also eine Les-Mis-Jungfrau. Doch das Konzept der Geschichte müsste eine unglaublich graue Handlung sein. Es geht um gute Charaktere, die wegen ihrer Situation das Falsche tun. Fiese Charaktere, die wegen ihres Standes davonkommen. Einen Polizisten, der das Gesetz bis auf den Punkt genau befolgt, aus seiner Sicht also absolut richtig handelt, dabei aber keinerlei Ermessen oder mildernde Umstände kennt. Für Mundraub geht es in den Knast, denn es ist Diebstahl, egal ob deine Kinder kurz vorm Verhungern sind. Und es gibt Charaktere, die aus diesem Elend zu entkommen versuchen, dazu Privilegierte, die durchaus die Situation für jene verändert sehen wollen.

Doch in Shoujo Cosette ist dies alles so unglaublich Schwarz und Weiß, so enorm eindimensional. Charaktere sind entweder eindeutig gut oder eindeutig böse, ganz unreflektiert und ohne Grund. Die Thenardiers sind fies zu Cosette bei jeder bietenden Gelegenheit, weil sie eben gemeine Menschen sind. So ganz Grundlos halt. Jean Valjean ist so lupenrein und würde niemals etwas Schlechtes tun, egal in wie viele Schwierigkeiten es ihn bringt, das Richtige zu tun. Er tut es. Das wird umso idiotischer, wenn dann Charaktere aufs letzte Viertel der Serie tatsächlich einen Wandel durchleben sollen, aber weil sie so eindimensional waren, das nicht wirkt.

Und wie dämlich alle sind, und so unglaublich leichtgläubig noch dazu. Ja, irgendwie scheint es häufig nicht mal wirklich Konflikt zu geben, wo ein guter bestehen könnte. Cosette hinterfragt Valjean niemals, egal wie seltsam sein mysteriöses Gehabe ist. Fantine schafft es in vier verdammten Jahre nicht, ihre Tochter auch nur einmalig zu besuchen, um nach dem Rechten zu sehen, vertraut auf jedes Wort der Briefe der Thenardiers. Und Gavroche hat doch tatsächlich die Frechheit, gleich zwei Mal währen des Serienverlaufes sich darüber zu mokieren, dass Diebstahl schlecht ist – obwohl er selbst einen Großteil der Serie als Straßendieb verbringt.

Und dann die Mitglieder des ABC erst! So dumm wie ihr Name. Die bescheuertsten Charaktere in einer Serie, die nur bescheuerte Charaktere kennt. Die sind ein Haufen an Studenten, die auf Kosten ihrer reichen Familien leben, und in Hinterzimmern bei geselligen Gelagen darüber philosophieren, wie Unrecht ihr Staat doch gegenüber den weniger Privilegierten ist. So leichtgläubig, so realitätsfremd. Und wirklich ohne Persönlichkeit. Irgendwann entscheiden sie sich dann, eine Revolution muss her, sie werden das Land verändern, den Armen zu Recht verhelfen. Eine mickrige Barrikade bekommen sie errichtet, und sobald der erste von ihnen erschossen wird, sind sie total geschockt. Ja wer hätte das gedacht, Revoluzzer spielen, aufzurüsten und dann gegen das Militär zu kämpfen – da könnt ja jemand bei sterben! Und dann wollen sie nicht zurückschießen zunächst, weil ja dort auch Studenten drunter sind, die nur ihren Dienst ableisten und Familien haben. Hallo, auch die Berufssoldaten machen da nur ihren Job und haben Familien, die sie vermissen würden. Die Mitglieder des ABC sind ein schwarzes Loch an Dummheit und was war ich froh, als die alle abgekratzt sind. Was natürlich total dramatisch sein sollte, dafür müsste man aber natürlich sich was um die involvierten Charaktere scheren. Jedoch weiß ich gar nichts um diese Handvoll Studenten, abgesehen davon, dass sei weltfremden Idioten sind, bei denen es am Nachdenken hapert.

Nein, wirklich, ich konnte Les Miserables: Shoujo Cosette wenig abgewinnen. Manchmal, ganz wenig, schien ein Hoffnungsschimmer durch, dass daraus was werden hätte können, denn Potential hat das Konstrukt ja. Aber wenn es so schlecht erzählt ist und vor allem ein Drama, eine Charakterstudie ist, jene dann aber so unglaublich eindimensional bis zur Unsympathie sind… ja, da kommt dann eben nicht viel bei rum.

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