Halloween 1978

Geständniszeit: Obwohl ich schon als Kind immer Horrorfilme mochte, gingen viele der klassischen Reihen an mir vorbei. Ich habe nie ein Freitag der 13. gesehen, nur wenige Nightmare on Elm Streets und nur den ersten Chucky. Und Halloween? Den ersten Teil, vor vielen Jahren mal, da lief der zu Halloween (natürlich) auf Arte (schon überraschender). Und H20, sogar noch davor, dann noch was auch immer für ein Teil nach dem kam, der war scheiße, an mehr erinnere ich mich nicht. Aber Lücken können ja immer noch nachträglich gefüllt werden. Dennoch, beginnen tun wir natürlich beim Anfang, beim ersten Halloween von 1978, der billig produziert zum Überraschungserfolg wurde, das Slasher-Genre popularisierte, Carpenter berühmt machte und der Durchbruch von Jamie Lee Curtis war.

Der Film ist genau genommen erstaunlich simpel gestrickt. Wir beginnen mit einem Flashback, in dem Michael Myers, noch ein kleiner Junge, zu Halloween einfach mal so entschließt, seine Schwester zu erstechen. Er wird in eine Anstalt weggesperrt, schafft es aber natürlich Jahrzehnte darauf zu entkommen. Nun fängt er an die Babysitterin Laurie und ihre Freundinnen zu stalken und der Reihe nach um die Ecke zu bringen, was ihm bis auf Laurie auch mit allen gelingt, der sein zuständiger Arzt zur Hilfe kommt. Doch Michael verschwindet, um Laurie ein andermal begegnen zu können.

Nein, sonderlich kompliziert ist die Handlung wirklich nicht. Wir finden nie heraus, warum Michael ein Serienmörder ist. Irgendwie tickt er als Kind halt plötzlich aus und von da an ist’s um ihn geschehen. Vielleicht machen ihn Möpse einfach nur rasend, da er jedes seiner Opfer umzubringen scheint, sobald sie sich nackig gemacht haben. Ernsthaft, einige davon, inklusive ihrer Boyfriends, direkt nach dem Sex (der innerhalb ner halben Minute beendet ist, Schnellschuss-Teens), die Zigarette danach noch nicht beendet. Kein Wunder, dass es zum Genre-Klischee wurde, moralisch „böse“ Dinge zu tun, vornehmlich eben Sex aber auch Rauchen oder Trinken, seien ein Todesurteil und nur die Gutmenschen-Jungfrau erlebt das Ende (Laurie allerdings kifft sogar in einer Szene, kommt ansonsten dem Last Girl Klischee aber komplett auf den Leim). Wir finden auch nie heraus übrigens, warum er ausgerechnet so auf Laurie fixiert ist. Hier zumindest nicht.

Auch so ist übrigens der Body Count relativ gering, gibt es viele atmosphärische aber eben nicht sonderlich Ereignisreiche Szenen, in denen er halt Laurie und Umgebung nur stalked und selbst wenn er jemanden dann umbringt, geht das relativ schnell und unblutig über die Bühne. Da merkt man wirklich, dass der Film aus einer ganz anderen Zeit kommt, im modernen Zeitalter des Torture Porns würde ein Slasher, der sich so zurückhält, so viel „tote Luft“ hat, nie entstehen. Aber genau das hebt das Original eben hervor, hilft ihm kein 0815-Slasher zu sein.

Ein wenig weniger charmant ist allerdings das bestechende Fehlen von schauspielerischer Leistung der meisten Charaktere. Hier merkt man tatsächlich, dass es kein großes Projekt, sondern ein für wenig Geld gemachter Film, dessen Erfolg nie gewiss war, ist. Der Atmosphäre kommt es zu Gute, sich nicht in Splatter-Exzesse retten zu können, auch das minimalistische und ikonisch gewordenen Musik-Geklimper, das Carpenter selbst produzieren musste. Aber keine Kohle bedeutet eben auch keine ordentlichen Schauspieler.

Fantastisch ist der Film für mich dann doch nicht ganz, stellenweise war er mir dann tatsächlich zu langatmig, aber sehr gut freilich schon.

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Ein Kommentar

  1. Tatsächlich ist nur das Ende wirklich spannend und fesselnd, davor hat er zu viele Längen. Einen gewissen nostalgischen Charme hat er dennoch ;-)

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