Garden of Sinners – Paradox Spiral

Die Enjous sind eine dysfunktionale Familie: Der Vater trinkt und schlägt die Mutter, der es eines Nachts reicht, und ihn ersticht. Anschließend will sie auch Sohn Tomoe umbringen, doch der wehrt sich und zerstückelt stattdessen die Mutter, flieht aus der Wohnung. Auf der Straße trifft er auf Shiki und bittet sie, ihn bei sich aufzunehmen, wenn sie nichts dagegen hat, dass er ein Mörder ist (Japaner, höflich bis zum Ende). Shiki meint, das ginge schon in Ordnung, sie ist ja auch ein Mörder und Kokutou ist momentan eh nicht in der Stadt.

Das geht eine Weile so, während der Tomoe wiederholt Träume von der Nacht hat, mit den Unterschied, dass in jenen seine Mutter ihn im Schlaf umbrachte, statt dass er rechtzeitig erwachte. Außerdem wundert er sich darüber, dass die Nachrichten nichts über die Morde bringen. Bis er dann seine Mutter auf der Straße sieht. Er und Shiki gehen also mal bei ihm vorbei. Shiki merkt schnell, dass am Apartmentkomplex etwas nicht stimmt, und gibt auch eine recht komplizierte Erklärung darüber ab, wie es designt ist, um Leute zu desorientieren und das die Apartments einfach ausgetauscht werden konnten, ohne dass die Bewohner es bemerkten. In Apartment 405 leben Dummies der Enjou-Familie vor sich hin, damit niemand aufmerksam wird, auf der nun versteckten gegenüberliegenden Seite des Gebäudes ist Apartment 410, in der sie wirklich lebten, und wo die Leichen vor sich hin verwesen.

Das ganze Ding ist nämlich ein Experiment des Magus Souren, der Shiki auch prompt angreift und sogar dank seiner Bannkreise und der Tatsache, dass Shiki bei ihm die Todeslinien nicht sehen kann, besiegt und im Gebäude versiegelt.

Nun sehen wir Kokutous Seite der Ereignisse. Zunächst ist er einen Monat weg, um Fahrunterricht zu nehmen. Dann investigiert er das Apartmentgebäude mit Touko. Die erzählt ihm auch von ihren drei Magi-Freunden der Akademie in London, von der einer Souren ist, der andere Alba, welcher auch in der Stadt ist und Souren beim Gebäudeexperiment geholfen hat. Magi experimentieren, um das eigene Wissen zu vergrößern und so dem „Ursprung der Wahrheit“ der Welt auf den Grund zu kommen. Gleichzeitig will die Welt nicht, dass jener entdeckt wird, und startet eine Konteroffensive dagegen. Das abgeschottete, magische Apartmentgebäude ist ein solcher Versuch, die Wahrheit zu entdecken, ohne das der Konter darauf aufmerksam werden kann.

Souren stellt sich zum Kampf und tötet Touko.

Tomoe hat derweil mit Kokutou sein ehemaliges Heim besucht, wo er sich daran erinnert hat, dass der Vater über einen Unfall seinen Job verlor und anschließend als Mörder gebrandmarkt wurde, weswegen sie anschließend immer wieder umzogen, sobald dies rauskam, und auch Frau und Sohn dafür gedisst wurden. Das hat dazu geführt, dass sie letztendlich im Apartmentkomplex untergekommen sind, dessen Design die Situation zu Eskalation gebracht hat.

Ach ja, und er ist damals wirklich von der Mutter erdolcht worden, sein jetziges Ich ist nur eine jener Puppen Sourens. Und er stirbt bei der Konfrontation mit jenem.

Touko ist übrigens nicht wirklich tot, oder vielleicht doch. Jedenfalls taucht eine neue Touko auf und meint, irgendwann habe sie eine Puppe erschaffen, die absolut identisch zu ihr war und die sie deswegen für ich hat leben lassen. Ob nun die identische Puppe oder die ursprüngliche Touko tot ist und welche hier vor Alba steht… ist dann ja egal. Sie bringt Alba einem Ende entgegen, derweil erwacht Shiki und tötet Souren. Souren wollte übrigens Shiki haben, weil ihre Todes-Sicht-Augen den Ursprung der Wahrheit sehen können und er auf Grund der Unsinnigkeit des Todes einfach in jenen hinabsteigen und mit Allesseherischer Fähigkeit alle Tode, die es je gab und geben wird, aufzeichnen wollte, um ihnen einen Sinn zu geben.

Dies alles geschieht im November 1998 (zumindest das Finale, der Rest schon einige Wochen vorher).

Wow. Nach den recht langatmigen ersten Filmen dreht Garden of Sinners mit dem fünften, Paradox Spiral, mal so richtig auf. Was in diesen knappen zwei Stunden alles passiert, ist wirklich enorm. Und teilweise verwirrend, durch den Aufbau des Filmes. Zu Beginn gibt es viele sehr schnelle Szenen, alle in cooler Optik, aber ohne Kontext schwer fassbar. Über die nächsten 45 Minuten, in der wir Shikis Seite folgen, werden die wiederkommen und nun auch Sinn ergeben. Die nächsten 20 Minuten sind Kokutous Seite, dann die letzten 50 der Showdown. Und in jenen wird heftig hin und her gesprungen, was die Chronologie der Ereignisse angeht. Die Filme an sich sind ja eh und jeh nicht-chronologisch gewesen, aber die Ereignisse innerhalb eines Filmes waren bisher relativ geradlinig, während Paradox Spiral einen ordentlich durcheinander wirft. Hier muss man echt, gerade eben in der zweiten Hälfte, aufpassen, um das alles zusammensortiert zu bekommen.

Das macht natürlich auch ein Stück weit das Interesse daran aus. Sicherlich gibt es hierfür keinen Grund, der dagegen sprechen würde, die Dinge einfach der Reihenfolge nach zu erzählen, aber so hält es eben etwas mehr auf Trab und bei Stange, denn gerade Kokutous Teil ist an sich gesehen nicht der spannendste. Gespräche gibt es natürlich auch in diesem Film reichlich, und philosophisches Gebrabbel, Garden of Sinners ist einer jener Stoffe, die selbst spontan über das desorientierende Leben in Apartmentkomplexen philosophieren kann. Neben dann wirklich philosophischen Fragen aufzuwerfen, wie die der Definition des Seins und dem Wunsch, einen Beweis der eigenen Existenz zu hinterlassen. Sprechen echte Menschen so? Nein, natürlich nicht. Aber das muss auch nicht sein. Wie in Shakespeare haben auch nie Leute geredet. Solang es interessant ist, ist es ja egal, wie viel davon jetzt wirklich wichtig oder denkanstoßend ist und wie viel nur prätentiöses Geplapper ist, um sich schlau vorzukommen.

Nur geht diesmal zusätzlich auch so richtig die Luzi ab. Einen hohen Body Count gab es schon in den vorigen Filmen, aber meist waren die Actionszenen kurz und teilweise auch wirklich nur eine gegen Ende nennenswert. In Paradox Spiral hingegen fliegt so einiges durch die Luft, jede Menge Blut und Körperteile, jede Menge sich bekriegende Klingen und Körper. Der Actiongehalt ist verdammt hoch und macht den bisher längsten Film schon fast so kurzweilig, dass er sich wie die Einstünder anfühlt.

Interessant in der Reihe sind vor allem aber auch die vielen gestreuten Kleinigkeiten, bei denen man, wenn man aufpasst, später kleine Aha-Effekte hat, wo einem aber auch nichts verlustig geht, wenn man sie nicht entdeckt. Beispielsweise gibt es eine Szene, wo Touko sich wundert, dass es für den Apartmentkomplex keine Tiefgarage gibt und sogar einen Strafzettel kassiert (Auto fahren und einen Führerschein haben ist sowieso irgendwie eines der unterliegenden Themen, die sich durch den Film ziehen). Kurz darauf haben wir eine Szene, in der Kokoutos Nachforschungen über die Baupläne des Gebäudes ergeben, dass es eigentlich einen haben müsste. Erst gegen Ende des Filmes sehen wir, warum die Tiefgarage abgeschottet wurde.

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