American Horror Story

Was macht man, wenn man von kunterbunten Musical-Reigen eines Glees genug bekommt, als nächste TV-Serie? Natürlich eine Horror-Story. Das sie auf einer Schiene steckenbleiben kann man den Machern zumindest nicht vorwerfen, zuerst Nip/Tuck, dann Glee, nun das Ende letzten Jahres seine erste Staffel bekommende American Horror Story. Und erfolgreich sind die Serien zudem auch noch alle.

Im Prinzip handelt es sich vom Setting her um eine recht gewöhnliche Haunted House Geschichte. Eine kleine Familie, Vater Mutter Kind, zieht um und landet in einem tollen Haus mit merkwürdig niedrigem Kaufpreis, da die vorigen Besitzer dort Selbstmord begangen haben. So ein Schnäppchen lässt man sich natürlich nicht entgehen. Dummerweise sind die unmittelbar vorigen Besitzer nicht die einzigen gewesen, die hier ihr Ende gefunden haben. Seit Anfang des Jahrhunderts hat das Haus jeden, der darin wohnte, ins Unglück getrieben, wie wir nach und nach herausfinden werden.

Die Familie an sich ist nur nicht die übliche All American Family, wie sie in solchen Handlungen üblich ist, sondern bereits ziemlich dysfunktional. Mami hat eine Todgeburt hinter sich, Papi ist mit einer jungen Studentin fremdgegangen und die Teeny-Tochter ist ein ritzender Freak. Der Umzug soll das wohl irgendwie kitten, aber so richtig will das natürlich nicht gelingen, besonders nachdem die seltsamen Ereignisse im Haus mehr und mehr Stress hervorrufen.

Und dann haben wir die merkwürdigen Nachbarn. Eine alternde Diva, übrigens hervorragend gespielt von Jessica Lange, die über die Jahre hinweg alle ihre Kinder verloren hat, bis auf ihre Tochter mit Down-Syndrom. Jene hat die Eigenart, sich ins Spukhaus zu schleichen und den neuen Besitzern zu sagen, dass sie hier drin sterben werden. Dann gibt es da noch die Haushaltshilfe, die darauf besteht, der neuen Familie zu helfen, weil sie schon immer im Haus ausgeholfen hat und die von Frau und Tochter als schrullige Alte, vom Vater allerdings als sexy Dienstmädchen gesehen wird, das sich ihm ständig an den Hals wirft. Den Abschluss macht ein Teeny-Junge, neuer Patient des Vaters, der übrigens Psychiater ist, und der ihm gern von seiner Fantasie erzählt, einen Amoklauf in seiner Schule anzurichten, sich mit seiner Tochter anfreundet. Ach ja, und da wären dann natürlich die neuen Mitbewohner, die Geister diverser im Haus gestorbener Leute, die nun an es gebunden sind. Und der seltsame Fetisch-Latexanzug auf dem Dachboden, den sie weg werfen, der aber eines Abends wiederkommt und der Mami ein neues Kind macht.

Dass es von den Machern von Nip/Tuck ist, merkt man vor allem daran, dass die Charaktere im Prinzip alle durch die Bank weg unsympathisch sind. Funktioniert in einer Horror-Story nur eben gleich ein Stück besser, weil ich mir so keine Sorgen machen muss, wenn ihnen schlimme Dinge passieren. Unsympathische Charaktere sind in Horrorgeschichten ja keine Seltenheit, und sogar ganz wichtig, wenn man die kreativen Morde genießen will, statt für ihr Überleben zu fiebern.

Im Großen und Ganzen ist American Horror Story eigentlich eine recht normale Spukhaus-Geschichte, die den üblichen Konventionen solcher Handlungen folgt. Familie zieht in Spukhaus, Spuk passiert immer häufiger, sie wissen nicht mehr, was real ist und was nicht, schrullige Nachbarn wissen mehr, als sie zuzugeben scheinen. Das soll jetzt gar keine Negativkritik sein, denn die Serie ist solide und spannend aufgezogen, nur große Originalität kann man ihr eben nicht verbuchen. Sie ist auch nicht ganz so David Lynch/Lars von Trier-esque schräg, wie man vielleicht nach der ersten Folge erwarten würde. Wobei sie gegen Ende doch überrascht, dass muss man ihr schon lassen. Der große Vorteil der Serie ist nämlich, dass es eine geschlossene Handlung ist. Es wird zwar eine zweite Staffel geben, jene sich aber um neue Charaktere in einem neuen Haus drehen, von daher kann hier im Finale im Prinzip alles passieren, da man nichts für eine Weiterführung braucht.

Ein zentrales Thema der Serie ist übrigens Familie. Die neuen Bewohner, die versuchen, ihre Familienbande zu kitten. Die Nachbarin, die alles für ihre Tochter tun würde, obwohl sie sie gleichzeitig auch als unerträgliche Bürde empfindet, und ihre anderen Kinder verloren hat. Und die bisher im Haus Verstorbenen? Alles Familien oder Kinder, selbst das schwule Pärchen dachte an Adoption. Nicht zu vergessen natürlich der ganze Rosemary’s Baby Kram.

Doch, doch, American Horror Story fand ich wirklich recht unterhaltsam. 12 Folgen einer in sich geschlossenen Handlung sind ja jetzt auch kein enormes Time Commitment. Ist es eine Serie, die ich in 10 Jahren noch als Klassiker, den man sich anschauen soll, genannt sehen werde? Nicht unbedingt. Aber während sie noch läuft, wird sie sicherlich häufiger mal genannt werden.

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2 Kommentare

  1. Melli

     /  22. Mai 2012

    Läuft die momentan irgendwo oder hast du die wieder online geschaut?

    Habe mir jetzt übrigens Battle Royal 2 mal angetan. War schon etwas schwieriger dafür einen Stream zu finden. Keine Ahnung , welche Fassung ich geschaut habe. Sofern es davon auch wieder mehrere gibt. Im Großen und Ganzen fand ich ihn allerdings auch langweilig. Vielleicht auch deshalb, da immer nur mit hauptsächlich Maschinengewehren durch die Gegen geschossen wurde. Das ist ja in jedem Kriegsfilm momentan so und hat halt hier nicht so gut gepasst. Zudem sind am Anfang die Charaktere einfach zu schnell und in zu großen Massen gestorben. Während man im ersten Teil zumindest die Charaktere noch einzeln gesehen hat und sich daher ein kleines, wenn auch nur kurzes, Bild von ihnen machen konnte, waren im zweiten Teil ja schon viele während des ersten Angriffs draufgegangen. Außerdem hatte ich große Schwierigkeiten die weiblichen Darsteller auseinander zu halten. Dabei habe ich eigentlich sonst keine Probleme damit.
    Was mich aber wohl am meisten gestört hat war, dass man im Grunde gar nicht genau wusste, warum Shiori ihren Vater jetzt so gehasst hat und ihn immer ignoriert hat. Mehr als die kurze Erinnerung an ihren Geburtstag kam ja nicht. Oder habe ich was verpasst? Ich mein, darum ging es ja mehr oder weniger. Sie wollte daran teilnehmen weil sie mehr über den Vater bzw. das Mädchen auf dem Bild erfahren wollte. Aber im Grunde weiss man doch gar nicht warum oder? Schade.

    Antworten
    • Online geschaut. In Deutschland läuft die Serie glaub ich bisher nur im Pay TV.

      Für wie lang er ist, scheint in Battle Royale 2 auch einfach nicht so viel zu passieren. Nach der ersten Stunde sitzen die Kids ja alle erst mal gut eine weitere Stunde nur rum und… machen ziemlich gar nix.

      Antworten

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