Dog of Flanders

Niklaas, ein Junge aus Flandern ist streng genommen die erste “richtige” World Masterpiece Theater Serie, da Heidi ja noch vor dem Label entstand. Ein ziemlicher Downer ist sie auch, viel mehr, als deren restliches Output. Wie üblich mit 52 Folgen vielleicht auch ein wenig lang, für den simplen Content, die so eine Kinderbuch-Vorlage aufweist, aber das ist ja nun mal das Standard-Format der WMT-Serien. Übrigens habe ich sie nie als Kind gesehen, seltsamerweise sind hauptsächlich die WMT-Serien auf deutscher DVD erhältlich, die ich damals nicht sah (wobei es da ja eh nicht so viel Auswahl gibt, von den zwei Dutzend Serien haben ja nur eine knappe Hand voll die DVD-Auswertung bekomen).

Niklaas ist ein kleiner Junge, der in Flandern lebt. Echt jetzt. Außerdem, und da kommt ja der Titel des Buches her, findet er den Hund Patrasch, der von seinem alten Besitzer misshandelt wurde. Nebenbei ist noch das Mädchen Aneka seine beste Freundin und er lebt bei seinem Großvater. Sein größter Wunsch ist es, irgendwann mal ein großer Maler wie Rubens zu werden, und Niklaas ist tatsächlich sehr begabt. Die Sache ist nur dummerweise die, dass sie in Armut leben. Und die Malerei gilt nicht umsonst als brotlose Kunst, damals hat man damit häufig kein großes Geld gemacht und vor allem kann man sich so einen Lebensstil nicht leisten, wenn man nicht aus reichem Hause kommt, der Großvater kann Niklaas ja noch nicht mal auf eine Schule schicken, geschweige denn das Kunsthandwerk ermöglichen.

Wohl der größte Downer der WMT-Serien ist Niklaas auf Grund seiner finalen zehn oder so Folgen. Davor haben wir wie so häufig viel Alltagsleben des kleinen Jungen mit seinem Großvater, Hund und Freunden, die ehrlich gesagt wahrscheinlich als Kind ganz nett unterhalten, bei denen ich mich als Erwachsener hin und wieder der Langeweile aber nicht ganz erwehren konnte. Wahrscheinlich auch, weil es eben alles Alltag im Leben eines Dorfes ist, Niklaas geht nie auf eine große Reise wie Marco oder Perrine, es gibt sozusagen kein Ziel vor Augen wie die Mama oder der letzte Verwandte. Natürlich gibt es auch hier Schicksalsschläge, gerade Anekas Vater und dessen Diener können Niklaas absolut nicht ausstehen, natürlich alles grundlos, da Niklaas ein echter Gutmensch hoch Zehn ist, und lassen ihn das auch bei jeder sich bietenden Möglichkeit spüren.

Aber so eine richtig dramatische Abwärtsspirale gibt es eben erst am Ende (das ich hier jetzt verrate, btw): Zuerst stirbt der Großvater. Gut, in WMT-Serien überleben die nahesten Verwandten ja selten. Doch dann darf Niklaas gar nichts mehr mit Aneka zu tun haben und das komplette Dorf kehrt ihm den Rücken zu. Den Malwettbewerb gewinnt er auch nicht und so geht der hungernde Junge mit seinem Hund ein letztes Mal nach Antwerpen in die Kathedrale, um sich die Rubens-Bilder anzusehen. Wo beide sterben. Auch wenn die deutsche Synchro uns erzählen will, dass er nur mal kurz schlafen geht und später total glücklich lebte und ein großer Maler wurde. Ein Trick, den sich die Übersetzer von Lufia II zwanzig Jahre später auch bedienten und wo es genauso wenig glaubwürdig war. Das ist halt der Unterschied zwischen Niklaas und allen anderen WMT-Serien, die ich kenne. Die Kinder müssen häufig ziemlich harte Schicksalsschläge verkraften, aber letztendlich geht es für sie gut aus. Marco findet seine Mutter, Perrine wird vom Großvater aufgenommen, Sara lebt wieder ein gutes Leben in Reichtum. Niklaas stirbt und sein Köter auch. Natürlich gerade in dem Moment, wo eigentlich alles für sie hätte gut enden können, da das Dorf ihm verzeihen wollte, alle einsehen, wie sie ihm Unrecht taten und selbst die Kunstausbildung hätte stattfinden können. High Drama, Baby.

Ich mag ja fiese Enden, dennoch klickte Niklaas ehrlich gestanden nicht ganz mit mir. Nicht wegen dem Ende, sondern eben weil mir das davor häufig doch zu flach war. Außerdem fand ich die Charaktere zum Großteil nicht so sympathisch. Ich mein Hanse und Peter sollen ja unsympathisch sein, als jene, die Niklaas ständig fertig machen. Aber zumindest bei Peter wäre es vielleicht ganz gut gewesen, wenn er nicht ganz so unreflektiert ständig den Jungen für alles verantwortlich machen würde. Das der Großvater und Peters Frau, die ja auf der Seite Niklaas‘ sind, selten mal aufmucken, fand ich auch befremdlich. Gut, in der damaligen Zeit durfte man seinem Lehensherrn respektive Ehemann wohl nicht Kontra bieten, dennoch würde man sich wünschen, dass die sich mal ein wenig für den armen Jungen einsetzen würden. Und ganz besonders schlimm fand ich Aneka. Dieses verwöhnte Gör mit der nervigen Whiner-Stimme, die ständig nur ihren Kopf durchbringen will. Die meiste Zeit, in der Niklaas in Schwierigkeiten mit Peter gerät, ist Aneka dran schuld, einfach weil sie mal wieder das macht, wonach ihr der Kopf steht, statt an andere zu denken. Und wenn ich so vielen Charakteren ambivalent oder schlechter gegenüberstehe, verschenkt so eine Serie natürlich schon einiges an Mitfühl-Potential.

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Ein Kommentar

  1. Eine ganze Weile habe ich mir diese Serie während der ganzen Pflichtaufgaben für die alte Ausbildung angesehen und muss gestehen, dass ich siegar nicht mal so übel fand. Natürlich erforderten die praktischen und theoretischen Aufgaben einen Großteil der Konzentration, weshalb ich mit nur einem Auge hingesehen habe und es aus diesem Grund vielleicht nicht ganz so langweilig fand, jedoch muss ich sagen, dass mir das Ende (beziehungsweise die deutsche Version) überhaupt nicht gefallen wollte. Ich meine: Ernsthaft, sowas wollt ihr als Happy End verkaufen!?

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