Adventure Week #10: Another Code

Willkommen zu einer weiteren Woche voller Adventure Games. Sind wir sogar jetzt im zweistelligen Bereich des Features angelangt. Diesmal steht alles unterm Zeichen von Nintendos nicht mehr ganz aktuellen DSes. Und dazu dann hauptsächlich unter Spielen des vor einigen Jahren bankrottgegangenen Herstellers Cing, die sich ziemlich abgesehen von zwei Ausnahmen stark auf das Genre und mit drei Ausnahmen auch auf diesen Handheld spezialisiert hatten. Mal sehen, ob der fahle Beigeschmack, den ihr erstes Adventure Game, Glass Rose, damals bei mir hinterlassen hat, wieder ausgewaschen werden kann.

Protagonistin von Another Code: Two Memories ist die 13-jährige Ashley, deren Mutter erschossen wurde, als sie 3 war und deren ebenfalls tot geglaubter Vater ihr einen DS und eine Nachricht hat zukommen lassen, er würde auf Blood Edward Island auf sie warten. Wie bei Devil Survivor ist das Ding natürlich nicht wirklich ein DS, sondern eine Maschine, die Erinnerungen manipulieren kann, an der ihre Eltern zusammen gearbeitet haben.

Der Untertitel Two Memories kommt auch nicht von ungefähr, denn genau genommen gibt es in Another Code zwei parallel laufende Handlungen, die wenig miteinander zu tun haben. Während Ashley nämlich nun die Insel nach dem Verbleib ihres Vaters durchsucht und herausfinden wird, was genau damals vor 10 Jahren zum Tode der Mutter geführt hat, läuft ihr der Geist eines Jungen über den Weg. Der ist vor über 50 Jahren in der Villa der Edwards gestorben und seine Erinnerungen wiederzuerwecken lüftet das Geheimnis um die tragischen Ereignisse der Familie damals. Wer es schafft, alle seine Rückblenden seiner Sidestory zu triggern, bekommt sogar eine leicht erweiterte Endsequenz geboten.

Another Code ist ein nettes kleines Adventure, das ich durchaus ganz launig fand. Ein schönes kleines Picknick für Zwischendurch sozusagen. Denn sonderlich lang ist das Spiel nicht, selbst für das Adventure Genre, nach 3 Stunden 30 flimmerten mir die Credits entgegen. Wobei viel mehr wohl auch die Sache überstrapaziert hätte. Denn die Handlung ist nun Mal kein großes, verwickeltes Epos. Sowohl Ashleys wie auch Ds Vergangenheit sind relativ einfache Geschichten, die zudem nicht gerade unvorhersehbar geraten sind. Das auf eine zweistellige Spielzeit zu bringen, hätte wohl eher Langeweile hervorgebracht.

Geradlinig ist das Spiel weitestgehend schon, ist man von japanischen Adventures ja gewohnt, wobei der Puzzel-Anteil nicht unbedingt gering ist. Das finale Kapitel besteht zwar ähnlich wie der letzte Akt in Snatcher wenig mehr als lange Story Exposition Gespräche, doch davor kommt einem schon regelmäßig ein kleines Puzzel in den Weg, das gelöst werden will. Wie bei so frühen DS-Spielen üblich, wird natürlich die ganze Riege an DS-Gimmicks eingebunden, man muss rubbeln, blasen und das Ding sogar zuklappen, um den diversen Rätseln auf die Spur zu kommen. Allzu schwer ist davon zwar nix, aber dran gewöhnen muss man sich schon, bei der Lösungssuche auch über den Tellerrand hinauszudenken und die ganzen DS-Funktionen mitzubedenken. Grundsätzlich gibt es wie so häufig natürlich sowieso nur eine überschaubare Interaktionsmöglichkeit und viele Gegenstände und Gesprächtrigger sind ohne viel Backtracking immer in der Nähe zu erreichen, häufig gibt Ashley selbst schon mal einen Denkanstoß, um einen auf den richtigen Weg zu bringen.

Oben drauf kommt atmosphärische Musik, ein ansprechendes Charakterdesign in den 2D-Portraits und eine ähnlich wie in Granstream Saga weit weg gezoomte Vogelperspektive bei der komplett 3D modellierten Spielwelt, durch die man sich bewegt, um zu kaschieren, dass frühes DS-3D halt nicht so pralle aussieht.

Jau, Another Code war ein rundes Erlebnis. Eher auf der Seite „kurz, simpel, einfach“, aber ein netter Snack war das Spiel schon. Wenn man halt mal so ein wenig Adventuren will, ohne viel Zeit an der Hand zu haben.

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5 Kommentare

  1. Another Code war trotz schwacher Story rätseltechnisch echt ein tolles Spiel, als zwischenzeitlich musste man echt ein wenig nachdenken. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad noch weit entfernt von einem Myst oder – ich hoffe mal, es findet im laufe deiner DS-Adventure Week Erwähnung – Hana to taiyô to ame to.
    Zum „Nachfolger“ Hotel Dusk äußere ich mich dann separat.

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    • Das Spiel ist schon sehr kreativ, wenn es um das Einbeziehen der verschiedenen DS-Möglichkeiten gibt. Da muss man teilweise schon gut nachdenken, wie jener einem jetzt so alles nutzen kann.

      Ah, ich vergesse immer, dass es zu „Flower, Sun & Rain“ ja einen DS-Port gibt, der es in den Westen geschafft hat. Hab damals zum PS2-Original allerdings nicht so viel Positives gehört, wobei Suda51-Games ja eh ziemliche Geschmackssachen sind. Wobei man zu Killer 7 oder No More Heroes schon mehr Gutes hört, als eben beispielsweise FS&R oder Michigan.

      Ich kann ja dennoch irgendwann mal einen Blick rein werfen, für diese Woche steht’s aber nicht an. Da kommen die 4 von Cing und dann ein weiteres, welches ich schon seit Anfang des Jahres endlich mal spielen wollt.

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      • Ach so, es wird ne Cing-Week und nicht DS-Week.
        Michigan hab ich noch nicht gespielt, aber würde ich als alter Suda-Fan natürlich gerne (wobei ich auch noch nicht dazu kam SotD anzuspielen).
        Killer7 solltest du definitiv mal spielen, es ist echt ein richtig tolles Spiel mit einer tiefgängigen Story, die du vermutlich auch nicht auf einmal erfassen kannst. Unter vorbehalten ist auch NMH empfehlenswert, wobei es gameplaytechnisch etwas dröge ist und der Nachfolger da einiges besser macht.

  2. Das Spiel war mein allererstes Point & Click-Adventure, aber auch mein erstes Spiel für den Nintendo DS und dementsprechend hat es mich ziemlich fasziniert. Ich hing beim ersten Anlauf an einer Stelle, aber insgesamt habe ich damals schon alle Erinnerungen von D. wiederfinden können.
    Die Faszination ging sogar so weit, dass ich des Öfteren einen Speedrun angestellt und durch seine kurze Dauer auch einfach mal so eingelegt habe. So haben sich im Laufe der Zeit insgesamt 50 Stunden Spielzeit angesammelt. Das klingt ein wenig krank, aber ich mochte das Spiel einfach zu sehr.
    Und so entdeckte ich ein ganzes Genre – wenn auch verspätet – für mich.

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    • Ich bin auch erst recht spät so „richtig“ eingestiegen. Vorher hab ich zwar schon mal die Ace Attorneys gespielt gehabt oder so, aber so wirklich richtig viele Adventures eigentlich nie, bis mich ein Freund, der seit den 80ern dem Genre anhing, dazu überredet hat, mich an einigen Klassikern in ScummVM zu versuchen. Und et voila, meine erste Adventure Week war gebloggt :D

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