The Portopia Serial Murder Case

Da es hier nie released wurde, mag das Spiel im Westen kaum jemand kennen, doch in Japan ist The Portopia Serial Murder Case recht bekannt, da es dort sozusagen Videospiel-historisch wichtig ist. Das 1983er Original ist das erste japanische Adventure überhaupt und von niemand anderem als Yuji Horii, der drei Jahre später auch das erste japanische Konsolen-RPG erschaffen sollte. Der 1985er-NES-Port ist das erste Adventure für Konsole und dessen Erfolg bestätigte Enix die Möglichkeiten des Systems und war Weichen stellend dafür, Horii grünes Licht für sein Dragon Quest Projekt zu geben. Auch Hideo Kojima hat es als eines der Spiele angegeben, die ihn dazu brachten, in die Branche einsteigen zu wollen.

Wie viel Sinn es natürlich macht, das Ding heutzutage noch spielen zu wollen, steht hingegen auf einem ganz anderen Blatt. Es ist da gar nicht so anders, als entsprechend frühe westliche Adventures, in dem Sinne als das das Spiel verdammt kurz ist, wenn man weiß, was getan werden muss (30 Minuten Maximum) und sich dadurch streckt, dass eben jenes teilweise recht obskur ist. Immerhin gibt es schon mal keine Textparser-Raterei, zumindest nicht in der NES-Version, stattdessen ein gutes Dutzend an Menübefehlen inklusive Lokalitäts-/Informations-sensitiven Unterpunkten. Vom Orte wechseln, Gegenstände nehmen, sie Charakteren zeigen, telefonieren, sich im Raum umschauen (per Lupe auf jeden Pixel zeigen, bis was gefunden wird), die Bevölkerung befragen, Charaktere zum Verhör vorladen, ihnen bei Unkooperativität einfach mal eine langen… da kann es trotz überschaubarem Cast und Ortschaften schon dazu kommen, dass es eine Weile dauert, bis die zum Vorrankommen nötigen Schritte aktiviert sind. Im Finale muss sogar in 1st Person ein Labyrinth durschritten werden, bei dem die aufzufindende Info auch noch netterweise hinter einer nicht von den anderen Wänden zu unterscheidenden Geheimtür verborgen ist.

Dass das Spiel so kurz ist, ist wahrscheinlich damals auch ganz gut gewesen, musste es doch in einer Sitzung beendet werden, da es keine Möglichkeit gibt, es zu speichern, nicht mal eine Passwort-Funktion ist vorhanden. Bestimmt ein nettes Spielchen, um sich mit den Freunden ein paar Nachmittage hinter der Konsole zu versammeln, und sich gemeinsam durch das Ding rätseln zu wollen – bei jeder neuen Session das bereits Bekannte schnell durchgeklickt. Aber in 2012… eh.

Von der Handlung her ist’s das übliche Mordmysterium: Jemand wurde tot bei sich zu Hause aufgefunden, hinter verschlossener Türe, kein Zeichen auf Einbruch aber auch mit keinem Grund des Selbstmordes. Also werden so nach und nach die Verdächtigen durchgeklappert, falschen Fährten gefolgt, da jeder irgendwas verbirgt, auch wenn es nicht besagter Mord sein mag, sogar einige von ihnen ebenfalls tot aufgefunden werden, bis dann bei Twist-Ende der echte Mörder entdeckt wird. Welches mir sogar ziemlich gut gefallen hat, wenn ich gestehen muss. Ich hatte es nicht kommen sehen, kann im Nachhinein aber so den einen oder anderen gestreut versteckten Hinweis auf ihn entdecken.

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