Ghibli Sunday – Yamadas

Als ich Meine Nachbarn die Yamadas zum ersten Mal untertitelt auf Arte gesehen habe, hätte ich nie erwartet, dass dieser Film je auf deutscher DVD erhältlich sein würde, dafür ist auf dem deutschen Animemarkt einfach kein Platz. Vielleicht allerhöchstens als rein untertitelte DVD von Rapid Eye Movies, aber nur im Zweifelsfall. Doch Universum Film bringt dankenswerterweise den ganzen Ghibli-Katalog raus und somit sind auch die Yamadas ein paar Jahre später hier in den Regalen gestanden. Nicht, dass es sich gelohnt hätte, laut Universum sind die Verkaufszahlen ziemlich mau gewesen und ehrlich gesagt war es ja auch nicht anders zu erwarten. Ich muss eingestehen, ich war durchaus Teil des Problems, habe ich mir die DVD doch erst jetzt für diesen Rewatch gekauft.

Was die Yamadas in Deutschland zu schlecht verkäuflich macht, ist einfach die Alltäglichkeit der Sache. Der Film erzählt uns in kleinen, nicht zusammenhängenden Vignetten das total normale Alltagsleben einer absoluten japanischen Durchschnittsfamilie. Da haben wir den schusseligen Vater, die faule Mutter, die resolute Oma, einen älteren Bruder, jüngere Schwester und sogar ein alles mit Desinteresse beobachtenden Hund. Lebend in einem Vorstadthäuschen, der Vater arbeitet, die Mama ist Hausfrau. Das ist die japanische Standardfamilie, die so Abenteuer zu bestehen hat, wie den Kampf um die Fernbedienung, das es jetzt schon wieder Eintopf zum Essen gibt, die Abschlussprüfung verhauen wurden oder der Geldbeutel zu Hause liegen gelassen wurde.

Klar, der Film arbeitet das alles mit viel Witz und Charme auf, jedoch hauptsächlich bissiger bis liebenswerter, aber eben sehr niedrig gehaltenem, trockenen Witz. Das hier ist kein überdrehtes Shin-Chan. Die Yamadas ist ein ruhiger, bodenständiger Film, selten wirklich überdreht oder Action-geladen, außerhalb der einen oder zwei Traumsequenzen des Familienplanens am Anfang oder der Mofa-Superheldens gegen Ende. Zwischendurch gibt es sogar immer wieder zur Situation passende Haikus. Er ist zu alltäglich und zu japanisch, um eine breite Masse zu interessieren.

Und auch nicht ansehnlich genug. Es gibt hier nicht das übliche Ghibli-Charakterdesign zu sehen, keine super detaillierten Szenerien und atemberaubende Animationen. Die Yamadas sind in einem sehr Skizzenhaften Storyboard-Stil gehalten, alles minimalistisch, die Hintergründe teilweise kaum da, koloriert in blassen Aquarellfarben. Das ist eine stilistische Entscheidung und eine die eigentlich gut zum Thema passt, der Sache mehr Charme gibt, aber sicherlich kein Eye Catcher.

Aber ob ein Film gut oder schlecht ist, richtet sich ja Gottseidank nicht danach, wie viel Erfolg er auf dem deutschen Nischenmarkt haben könnte. Dann wären ja so Endlos-Shonen-Serien wie Naruto die Krönung schlechthin, und das wollen wir doch wohl hoffentlich alle nicht. Das absolute Kontrastprogramm zum vorangegangen Epos Prinzessin Mononoke ist sicherlich auch keiner der ganz großen Ghiblis, der absolut mitreisenden Geschichten, sondern einer ihrer kleineren Filme, fast schon mehr geeignet als episodische TV-Serie denn abendfüllenden Kinofilm, doch es ist ein sehr nettes und charmantes Werk geworden, dem man seinen Unterhaltungswert auch nicht absprechen kann, besonders wenn man sich für eine humorige Betrachtungsweise des japanischen Alltags interessiert.

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2 Kommentare

  1. Mir gefällt der Artstyle doch sehr und eine eher ruhigere Geschichte schreckt mich nicht ab, denn auch Königreich der Katzen war nicht sonderlich laut und trotzdem ein toller Ghibli.

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    • Königreich der Katzen ist einer der Ghiblis, die ich noch nicht gesehen habe. Allgemein scheinen die Post-Chihiros aber mehr Kritik abzubekommen, denn die vorigen Filme, habe ich manchmal das Gefühl.

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