Bastion

Bastion ist ein Spiel, zu dem ich Pre-Release überhaupt gar nix gehört hatte, und das dann plötzlich gegen Ende des letzten Jahres viele zu spielen schienen, sogar in End-Jahres-Awards auftauchte. Das bedeutet noch nicht unbedingt ganz so viel, denn Indie-Games werden gerne overhyped. Es ist momentan einfach in, auf prätentiösen Snobby Gamer zu tun, gegenüber dem Mainstream die Nase zu rümpfen und bei vage gehaltenen Indie-Games a la The Path, Limbo, Journey etc. Beifall zu klatschen und sie zu Kunst zu erklären.

So ganzen klicken wollte das Spiel mit mir dann auch prompt nicht. Als Erfahrung fand ich es toll, doch gegenüber dem Spiel, das als Gerüst darunter liegt, musste ich die Schultern zucken.

Worum geht es? The Kid wacht auf, die Welt ist durch die Calamity zerstört. Nur die Bastion steht noch, wo ein alter Kerl mit sexy Stimme auf ihn wartet, der übrigens das ganze Spiel über den Kommentator spielen wird. Das Ziel ist einfach gesteckt: Auf den verbleibenden Inseln der untergegangenen Welt nach den Kristallen suchen, die die Bastion wieder zum vollen Glanze aufbauen. Dabei trifft The Kid auch noch den einen oder anderen weiteren Charakter und wenn dann langsam herauskommt, was zur Calamity geführt hat, gibt es natürlich noch ein paar Verwicklungen.

Mit der Handlung komme ich klar, sie ist recht simpel und hält keine großen Überraschungen parat, aber ich kann mich hinter sie stellen. Das Spiel lebt sowieso viel mehr von der Atmosphäre und Präsentation an sich. Denn Bastion ist eines der stimmigsten Spiele in jenem Gebiet, das ich seit einiger Zeit spielen durfte. Na ja, zusammen mit Ghost Trick. Die Welt, die sich beim Laufen erst unter den Füßen von The Kid aus dem Nichts aufbaut, was ein netter Effekt ist, ist wunderschönstes, handgezeichnetes Artwork. Dazu kommt ein genialer, häufig melancholisch angehauchter Soundtrack und die geniale Sprecher-Stimme, die es schafft, jeden Schritt und jeden Atemzug zu kommentieren und doch nicht alt zu werden, und schon ist die Stimmung perfekt. Immersion fast garantiert.

Das simple Hack’n Slay Gameplay hingegen fand ich unberauschend. Bastion bietet zwei Schwierigkeitsgrade, den normalen, der teilweise schon knifflig werden kann, und der in einem Gebiet nur begrenzte Continues beim Ableben offeriert und No-Sweat, welcher idiotensicher ist und unlimitiert Continues gibt. Sozusagen für jene, die einfach nur durch kommen wollen, weil der Tod somit keinerlei negativen Einfluss mehr hat, da nach einem Continue direkt dort angefangen wird, wo man verstorben ist. Wem Normal noch zu einfach ist, kann übrigens am Schrein gewisser Göttersegen aktivieren, die im Ausgleich für gewisse Handikaps auch bessere Gewinne bieten. Gekämpft wird mit einer Nahkampf-, einer Distanzwaffe und einem Special, in der Regel pro neuem Gebiet eine weitere Waffe fürs Arsenal zu finden, um schön probieren zu können.

Aber wie gesagt, mich haute das Spielen an sich jetzt nicht so vom Hocker, die vielen Distanzgegner gegen Ende des Spieles gingen mir dann auch auf die Nerven und dann die plötzlich auftauchenden Platforming-Segmente des letzten Gebietes waren echt kein guter Einfall (schon vorher verschätzt man sich durchaus immer mal wieder, was die Ausmaße der Löcher im Boden angeht und fällt von der Welt, statt drumrum zu laufen).

Ja, wie gesagt, als atmosphärische Erfahrung durch seine Präsentation topp, aber das Spiel darunter ein wenig uninteressant für mich.

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6 Kommentare

  1. Reblogged this on plexxx und kommentierte:
    Noch ein Artikel zu Bastion.

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  2. ja, stimmt, Limbo und Journey wurden natürlich nur so gefeiert, weil kreative Indie-Games gerade so angesagt sind und nicht, weil es großartige Spiele sind…

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    • Oh, ich habe nie gemeint, dass dies schlechte Spiele wären oder Lob nicht verdient hätten. Aber Indie-Games über den grünen Klee zu loben und dem Mainstream gegenüber die Nase zu rümpfen ist in gewissen Kreisen eben ein gewisser Trend geworden. Im Falle von Limbo oder Journey könnte ich das selbst gar nicht bestätigen oder wiederlegen, weil ich die nicht selbst gespielt habe. Jedoch spezifisch Bastion find ich dann doch etwas overhyped.

      Wenn dann wieder gerade everbody’s aktuelles Darling an Indie-Game noch und nöcher überanalysiert und gelobt wird, dann erinnert mich das irgendwo immer erst Mal an Filmsnobs, die Arthouse-Filme im Grundsatz für besser halten als Hollywood und alles zur großen Kunst erklären müssen. Da mag dann auch nur der Zyniker aus mir sprechen und das dem Spiel gegenüber nicht ganz fair sein.

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      • ganz unabhängig von der eigentlichen Qualität der Titel kann es aber doch nicht verkehrt sein, wenn man unabhängige Entwickler unterstützt und die Industrie wieder mehr in der Hand der eigentlichen Spielemacher und weniger der großen Konzerne liegt, oder?

      • Unabhängig der Qualität? Nein. Ich finde eine Indie-Schmiede nicht automatisch unterstützenswerter, nur weil es drei Leute in ihrer Garage sind, statt ein gesichtsloser Großkonzern wie Nintendo. Gute Spiele sind unterstüztenswert für mich, egal woher sie kommen. Das bei guten Indie-Games noch vom Endbenutzer etwas mehr die Trommel gerührt werden muss, weil die Marketing-Maschinerie nicht so groß ist, wie bei den Mainstream-Titeln, mag ja auch schön und gut sein, mich nervt es halt immer nur, wenn da die „ich bin besser und schlauer, weil ich spiel lieber bedeutungsschwangere Indies“-Attitüde mitschwingt, woher auch dieses nicht auf die Spiele an sich bezogene Eingangsstatement herrührt.

      • ich meine ja nicht, dass man jeden lieblos hingerotzten Indie-Titel (ja, auch sowas gibts) kaufen und für toll befinden muss, aber es steht doch außer Frage, dass die großen Ideen, der kreative Mut in der großen Industrie inzwischen immer seltener werden und das bereitet zumindest mir Sorge.

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