Ghibli Sunday – Arrietty

Mit Arrietty: Die wundersame Welt der Borger sind wir nun also am Ende der Ghibli-Wochen angekommen, ist es doch der vorerst letzte Film. Zumindest was jene angeht, die es im Westen zu kaufen gibt, der wirklich neueste Ghibli, From up on Poppy Hill, lief bereits Mitte letzten Jahres in den dortigen Kinos und ist in üblicher Ghibli-Langsamkeit erst letzen Monat fürs Heimkino released worden, somit dauert es also noch mindestens ein halbes Jahr, bevor die westlichen DVDs erscheinen dürfen. Arrietty kam übrigens diesmal unter der Regie von Hiromasa Yonebayashi zusammen, der hiermit sein Debüt abgibt, bisher als Animator an anderen Ghiblis sowie Jin-Roh, Serial Experiments Lain oder Monster arbeitete – also alles hoch profilierte Anime.

Arrietty ist 14 und wird somit von ihrem Vater endlich auf ihren ersten großen Borgen-Trip genommen. Die 10 cm großen Minimenschen, die sich Borger nennen, leben nämlich davon, uns Menschen hier und dort Kleinigkeiten zu entwenden, um davon zu leben, damit ihre Häuser zu bauen etc. („borgen“ ist da eigentlich nicht das richtige Wort für, denn sie geben es ja nicht zurück, aber „Diebe“ klingt natürlich nicht so nett). Dabei wird sie natürlich prompt vom Jungen Sho entdeckt, der ein Herzleiden hat und deswegen in das ruhige Haus gezogen ist, um sich auf eine Operation vorzubereiten. Von Menschen gesehen zu werden ist ein No-Go der Borger und führt eigentlich dazu, dass sie sich ein neues Heim suchen müssen. Doch man schaut erst Mal, wie sich die Situation entwickelt. Hauptsächlich in die Richtung, dass Arrietty und Sho Gefallen aneinander finden und die Haushälterin den Borgern auch auf die Schliche kommt und sie einfangen will, weswegen die dreiköpfige Kleinfamilie dann doch wegziehen muss.

Arrietty ist ein netter Film. Und wenig mehr. Er ist moderat charmant, die Charaktere sind niedlich, die Geschichte recht harmlos und am Ende fiebert man doch ein klein wenig mit. Aber eben nur ein klein wenig. Ich fand den Film gut, ich hab mich, obwohl nicht viel passiert, eigentlich nie wirklich gelangweilt, aber er ist eben „nur“ ganz gut. Kein großer Ghibli, weder ein pompöses Spektakel, noch groß an Emotionen wie ein Totoro. Viel mehr hab ich da auch eigentlich gar nicht zu zu sagen.

Abgesehen von der Musik, über die ja jeder schreibt, nicht ganz zu Unrecht. Dass Joe Hisaishi hier nicht komponiert hat, ist eigentlich gar nicht so ungewöhnlich, hat er zwar die Scores für alle (Hayao) Miyazaki-Ghiblis gemacht, allerdings für keinen andren und Arrietty ist kein Miyazaki, von daher ist seine Abstinenz nicht unerwartet. Stattdessen kommt die Mucke von Cecile Corbel, die bisher noch nie Film-Scores komponiert hat, sondern eine Sängerin der Schiene Celtic Moon ist. Und das merkt man. Eine Szene kann ein komplett verschiedene Stimmung erzeugen, nur durch die Wahl, mit welcher Musik man sie unterlegt. Es ist ja gar nicht so, dass die Tracks so schlecht wären, ja für einen so ruhigen Film sind sie noch nicht mal unpassend. Aber es ist schon so, dass das New-Age-Gehudel den eh schon etwas Ereignisarmen Film noch mehr dahinplätschernd erscheinen lassen, geben dem Ganzen einen extrem melancholischen Hauch. In den wenigen Szenen mit Action, oder die Größe aussagen sollen, herrscht dann teilweise auch direkt merkwürdige Stille, weil die besinnlichen Klänge hier gar nicht passen würden und Frau Corbel wohl nichts Rasantes zu komponieren weiß – wenn sie doch Musik drüber legt, dies gleich ein wenig des gemächlich eingesetzten Adrenalins noch zusätzlich raus saugt.

Wie gesagt, war nicht langweilig, war sogar durchgängig ganz nett unterhalten, aber großartige Begeisterungsstürme oder Emotionen hat der Film jetzt auch nicht hervorgerufen bei mir. Cecile Corbel nur akzentuiert einzusetzen und doch jemand anderen den Rest des Scores komponieren zu lassen, wäre zwar eine Steigerung gewesen, aber ob es ihn gleich sehr viel gehoben hätte, wage ich zu bezweifeln.

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Ein Kommentar

  1. Ein unspektakulärer, aber ganz netter Film, den ich letztes Jahr für DVD besorgen konnte.
    Tatsächlich fehlt mir hier ein Höhe- oder Wendepunkt, der den Film zu etwas Besonderem macht. Mir ist der Soundtrack jetzt nicht negativ aufgefallen, aber ungewöhnlich war er doch.
    Begeistert bin ich von der Darstellung des Efeus. Ich liebe es, wenn Pflanzen in Animationsfilmen detailreich dargestellt werden. Das liegt sicherlich daran, dass Pflanzen mich früher immer fasziniert haben.
    Jedenfalls bereue ich den Kauf nicht und er konnte mich auch ziemlich gut unterhalten.

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