Persona 3 Pink

Persona 4 the Animation zu schauen hat mich wirklich wieder eines der Spiele zocken wollen lassen. Und da habe ich mir Persona 3 Portable bestellt, einfach um eine Ausrede zu haben, so ein 70-Stunden-Spiel dazwischen zu schieben, weil ist ja neu und im Gegensatz zu den PS2-Inkarnationen noch ungespielt. Abgesehen davon ist es so, dass ich zwar Persona 3 ein klein wenig über Persona 4 rangieren würde, ich mir aber nicht so sicher bin, ob ich nach den Gameplay-Verbesserungen von P4 nicht doch von P3 etwas genervt wäre. Und Portable nimmt eben jene Handlung/Charaktere/Atmosphäre von P3, die ich P4 leicht vorziehe, und stopft da das aufgebesserte P4-Gameplay drauf. Win-Win sozusagen. Und das, wo ich doch eigentlich nie ein Spiel, das ich bereits besitze, ein zweites Mal kaufe… nun gehöre ich zu den Leuten, die Persona 3 tatsächlich in dreifacher Ausführung haben.

Portable ist dabei grundsätzlich erst mal essentiell übereinstimmend mit dem „The Journey“-Teil von Persona 3 FES, sprich Vanilla Persona 3 aber mit mehr Kostümen, Quests und Personae. Das 25-Stündige Epilog-Spiel „The Answer“ aus FES hingegen ist gestrichen und viele Spieler würden da meinen, dies ist auch kein großer Verlust. Ich selbst vermisse es ehrlich gesagt auch nicht sonderlich, wobei ich durchaus denke, dass es hätte Spaß machen können – im netteren P4-Gameplay und wenn man wie im Hauptspiel einen Schwierigkeitsgrad wählen könnte, statt auf Hard-Mode gelockt zu sein, damit das Ding weniger frustet. Mich überrascht es allerdings, dass „The Answer“ nicht, um die Persona-Serie noch etwas mehr zu schröpfen, als Single-Release nachgereicht wurde. Eben wie die „Append Disc“ damals bei der PS2-Version.

Die augenscheinlichste Änderung gleich zu Beginn ist natürlich, dass nun auch ein weiblicher Charakter ausgewählt werden kann. Das hab ich dann auch direkt mal gemacht, zwecks doch etwas mehr Abwechslung, nachdem ich das Spiel mit dem Kerl schon zwei Mal durch habe. Die Handlung bleibt identisch, versteht sich. Allerdings ist ihre Farbgebung in Menüs eben nicht mehr Blau, sondern Pink und auch ein paar Social Links sind andere. Ich hab gelesen, teilweise würde die Übersetzung doch noch den Fehler machen, sie männlich anzusprechen, aber ehrlich gesagt hab ich davon nichts gesehen. Hab’s entweder überlesen oder es kommt von irgendwelchen NPCs, mit denen ich nicht interagiert habe. Lediglich Junpei spricht auch sie mit „Dude“ etc. an, aber Junpei würde ich auch für jemanden halten, der platonische Freundinnen eben auch als Kumpel ansieht und entsprechende Worte nutzen würde, statt dass hier jemand vergessen hat, weibliche Anreden zu wählen. Dadurch wird nun auch die Starter-Persona Orpheus vom Look her weiblicher (seltsamerweise scheint man vergessen zu haben, Orpheus Telos auch zu ändern) und neben Elizabeth kann wahlweise Theodore als Gehilfe Igors im Velvet Room ausgewählt werden. Same Sex Relationships sind aber immer noch Tabu, keine Ahnung warum (lediglich Roboter Aegis hintet stark in die Richtung, dass sie sich auch in FeMC verliebt).

Ansonsten, jau, Persona 4 Gameplay halt. Beim Crawlen durchs Tartharus-Dungeon werden Mitstreiter nun nicht mehr mit der Zeit müde, dafür die Gruppe aber auch nicht mehr umsonst beim Rückkehren in die Lobby geheilt, sondern müssen dafür zahlen. Im Kampf können alle Mitglieder selbst gesteuert werden, statt sich auf die AI, die permanent zu Buffen, Debuffen oder Statusveränderungen zu sprechen (hai thar, Mitsuru!) versucht, verlassen zu müssen. MC/FeMC können dafür aber auch nur noch eine Art von Waffe tragen, die Weakness von Mitstreitern, wenn sie in Defensivstellung gehen, nicht mehr ausgenutzt werden und in der Runde, in der jemand vom Knock down sich erholt, darf direkt auch angegriffen werden. Schwierigkeitsgrade gibt es auch zwei neue, mit Beginner und Maniac einen unter bzw über Easy/Hard.

Auch verändert hat sich die Präsentation außerhalb von Tartarus. Das ist jetzt alles sehr a la Visual Novel, eine Ansicht, die man in den Social Links ja sowieso schon hatte. Nun kann die Welt allerdings nicht mehr frei begangen werden, sondern besteht aus vorgerenderten Hintergründen, auf denen man sich point and click mäßig bewegt und den Charakter/Ort anwählt, zu dem man will. Auch viele der Cutscenes mussten weichen. Die zwei größten Anime-Szenen zu Beginn und Ende des Spieles sind nun Ingame während fast alle anderen nur noch Standbilder mit dazugehörigem Text, eben ganz a la VN, sind. Darüber wurde sich teilweise beschwert, weil es der Handlung doch viel Atmosphäre nehmen soll. Ich muss sagen, mich störte es nicht weiter. Allerdings habe ich auch eine Zeit lang viele VNs gespielt. Mir reicht, was hier geliefert wurde, gerade weil das viele Voice Acting ja doch wieder Leben in die Szenen haucht.

Warum genau dies allerdings überhaupt geändert wurde, ist mir etwas rätselhaft. Grundsätzlich scheint man darüber übereingekommen zu sein, dass dieses Downgrading der Welt außerhalb des Dungeons darauf zurückzuführen ist, dass das Spiel sonst zu umfangreich für die UMD wäre. Ich weiß nicht. Ob ein paar (Anime-)Cutscenes und eine Hand voll überschaubarer 3D Areale wirklich so viel Platz kosten? Zumal das Spiel wie gesagt ziemlich exzessiv vertont ist und man da durchaus aus vielen unwichtigeren Szenen die Sprachausgabe rausnehmen hätte können, um Platz zu schaffen. Muss der Protagonist wirklich die Chance haben, beim Beschwören jeder der 170 Personae deren Namen zu sagen – doppelt vertont da männlich und weiblicher Hauptcharakter? Mir kam das ehrlich gesagt eher wie eine stilistische Entscheidung vor, denn wirklich Platzmangel. Übrigens sollte man meinen, dass das Fehlen der Exploration das Spiel verkürzt, dem ist aber überraschenderweise nicht wesentlich der Fall. Für Vanilla Persona 3 habe ich 73 Stunden gebraucht, durch die New Game + in „The Journey“ von FES dann 64 Stunden und in Portable… ebenfalls 64 Stunden. Sicher, ohne NG+ von daher ist’s tatsächlich 10 Stunden kürzer, nehm ich mal an. Das ist übrigens wieder mit 100% Persona Compendium, gehört irgendwie dazu :D Und vielen von Theos Sidequests, aber hauptsächlich nur die, die eben einfach nebenbei machbar sind, nicht die enorm grindigen.

So: Persona 3 besitze ich also bereits zum dritten Mal und jede Inkarnation habe ich innerhalb von 2 Wochen durchgezockt gehabt, obwohl sie mit 65-75 Stunde gut doppelt so lang wie der RPG-Standard sind. Das heißt schon was, für mich bleibt P3 eines der besten Spiele der PS2-Generation. Und nun ist es dank des Ports wahrscheinlich das beste RPG der PSP. Wenn es darum geht, welche der drei Versionen denn vorzuziehen ist, würde ich definitiv behaupten, Portable ist dank des schöneren Gameplays aus P4 die beste Inkarnation des Spieles. Wenn man nicht total davon abgeschreckt ist, dass hier die Handlung eben mehr „tell, don’t show“ erzählt wird, als auf der PS2.

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5 Kommentare

  1. Melli

     /  15. November 2012

    Ich hatte mir mal den Walkthrough auf Youtube angetan, da ich das Spiel mangels PSP eh nicht spielen kann. Hat mir aber soweit super gefallen. Habe natürlich nicht alles komplett gesehen aber fast die Hälfte.
    Bin allerdings auch der Meinung, dass da durchaus noch Platz für das eine oder andere Video gewesen wäre aber naja. Dieses Spiel lebt ja nicht von den Videos von daher ist es okey.

    Ich muss unbedingt 4 weiterspielen aber das Dungeon des Retro Games frustet mich. Für den Boss bin ich scheinbar noch zu schwach, daher muss ich leveln. Aber die Gegner hier sind fies und die Heilung kostet noch so viel Geld und ich habe nicht mehr viele Tage und blah. Das übliche Übel bei Persona ist ja, dass man eigentlich ein strenges Zeitprogramm hat, wenn man alle Social Links auf Max bekommen will. Aber da ich ohne Lösung spiele, schaffe ich das eh nicht mehr.

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    • Ja, ohne Lösung Max-Social-Links zu schaffen, ist kaum machbar. Netterweise sind ja 3FES/Portable und 4 schon etwas netter, was das Time Management angeht, da kann man auch mal nicht perfekt spielen und noch eine Chance haben.

      Bei 4 mochte ich die meisten Bosse nicht sonderlich. Die hatten mir alle zu viel HP und letztendlich ging es im Kampf darum, ob dir die Ressourcen ausgehen, bevor du ihre Lebensleite Millimeter für Milimeter abgezogen hattest, oder eben nicht.

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  2. Das hört sich alles ziemlich interessant an und ich habe schon oft (nicht nur von dir) von der Reihe gehört. Das weckt natürlich mein Interesse und daher frage ich dich: Wie einsteigerfreundlich ist die Reihe? Wie kompliziert ist das Ganeplay und die Handlung und muss man bereis Vorkenntnisse aus den vorherigen Teilen mitnehmen?

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    • Absolut Einsteigerfreundlich. Die Persona-Reihe gehört definitiv zu den einfacheren und unkomplizierteren Inkarnationen der MegaTen-Reihe. Abgesehen davon haben die auch alle Schwierigkeitsgradssettings. Sie sind auch in sich geschlossene Geschichten (ein paar Cameos natürlich übergehend – und die beiden Persona 2s hängen selbstverständlich zusammen). Genau genommen sind die Personas sogar recht anders, als die anderen MegaTens, weil Spinoff und so. Sogar unter sich, Persona/Persona 2 ist eine ganz andere Schoße, als Persona 3/4.

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      • Hört sich ja gut an. Wenn ich eines Tages im Lotto gewinne und mein Backlog weggearbeitet wurde, kann ich mich mal näher mit der Reihe beschäftigen.

        Spaß beiseite, ich werde mir diesen Teil früher oder später genauer ansehen. Erst einmal warten ja andere Spiele auf mich und Geld und Motivation müssten in dem Fall ja auch vorhanden sein.

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