The Parasite of Kamurocho

Okidoke, bin jetzt mit Yakuza 4 durch. War ganz nett, aber so ganz dafür begeistern wie üblich konnte ich mich diesmal für das Spiel nicht. Und das, obwohl es mal wieder eigentlich nichts Neues gibt, das Spiel also kaum schlechter als die Vorgängern sein kann. Aber vielleicht liegt auch genau hier der Hund begraben. Die einzelnen Spiele sind sich vielleicht einfach zu ähnlich, die Luft ist eventuell einfach ein Stück weit raus.

Spielerisch ist’s wie gesagt im Prinzip identisch zum Vorgängern, der fast identisch zu dessen Vorgängern war. Durch Tokyos Rotlichtviertel streunen, einen Yakuza-Film nachspielen mit vielen sehr langen und sehr Wort- jedoch nicht immer auch so Ereignisreichen Cutscenes, dazwischen etwas die Straßen unsicher machen. Bowlen, Mahjong, einen Lapdance bekommen oder sich von Hostessen die Yen aus der Tasche ziehen lassen, an einigen Ecken von Punks angepöbelt werden, die es nicht leid werden, wesentlich breitere und muskulösere Männer mit Gangstervisage anzumachen, und ihnen dafür mit Faust, Fahrrad, Leuchtreklame oder was sonst so zur Hand ist das Gesicht neu arrangieren, hier und dort auch einem Passanten mal bei einem Sidequest aushelfen. Same old, same old. Die beiden Neuerungen sind zum einen, dass wir diesmal gleich 4 Charakteren folgen, mit jedem erst mal vier Kapitel gespielt werden, bis es dann ins Finale mit der ganzen Bande geht, dort natürlich auch jeder zum Einsatz kommt, da es passend auch vier Bosse zu erledigen gibt. Außerdem kann nun im Untergrund und über Hausdächer gewuselt werden (was beim Ausbrecher Saejima auch teilweise genutzt werden muss, um die Polizeipatrouillen zu umgehen). Und das war es mit den neuen Dingen auch schon. Diesmal gibt es nicht mal eine neue Stadt wie sonst üblich, sondern das ganze Geschehen findet in Kamurocho statt (abgesehen von Kazumas Beginn in Okinawa und Saejimas im Gefängnis – beides lineare Schauplätze, keine free roam Areale).

Worum geht es diesmal in der Krimi-Storyline des Spieles? Die Yakuza-Familien Tokyos können wie gewohnt nicht die Füße still halten und driften stark in einen Familienkrieg. Zunächst sieht es noch eher wie ein Missverständnis aus, aber in Wirklichkeit steckt da natürlich wieder ein (bzw. mehrere) Puppenspieler dahinter, die das einfädeln. Das alles hat zudem mit einem Attentat auf einen Yakuza-Boss von 1985 zu tun, welches von Saejima begangen wurde und bei dessen Falllösung der dafür zuständige Polizist und Vater von Tanimura ums Leben kam, was aber als Unfall vertuscht wurde. Womit schon mal das Involvieren zweier der Hauptcharaktere abgehandelt wäre. Außerdem wird selbst das Ding mit den verschwundenen 10 Milliarden Yen, welches zu den Ereignissen des ersten Spieles führte, in die Sache eingefädelt, was erklärt, warum Kazuma wieder dabei ist. Abgesehen davon, dass er sich hier sowieso endlich eingesteht, dass das Yakuza-freie Leben für ihn nichts wird, sondern er eh einmal im Jahr den Trip nach Tokyo machen und alles ins Reine bringen muss. Da kann er auch gleich richtig dort mitmischen. Was hoffentlich seinen Lebensweg in der Serie hiermit endlich abschießt, denn wie sehr ich ihn auch mag, ich war ihn in Yakuza 3 schon etwas müde, ihn in einem Vierteil von Yakuza 4 zu steuern hilft da nicht weiter. Frisches Blut braucht die Serie und so hoffe ich mal, dass Yakuza 5 einen neuen Hauptcharakter hat, vielleicht ja einen der drei anderen aus dem hier. Ach ja und Akiyama hängt in der Sache drin, weil er sich in eine Kundin verguckt, die drin hängt.

Ich muss sagen, grundsätzlich find ich den Aufbau mit den vier Charakteren ganz nett. So bekommt man nicht nur verschiedene Blickwinkel und leichte Abwechslung in der Spielweise geboten, sondern es ist auch interessant, wie sich die Puzzelteile so langsam in jedem Abschnitt mehr und mehr zusammen fügen. Das Problem an der Sache ist auf der anderen Medaillenseite, dass jeder der vier Teile erneut etwas langsam beginnt. Und Yakuza hat ja die Eigenschaft in der Handlung die Charaktere grundsätzlich 15-30 Minuten endlos schwafeln zu lassen, selbst wenn es am Anfang noch nicht viel von Wichtigkeit zu bereden gibt. Sobald die Geschichte dann ins Rollen kommt, wird’s natürlich reichlich spannend… und etwas dämlich. Yakuza 4 hat Wendungen, reichlich davon, zu viele. Ständig betrügt jeder jeden und Charaktere sind doch nicht, wer sie zu sein schienen. Leute werden überrascht, entführt und überraschend aus dem Off erschossen. Das nimmt hier eine Frequenz an, die schon teilweise etwas arg ans Lächerliche grenzt. Zumal man die meisten Wendungen auch kommen sieht, einfach weil sie in jedem Teil ähnlich drin waren. Dadurch hat man jetzt schon ein Auge dafür, dass jener Charakter doch typisch ein Verräter ist und diese Cutscene genau so aufgebaut ist, dass am Ende jemand überraschend er-/angeschossen wird. Letzteres passiert übrigens nicht ein, nicht zwei, sondern geschlagene sechs Mal im Verlauf des Spieles. Ein bisschen viel, eh? Und ich werde nie verstehen, warum in den Yakuza-Spielen niemand einfach mal etwas mit einem Kopfschuss besiegeln kann, sondern ein Mal in den Oberkörper schießt und dann überrascht ist, wenn der Charakter später wieder auftaucht oder selbst noch überraschend zurückfeuern kann. Ganz zu schweigen davon, wie halbherzig einige Dinge gemacht sind, um die Handlung voranzutreiben. Eine Knarre in Reichweite eines am Boden liegenden Bösewichts liegen zu lassen, jenen zu verschonen „weil er es nicht wert ist“ (Anfängerfehler überhaupt), ihm den Rücken zuzukehren und sich dann zu wundern, dass er jemand Geliebten erschießt, ist einfach dämlich. Oder 100 Milliarden Yen in einem Tresor im Büro zu haben, jenen aber nicht abzuschließen, sondern sich automatisch öffnen zu lassen, sollte jemand das falsche Buch aus dem Regal nehmen und mal aus Kuriosität den dicken Knopf dahinter drücken.

Jepp, so spannend die Geschichte von Yakuza 4 sein kann, so langeweilig und so unfreiwillig komisch kann sie an anderer Stelle sein. Und so over the top die Spiele an Stellen sind, so meint Yakuza 4 das weitestgehend ernst.

Hier wie immer meine Endstatistik:

  • Difficulty: Easy
  • Difficulty changes: 0 times
  • Retries: 0 times
  • Times knocked down: 12 times
  • Weapons broken: 55 times
  • Distance on foot: 46.140 km
  • HEAT action finishes: 35 times
  • Encounters: 45 times
  • Completion total: 12,67%
  • Play time: 20.11h

Die kürzeste Spielzeit bisher, einfach, weil ich dismal eher wenige Sidequests gemacht habe, weil ich dazu hier kaum Motivation fand und stattdessen häufig einfach der Main Story gefolgt bin. Die meisten Random Encounter hab ich auch umgangen.

Ach ja, was die Optik angeht, hat sich zum ein Jahr vorher erschienenen Yakuza 3 absolut nix geändert und die Engine zeigt mittlerweile doch ihr Alter. Charaktermodelle, gerade in Cutscenes, sehen grundsätzlich echt gut aus, aber auffällig sind die steifen Plastikhaare und die Umgebung schaut des Öfteren auch ordentlich last Gen aus. Was schade ist, denn bei den ansonsten filmreif inszenierten Cutscenes bricht das schnell die Illusion.

So… jau… war ganz Ok insgesamt immer noch, aber so ein fader Beigeschmack macht sich mit jedem neuen Teil doch mal breit. Schade, dass Kenzan oder Black Panther nie in den Westen gekommen sind, so ein frischer Hauptcharakter und evtl. sogar Ära tut der Serie bestimmt mal gut.

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