Adventure Week #11: The Path of the Dragon

Den Abschluss letztes Jahr machten Dracula: Resurrection und The Last Sanctuary, diesmal dessen Sequel Dracula 3: The Path of the Dragon. Wobei Sequel hier nicht wie in den vorigen beiden gilt, die aufeinander aufbauten, sondern ein komplett neues Spiel ist, das absolut nicht in der gleichen Welt wie jene spielen kann.

Denn Resurrection und Last Sanctuary waren Fortsetzungen zu Bram Stokers bekanntem Roman, mit den gleichen Charakteren, die erneut Dracula zur Strecke bringen müssen. Hier ist natürlich auch Dracula der Bösewicht, jedoch existiert im hiesigen Universum das Buch sogar und ist inspiriert von wahren Ereignissen, die jemand Stoker erzählte, welcher Orte und Namen änderte. Von daher kann es gar nicht in der selben Kontinuität stattfinden.

Wir übernehmen also die Steuerung von Pater Moriani, einem Super-Priester. Der Kerl kann diverse Sprachen, mehrere davon lange tot, hat eine medizinische Ausbildung, im Krieg gedient und schreckt nicht vor Indiana Jones-igen Action-Einlagen zurück und könnte den Davinci Code im Halbschlaf lösen. Mensch, wer hätte gedacht, dass diese katholischen Priester so viel mehr können, als kleine Jungs zu betatschen! Er hat übrigens vom Vatikan selbst den Auftrag, in einem kleinen transsilvanischen Kaff die Kanonisierung einer dort kürzlich verstorbenen Ärztin, die von den Einwohner schon als Heilige betrachtet wird, zu überprüfen. Doch nachdem er dort über Blutanomalien, seltsame Tode, den Glauben an Vampiren und den mysteriösen Pfad des Drachens stolpert, ändert sich sein Auftrag: diesen Vampir-Nonsens zu erforschen und zu wiederlegen.

Eine interessante Idee, die Path of the Dragon da hat, ist definitiv, dass es die ganze Vampir-Mystik zunächst sehr objektiv und wissenschaftlich angeht. Das Spiel spielt übrigens im Jahr 1920, kurz nach dem ersten Weltkrieg, die Welt sieht sich als aufgeschlossen und intellektuell, zumindest die westliche. Deswegen gibt uns das Spiel zuerst auch die Möglichkeit, dass an jenen Vampir-Sagen tatsächlich nichts dran ist, sondern absolut wissenschaftliche Erklärungen die diversen Symptome erklären können. Mit der entdeckten Blut-Anomalie könnte es durchaus sein, dass wir deren Existenz an sich wiederlegen und es als Krankheit outen. So weit geht das Spiel natürlich dann doch nicht, wie man sich eigentlich doch denken kann, letztendlich gibt es halt Dracula doch und Moriani macht sich auf den Pfad des Drachens, der zu ihm führt, um ihn zu bezwingen.

Optisch ist es erneut sehr Myst-esque, wie die Vorgänger. Sprich First Person mit vorgerenderten Hintergründen, diesmal Sphären wie in Myst III/IV. Statt viel Trial and Error und Hotspot suchen wie in den vorigen Spielen, ist Dracula 3 allerdings wesentlich typischer P&C Adventure und überraschend wenig auf Action, dafür viel auf detektivische Spurensuche ausgelegt. Man fühlt sich fast wie in Sherlock Holmes vs. Dracula. Gerade die ersten Tage bestehen viel aus dem Interviewen von Leuten und Investigieren der Lokalität und Geschehnisse. Die richtig großen Rätsel gibt es zum Großteil erst auf den finalen Tag. Aber dafür so richtige dicke Eier. Es ist etwas wie in Gabriel Knight 3, wenn Grace die ganze Templer-Verschwörung mit SIDNEY aufdecken muss. Dracula 3 gibt einem eine Vielzahl an Dokumenten, Karten, Bildern, Symbolen (alle 3000 Seiten der Bibel in Latein, alle 550 Seiten von Bram Stokers Dracula beispielsweise!), die durchforstet werden müssen, um die diversen Rätsel, die das Beschreiten des Pfads des Drachen ermöglichen, zu lösen. Theoretisch lässt einen Dracula 3 da nie im Regen stehen. Moriani lässt selten falsche Kombinationen oder das Überspringen von Schritten in der Lösung zu, wenn man doch mal Sterben kann, dann startet einen das Spiel einfach wieder am Anfang der Einlage und in diesen vielen Dokumenten gibt es jederzeit Hinweise auf die Lösungen (plus ein Journal, in dem Morinai jederzeit Stichpunkte auflistet, was alles seine aktuellen Ziele sind). Nur diese Hinweise überhaupt erst zu finden, dann auch noch dem richtigen Rätsel zuzuordnen und mit ihnen auf die richtige Lösung zu kommen… ja das ist eine ganz andere Sache. Das Spiel ist echt super knifflig und erwartet so einige Denkarbeit, die es so in modernen Adventures eigentlich nicht mehr gib, weil sie zu viel Recherche und Denksprünge erwarten – unlogisch sind sie so gesehen aber nie, nur eben echt verzwickt. Erneut etwas wie bei Myst, retrospektiv nämlich durchaus logisch, aber dennoch nicht unbedingt etwas, worauf man gut kommt.

Das kann manchmal natürlich schon auf die Motivation gehen. Wer aber die wirklich harten Adventures vermisst und die Mysts im Schlaf kann, der wird hier gut mit neuem Futter bedient. Wohingegen allerdings auch einige Dinge echtes Busywork werden. Beispielsweise das Nehmen von Blutproben und ihre anschließende Analyse. Die vielen Schritte, die beachtet werden müssen und das dann alles auch noch mehrere Male zu tun, ist, sobald man einmalig raus hat, wie es richtig gemacht wird, nur noch langweilige Wiederholungsarbeit beispielsweise.

Dennoch, mit hat das Spiel ganz gut gefallen, wenn ich auch nicht denke, dass es der absolut Überflieger ist, dafür sind einige der Lösungen zu hart und lässt die Handlung gegen Ende doch etwas nach. Besser als seine zwei Vorgänger ist der Teil allerdings allemal.

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