Realms of Revelation

Dragon Quest VI ist ein schwieriges Spiel für mich gewesen, da ich mir nie so ganz sicher war, wie gut ich es wirklich finde. Ende letzten Jahres habe ich die ersten 5 Stunden nach und nach gespielt, packen konnte es mich aber nicht, weswegen ich dafür recht lang brauchte und dann auch über andere Spiele und Zeug DQVI verdrängt hatte. Das passiert mir häufig, dafür muss mich ein Spiel nicht mal wirklich langweilen, irgendwie fang ich andere Sachen an und vergesse es dann. Und wenn’s dann zu lang zurückliegt, hab ich so viel vergessen, dass ich noch mal von vorn anfangen wollen würde, aber dann nicht unbedingt tue.

Aus diesem Grund habe ich auch DQVI nach fast einem halben Jahr erneut aufgegriffen, um es zu beenden, bevor ich hätte neu starten müssen. Die nächsten paar Stunden konnte es mich erneut nicht unbedingt packen, allerdings ändert sich das, sobald Mordar besiegt ist und das Jobsystem freigeschaltet wird. Das ist aber ungefähr 10 Stunden im Spiel, und das ist natürlich schon eine Weile abverlangt, was die Anlaufphase mit einem Spiel angeht. Danach lag es mir besser, hin und wieder konnte es mich aber auch mal nerven, insgesamt denke ich schon, dass Dragon Quest VI ein gutes Dragon Quest ist, aber eines der besten oder das Beste der Zenithia-Trilogie kann ich nicht unterschreiben. Da gefallen mir IV und V doch besser.

Vielleicht liegt das einfach auch daran, dass diese was Besonderes zu bieten haben. IV hat sein Kapitelsystem, V seine Generationsgeschichte, die für ein Dragon Quest sogar richtig gut ausgearbeitet ist. VI hat… ein Jobsystem, welches man aber eben erst mal nach 10 Stunden entdecken muss. Davor ist’s halt ein wenig langweilig fand ich. Es ist auch nicht gerade die Art Jobsystem, die ich mag. Ich mag das in III und IX, wo es keine individuellen Charaktere und –level gibt, sondern eben das Joblevel über die EXP aufgebessert wird. Das System in VI und VII (mein least favorite DQ überhaupt) ist allerdings anders. Zum einen dauert es eben, bis die Jobs verfügbar werden, statt wie in III und IX gleich in der Charaktererstellung welche zu wählen oder wie in Final Fantasy langsam nach und nach neue freizuschalten, aber schon früh den ersten Batch zu bekommen. Außerdem sind Charakter- und Joblevel voneinander getrennt. Aber nicht wie in FF, wo es EXP und Jobpunkte gibt. In Dragon Quest VI/VII gibt es normale EXP fürs normale Charakterlevel und dann… nix. Stattdessen zählt jeder absolvierte Kampf sozusagen als ein Punkt für den aktuell ausgerüsteten Job. Damit man aber nicht einfach an blauen Schleimen powerlevelt, hat jedes Gebiet ein Maximallevel. Sobald das Charakterlevel jenes überschreitet, zählen die Kämpfe nicht mehr für die Jobaufbesserung.

Das find ich etwas unnötig kompliziert, auch wenn DQVI netterweise bei den meisten Dungeons im letzten Drittel jenes Maximum auf 99 hat. Zumal es überraschenderweise Grinding im Prinzip verdammt, da man ja das Charakterlevel nicht zu hoch haben will, sonst leveln die Jobs nicht, es muss also beständig weitergezogen werden. Nicht, dass man in modernen Dragon Quests oder den Remakes wirklich leveln müsste, man sollte sie halt vielleicht nur nicht „modern“ spielen und erwarten, ein Dungeon im ersten Anlauf zu schaffen, sondern sobald die Ressourcen ausgehen auch mal raus und in die letzte Stadt warpen. Und selbst wenn man mal fällt, gibt es ja hier kein Game Over und Fortschrittsverlust. Alle erhaltenen Schätze sind noch da, alle besiegten Zwischenbosse erledigt, alle erhaltene EXP vorhanden, nur das Geld wird halt halbiert, was auch negiert werden kann, in dem vor einem Dungeonbesuch jenes in der Bank abgegeben wird (nur die Wiederbelebung der toten Mitstreiter in der Kirche wird halt ein wenig was kosten). Also ich hab VI bis kurz vor Ende, als ich ein paar Jobs gelevelt habe, ohne Grind gespielt und es geht recht gut, viele Dungeons eben tatsächlich auch im ersten Anlauf. Lediglich ein paar Bosse waren knifflig oder haben mich schon mal umgebracht, allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass man – in der Serie bei manchen Bossen generell sowieso, aber bei VI noch mehr – ein wenig Glück mitbringen muss. Manchmal macht ein Boss seine einfachsten Attacken, dann wieder jede Runde die kaum überlebbare und attackiert am besten noch jedes Mal doppelt.

Von der Optik her ist’s immerhin das schönste der DS-Remake. Die laufen ja alle auf der gleichen „3D-Umgebung mit 2D-Sprites“-Engine, allerdings wird die schon zwischen den Teilen ziemlich getweaked. Von daher sieht VI schon so aus, wie die Vorgänger, aber häufig dann doch etwas klarer und viele Szenen sind wesentlich dynamischer gestaltet (das Charakterdesign, wo ich ja eh kein großer Toriyama-Fan bin, ist aber IMHO… erneut mit VII… eines seiner Gruppen-gesehen schlechtesten der Serie). Die Handlung mit der normalen und Traumwelt, wo die Wünsche der unterdrückten Bevölkerung der Realwelt wahr werden, was dazu führt, dass auch vom großen Bösewicht eigentlich zerstörte Orte, die dem Heldentrupp gegen ihn helfen können, dort noch besucht werden können, war ganz nett. Bei VI fehlt mir da aber häufig die Stringenz. Auch ähnlich wie in VII verliert sich der Hauptplot nämlich gern für lange Zeit und man wird mit den regionalen Subplots über Wasser gehalten. Die gibt es in jedem Dragon Quest, aber in VI (und VII) ist mir der rote Hintergrundfaden häufig halt einfach zu schwach. Nach dem Sieg über Mordar verliert man die Handlung gern für eine geraume Weile aus den Augen, ganz zu schweigen davon, wie lang es dauert, einen neuen Bösewicht genannt zu bekommen. Auch emotional wie V ist es nicht gerade. Wenn beispielsweise später ein Bruder und eine Schwester wiedervereint werden, ist das schrecklich undramatisch und man kann auch leicht verpasst haben, dass besagter Kerl, den man immer mal wieder kurz trifft, überhaupt nach jener sucht. Oder das Fake-Ending bei Mordar. Ähnlich wie bei Chrono Triggers Magus weiß ich nicht, ob jemand wirklich gedacht hat, hiermit jemanden hinters Licht zu führen. Einen Big Baddy groß zu hypen und dann einen Showdown in einem recht weitläufigen Final-esquen Dungeon mit schwerem Bosskampf zu bringen, nur um danach das Spiel sich noch weiter öffnen zu lassen, funktioniert vielleicht in einem Dragon Quest III, wo jenes Fake-Finale tatsächlich spät im Spiel ist. Wenn es in Chrono Trigger oder Dragon Quest VI natürlich nach keinen 10 Spielstunden und auf niedrigem Level und Equip passiert, weiß man ja, dass da noch mehr kommen muss.

Na ja, dennoch, Dragon Quest VI ist ein ganz gutes Spiel geworden. Nur die großen Begeisterungsstürme blieben bei mir aus, da mag ich viele andere Hauptteile besser, inklusive beide Zenithia-Vorgänger.

Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: