The Godfathers

Oh Gott, die Godfather-Trilogie… Filme die immer ganz oben bei den besten Filmen aller Zeiten landen. Da ist man immer ein wenig eingeschüchtert, wenn man sie dann endlich zu sehen bekommt. Ich bin es zumindest, sehe ich sie doch gerade zum ersten Mal.

Worum geht’s? Um die Mafia, beziehungsweise eine spezielle Familie darunter, die Corleones, die Mitte der 40er alle Macht in den Händen halten. Der Film erzählt die nächsten 10 Jahre, Leute heiraten, eine Verschwörung versucht das Familienoberhaupt in sein frühzeitiges Grab zu befördern, es kommt zur Racheaktion, zur Rache für die Rache. Der Kreislauf des Dramas und der Intrigen dreht sich und dreht sich, Leute sterben, Leute verschwinden, die Familie schwächelt, doch ausgerechnet der Sohn, der mit der Mafia nie was zu tun haben wollte, kommt zur Rettung und lässt sie wieder erstarken.

Coppola inszeniert groß und gemächlich, häufig ohne starkes Drama, sondern teilweise geradezu nüchtern. Zusammen mit dem Soundtrack und dem 40er-Setting ergibt das eine geradezu ruhige Atmosphäre. 3 Stunden Fall und Wiederaufstieg einer Mafia-Familie. Natürlich alles ein wenig verklärt, die Corleones sind mächtig und reich, man muss sie fürchten, aber nur, wenn man ihnen Unrecht tut. Sie gehen nicht in den Drogenhandel, selbst von ihrem erwähnten Geschäft mit dem Glücksspiel und der Prostitution sieht man nicht viel, es ist eine Familie geprägt von Ehre und Moral. Die Mafia als Familie eben, als eine fast ehrenvolle Kommune, die für sich sorgt, keine schnöden Kriminellen.

Doch, sicher, das hat was. Die Familiengeschichte ist interessant, das ehrenvolle Bild sympathisch, die Inszenierung top, das Finale mitreißend. The Godfather ist ein guter Film, dies steht außer Frage. Er mag auch sicherlich 1972 das Filmemachen an sich stark beeinflusst haben. Aber für mich einer der allerbesten Filme aller Zeiten… eh, da klickt irgendwas dann doch nicht richtig.

Und dann räumte der Film voll ab. Nicht unter den besten Sternen entstanden, zahlte sich die Mühe voll und ganz aus, wurde er doch zu einem der rentabelsten Filme aller Zeiten, nominiert für satte 11 Oscars, 3 davon auch gewonnen. Alle Weichen standen auf Grün auch den Rest des Romans in The Godfather: Part II umzusetzen, mit drastisch erhöhtem Budget und einer noch längeren Spielzeit.

Diese füllt er gleich mit zwei Handlungen. Zum einen den Hauptteil des Filmes, die direkte Nachfolge zum Vorgänger. Michael ist nun Pate und Familienoberhaupt und muss beweisen, dass er hier auch hin gehört. Harte Entscheidungen fallen an, die Familie droht auseinanderzufallen und natürlich wird auch auf ihn ein Mordkomplott verübt, welches auseinander klamüsert und gegen Ende alle darin Beteiligten eliminiert werden müssen. Zwischendurch haben wir immer wieder ein paar kurze Rückblenden auf den jungen Vito, der Anfang des 19. Jahrhunderts in Sizilien seine ganze Familie an den dortigen Don verliert, nach Amerika fliehen muss und dort selbst zum Oberhaupt einer Mafia-Familie wird.

Part II wird häufig als eines der wenigen Sequels gepriesen, die es schaffen, ihren Vorgänger zu übertrumpfen, statt schwächer zu sein, auch wenn dies dennoch eine Streitfrage ist. Zumindest der Oscar-Regen war größer für ihn, ebenfalls nominiert für 11, gewann er 6 und somit doppelt so viel, wie sein Vorgänger zwei Jahre früher. Ich muss sagen, vor dem „bester Film aller Zeiten“ schrecke ich zwar immer noch ein wenig zurück, aber auch mir hat er besser gefallen.

Grundsätzlich hat sich nicht viel verändert, Coppola inszeniert immer noch in stimmigen Bildern und gemächlichem Gang mit viel Ruhe und wenig Drama die zweite Hälfte seines Familien-Epos. Was mir diesmal allerdings besser gefallen hat ist, dass es etwas menschlicher wirkte auf mich. Auch hier geht es um Aufstieg und Fall, aber nicht nacheinander der der Familie (sowohl im Sinne von Mafia wie die Corleones an sich), sondern um den parallelen Aufstieg von Michael als Pate, während die eigentliche Familie um ihn herum zerrüttet. Tragischerweise kann er nicht beides haben, seine abgebrühte Zielstrebigkeit und Unnachgiebigkeit in die Richtung der Macht zerstört sein privates Glück. Da fieber ich dann doch etwas mehr mit, als im etwas distanzierter wirkendenden Vorgänger.

Da auch der zweite Teil ein Erfolg war, wollten die Studios natürlich auch einen Nachfolger zum Nachfolger, was Coppola allerdings immer ablehnte, da er die Saga mit den zwei Teilen als abgeschlossen ansah. Erst finanzielle Not 16 Jahre später lies ihn doch dazu übergehen mit „The Death of Michael Corleone“ einen Epilog zu drehen, welcher jedoch letztendlich den verkaufsträchtigeren Titel The Godfather: Part III erhielt.

Michael hat erreicht, was er wollte. Er wird endlich als legitimer Geschäftsmann angesehen und ist von allen Seiten her gepriesen, selbst vom Papst. Doch die Hoffnung, den Fäden der Kriminalität entkommen zu sein, halten nicht lang, kommt doch seine Vergangenheit als Mafiaboss zurück, um ihn und seine Familie erneut zu bedrohen. Gleichzeitig zieht er sich mit Neffen Vincent, da sein eigener Sohn nichts mit der Familie zu tun haben will, einen Nachfolger groß, der zunächst noch sehr hitzköpfig ist und wenig dagegen hat, in die alten Lebensweisen der Familie zurückzufallen.

Und so endet die Saga also, mit einem gealterten Michael, der scheinbar endlich an seinen Zielen angekommen ist. Doch der nun, wo er sich mit der Endlichkeit seines Daseins konfrontiert sieht, zu bereuen beginnt, ob all der Dinge, die er tun musste, alles was er opfern musste, um dorthin zu kommen, wo er nun ist. Das macht den dritten zum emotionalsten und menschlichsten Teil der Reihe für mich, aber nicht gleichzeitig auch zum besten.

Für sieben Oscars war er nominiert, gewann keinen, die allgemeine Meinung ist, dass er gut aber der schwächste Teil ist. Ich muss sagen, ich mag die finale Stunde der 2 Stunden 40. Gerade das übliche Attentatsknäuel, das am Ende jedes der Filme zu stehen scheint, war bisher das spannendste. Und allgemein, sobald das Karma auf Michael zurückzufallen scheint, seine Reue immer größer wurde, konnte ich dem Film was abgewinnen. Davor allerdings fand ich ihn stellenweise etwas unspannend. Statt einer Gangsterfamilie folgen wir nun eben der Welt der großen Geschäftsmänner, die nicht weniger Intrigen bereit hält, die aber einfach etwas zu gelackt und spröde erscheint. Außerdem ist es der erste Teil der Reihe, in der nicht alle Schauspieler top sind, jene von Vincent und Mary nämlich schwächeln deutlich.

Finale Gedanken: War definitiv interessant, die viel gelobte Reihe zu sehen. Aber das beste Filme aller Zeiten will für mich eben nicht ganz durchkommen.

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2 Kommentare

  1. Ich fand die Reihe, wie auch den Roman wirklich sehr interessant, gerade weil sie recht ruhig gehalten ist. War einfach sehr schön anzuschauen.

    Ganz konträr zur Pate Triologie steht übrigens auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme „Good Fellas“. Ich finde es immer wieder interessant wie das Bild der Ehre und Treue innerhalb der Familie bei den Paten Filmen kontruiert wird, welches in Good Fellas hingegen auf krasse Weise zerstört wird.

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  2. Ich muss sagen, dass ich bislang immer Abstand von den Filmen hielt, da mich das Thema auch nie sonderlich interessiert hat. Nach deinem Review ist bei mir aber zumindest das Interesse geweckt, vielleicht dochmal einen Blick auf die Reihe zu werfen.

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