Junji Ito: Tomie

Nach neun Tomie-Filmen, keiner davon per se wirklich gut, nun also auch der Ursprung des Übels, der Manga von Junji Ito. Das Werk, das ihn berühmt gemacht hat, seine bekannteste Reihe, die selbst nach acht schlechten Filmen noch einen weiteren garantieren konnte. Hab ich schon erwähnt, dass es ganze neun Filme gibt? Und das die nicht so pralle sind?

Die Sache besteht übrigens aus drei Bänden, zwei ursprüngliche Tomie-Bände, in denen seine älteren Kapitel über sie zusammengefasst wurden, und dann ein späteres Tomie Again. Überrascht war ich zunächst, dass die Filme sich doch, wenn auch keiner wirklich eine Geschichte aus ihnen nacherzählt, so doch thematisch nah dran hält. Es geht natürlich auch um ein komplett von sich selbst eingenommenes, ziemlich hohles, aber hübsche Mädel, deren bloße Anwesenheit Männer zuerst in bedingungslose Liebe (anders wäre so eine Schickse auch nicht dauerhaft zu ertragen) und dann in den Wahnsinn treibt, bis sie Tomie umbringen und aus den Stücken neue Tomies wachsen und das Ganze von vorn beginnt. Viele Dinge des Mangas kommen auch im einen oder anderen Film vor. Beispielsweise die Fotografien Tomies, die ihre monströse Seite aufdecken. Oder der Tomie-Kopf, der einer Patientin aus dem Bauch operiert wird und dann im Keller des Krankenhauses in einem Aquarium zu einer ganzen Succubus heranwächst. Oder die ganze Schulklasse, die in Gemeinschaftsarbeit Tomie zerstückeln, über ihre hervorragend gesunden Organe quatschen, und jeder ein anderes Stück mitnimmt, um es verstecken zu müssen.

Der Unterschied zwischen Manga und Film ist weitestgehend, dass der Manga viel kürzer ist. So ein Kapitel ist zwischen 30 und 60 Seiten, ein paar Geschichten gehen zwar schon mal über zwei oder drei Kapitel, doch viele sind Oneshots. Das ist, denke ich mal, auch einer der Gründe, warum der Manga besser ist. Die Langeweile kommt nicht so auf, eine simple Story um eine simple Prämisse funktioniert in 30, 60, von mir aus auch 100 Seiten (bezeichnenderweise mag ich allerdings die Oneshots mehr, als die längeren Geschichtchen), in 100 Minuten Film hingegen – dann noch neun Mal – müsste etwas mehr Butter bei die Fische, um das Interesse zu halten. Es passiert einfach nicht genug in den Filmen. Zudem ist der Manga natürlich erneut visuell wesentlich grotesker, als die Low Budget Filme. In den kurzen, weitestgehend unabhängigen Kapiteln, stört es dann auch nicht so sehr, dass die Charakterzeichnung etwas mau sein kann, Tomie ziemlich hohl und passiv ist, es keinerlei Erklärungen zum Phänomen und Wesen der Tomie gibt – das sich die Tomies untereinander hassen beispielsweise, tut Tomie selbst mit einem Schulterzucken ab und meint, es wäre halt so… macht aber irgendwo auch Sinn, dass ein so egomanes Drecksstück keine Doppelgänger von sich selbst duldet. Alles Dinge, die die Filme bereichert hätten, deren Fehlen in kurzen, auf den Horror fokussierten Manga-Kapiteln aber nicht so stark ins Gewicht fallen.

Dennoch konnte mich der Tomie-Manga auch nicht so ganz mitreißen (wobei ich den Again-Band ein Stück interessanter fand, als die beiden Vorgänger, da sie besser mit dem Konzept spielen, gerade das Finale). Ich denke mal, Tomie nach sowas wie Gyo zu lesen, ist, wie Tomie: Unlimited nach so was wie Tokyo Gore Police zu schauen. Was die grotesken Einlagen und den Einfallsreichtum angeht, liegen da einfach Welten zwischen. Tomie ist geradezu bieder im Vergleich zu dem, was es in Gyo zu sehen gab. Und ich bin immer noch der Ansicht, dass wohl der Mindfuck an sich, einen großen Teil der Faszination an Ito-Mangas ausmacht. Wobei ich da wohl auch schon zu viel anderes in diversen japanischen Medien gesehen habe, als das es jener Mann sonderlich leicht mit mir hätte.

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2 Kommentare

  1. Erstmal sorry, dass ich in letzter Zeit nicht mehr dauernd kommentiert habe. Aber den Rundumschlag setze ich mal eben hier rein.
    Bin ja nicht so der Manga-Leser, aber die hier (Gyo, Tomie) sehen doch ganz interessant aus. Gibt es davon auch Anime-Umsetzungen? Wär mir an und für sich lieber.
    Ansonsten hab ich bislang jeden „Garden of Sinners“-Eintrag von dir, angesichts der Spoilerwarnung übersprungen, daher frage ich hier einfach mal: Gesamteindruck? Lohnt es sich? Es sieht zumindest von den Bildern und dem Zeichenstil interessant aus.

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    • Es gibt eine OVA zu Gyo. Zu Tomie hingegen nur die Live Actions.

      Garden of Sinners ist ganz gut. Manchmal etwas langatmig und es wird gern viel philosophisch geschwafelt, ohne das dahinter wirklich immer viel Aussage stecken würde, von daher ist es manchmal mehr Style denn Substance, aber ich mochte die Reihe schon.

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