Battle Royale

Im Japan der Zukunft ist Jugendkriminalität ein ernsthaftes Problem. Zu dessen Bekämpfung wurde das BR, Battle Royale, ins Leben gerufen, in dem jährlich eine High-School-Klasse ausgewürfelt und auf eine einsame Insel entführt wird, um daran teilzunehmen. Die Regeln sind einfach: Jeder bekommt eine Rucksack mit etwas Essen, Wasser und einer zufälligen Waffe (alles vom Topfdeckel bis zur SMG kann drin sein) und werden dann auf die Insel losgelassen, wo sie sich gegenseitig umbringen müssen. Der letzte Überlebende gewinnt. Außerdem haben sie Halsbänder um, die explodieren können. Gibt es nach drei Tagen mehr als einen Überlebenden, explodieren alle Halsbänder, um sicherzugehen, dass die Kids sich auch wirklich umbringen. Und damit sie sich nicht einfach irgendwo verkriechen ist die Insel in mehrere Zonen unterteilt, die regelmäßig wechselnd zu „Danger Zones“ werden. Bist du in einer solchen, macht das Halsband auch kabumm.

Wenn ein Film mit Verdis Dies Irae anfängt, weiß man, dass er Business meint. Grundsätzlich ist Battle Royale auch nur ein großes Gemetzel und wenig mehr, da überrascht es schon, dass der Regisseur von der 15er-Klassifizierung so überrascht war (zumal es in Japan zwar hoch, aber nicht Mal die höchste ist, im Gegensatz zu den Niederländern haben die eine 18-Kathegorie). Nach 20 Minuten sind die Grundlagen gelegt, die Regeln erklärt und die Kids werden auf die Insel und sich selbst losgelassen. Der Rest des Zweistünders besteht nur darin, zuzusehen, wie sich die 40 Teenager umbringen.

Das kann ehrlich gesagt etwas ermüdend werden. Sicher, der Film hinterfüttert das ein kleinwenig. Es gibt immer mal einen Flashback zu einem der Teens, die etwas mehr Screentime haben, statt in der Szene, in der wir sie zum ersten Mal sehen, auch umgebracht zu werden. Die eine wäre beispielsweise als kleines Mädchen fast missbraucht worden und hat an jenem Tag gelernt, nur auf sich selbst zählen zu können. Beim anderen ist die Mutter durchgebrannt und der Vater hat sich erhängt. Natürlich kommt es in einer solchen Schulklasse auch zu anderen Reibereien, die in der Extremsituation hochkochen. Du hast mir den Freund ausgespannt. In dich war ich heimlich verliebt. Du hast mich immer gemobbt. Und auch nicht alle Kids entscheiden sich dazu, am Morden teilzunehmen. Ein paar rotten sich zusammen und versuchen eine Lösung ohne Blutvergießen zu finden, andere steigen aus dem Spiel aus, in dem sie Selbstmord begehen. Und natürlich ist hier Gesellschaftskritik mit drin, ob des japanischen Schulsystems und der verrohenden Jugend. Zynisch zeigt er uns auch ganz trocken, wann immer jemand umgekommen ist, Nummer und Namen des Opfers und wie viele noch im Rennen verbleiben.

Doch im Großen und Ganzen besteht die meiste Screentime der 2 Stunden daraus, dass wir dabei zusehen, wie sich Teenager gegenseitig umbringen. Man muss also schon ein wenig Freude an der Metzelei mitbringen, um den Film genießen zu können. Und selbst dann wird es doch ein wenig langweilig, sobald man das über eine Stunde gesehen hat. Immerhin reden wir hier nicht von feinst ausgeklügelten Mordpuzzeln a la Saw, die immer wieder was Neues bieten. Man kann halt nur so häufig sehen, wie ein Mensch niedergeschossen, erstochen oder die Kehle aufgeschlitzt bekommt, bis es etwas redundant wird. Das ist etwas schade, denn ich halte Battle Royale wirklich für einen guten Film, die erste Stunde ist sogar richtig geil, er hätte es halt nur gut vertragen können, eine halbe Stunde kürzer zu sein.

Battle Royale II: Revenge spielt dann 3 Jahre später und der Untertitel ist Programm: Shuya hat mittlerweile ein Terrorzelle gegründet, die den Erwachsenen ordentlich einheizt. Aufgrund dessen hat man das Projekt überarbeitet und zum BR2 gemacht. Es wird immer noch eine Schulklasse entführt und mit Waffen und Explosionshalsbändern ausgestattet, doch statt sich gegenseitig zu töten, haben sie nun 3 Tage Zeit, Shuya umzubringen. Außerdem sind sie nun in Zweierteams unterteilt, stirbt einer des Teams oder sind sie mehr als 50 Meter voneinander entfernt, explodiert auch das Halsband des Kammeradens.

Battle Royale II macht absolut keinen Sinn, von Anfang bis zum Ende hin. Ich mein sicher, das erste Battle Royale war jetzt auch nicht so super sinnig (was hat es mit der Bekämpfung von Jugendkriminalität zu tun, lediglich eine Schulklasse pro Jahr sich dezimieren zu lassen?), aber die Prämisse des Filmes war simpel und geradlinig, so dass man das einfach geschluckt und nicht zu viel drüber nachgedacht hat. Battle Royale II versucht aber ein wesentlich größerer Film zu sein, mehr Action, mehr Drama, mehr Philosophiererei, mehr Handlung. Nur fällt das Kartenhaus halt augenblicklich zusammen, da es hier eigentlich keinen Grund für das Spiel gibt. Ich mein, die Regierung weiß wo sich Shuya mit seiner Hand voll Terroristen versteckt: In einer Ruine auf einer verlassenen Insel. Anstatt aber einfach ne Bombe draufzuwerfen und die Geschichte abzuhaken, schicken sie 40 untrainierte Teenager per Frontalangriff gegen sie, bei dem schon ein Dutzend umkommt, bevor sie den Strand überhaupt erreicht haben? Und was nach der ersten Stunde des Filmes passiert, welche Richtung und welches Ziel er verfolgt, hab ich sowieso nicht rausfiltern können. Er geht halt irgendwie noch weiter, für geschlagene 1 1/2 Stunden sogar. Aber was der Sinn der ganzen Sache war, könnte ich nicht sagen. Was vielleicht auch daran lag, dass ich bei der Eineinhalbstundenmarke eh jegliches Interesse am Film verloren hatte und ihn beinahe einfach ausgemacht hätte.

Die unterliegende Botschaft war wohl… Anti-Amerika? Kommt hin. Und Pro-Terrorismus? Da wird es schon heikler. Der Film erzählt uns zwar mehrmals, dass die Terroristen auch Opfer hinterlassen etc. aber so ganz kann man das Gefühl nicht abschütteln, dass er doch sympathisiert. Anti-Amerika-Thematik geht immer, Pro-Terror ist schon ein wesentlich heikleres Thema. Ein Tanz auf Eierschalen, für den Battle Royale II eigentlich ein viel zu dummer Film ist, um ihn sich trauen zu sollen.

Auch zu versuchen, uns die Charaktere näherzubringen, will ihm nicht gelingen. Beide Battle Royales sind zugegeben reichlich miserabel darin, mich dazu zu bringen, dass ich mich um die involvierten Charaktere einen Scheißdreck geschert hätte. Aber der erste hat es bei seinem Kanonenfutter auch nicht allzu ernsthaft probiert, Battle Royale II will aber wirklich, dass mir die Charaktere was bedeuten, gibt uns reichlich Flashbacks und dreht das Drama, wann immer jemand stirbt, arg hoch. Aber wirklich interessieren tut mich das nicht.

Und das Schauspiel, oh das Schauspiel! Mehr Charakterisierung bedeutet natürlich auch mehr Möglichkeiten, da ordentlich danebenzulangen. Und Battle Royale II langt Meilenweit daneben. Der neue Lehrer, der neue Male Lead unter den Schülern, der wiederkehrende Shuya… alles drei sozusagen die Hauptcharaktere des Filmes, die am meisten Screentime bekommen. Und wann immer einer von den Dreien „schauspielert“, sterbe ich ein kleinwenig innerlich.

Falls es noch nicht durchgeklungen ist: Ich find Battle Royale II so richtig scheiße. Ich mag den simplen, einfach gehaltenen und geradlinigen Erstling, während der zweite Film wesentlich ambitionierter ist, aber so in allen Belangen fehlschlägt, dass es echt eine Leistung darstellt.

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4 Kommentare

  1. Yeah! Ich kann dir einmal nicht zustimmen!

    BRI fand ich sehr interessant gestaltet. Der zynische Charakter, die Kaltblütigkeit des Ganzen und die zwischenmenschlichen Krisen gefielen mir sehr gut. Klar ist der Film jetzt keine Glanzstunde des japanischen Films, aber doch ein guter und wichtiger. Außerdem mag ich Kitano (den du nicht mal erwähnt hast)! Zudem möchte ich erwähnen, dass es nicht das hier beschriebene Gemetzel ist, denn es gibt immer wieder ruhige Momente und auch Überblendungen zu den Nerds, die die Halsbänder hacken wollen.

    Zum zweiten Teil, der übrigens Requiem und nicht Revenge heißt: Er ist lang(weilig). Das Machwerk dauert weit über 2 Stunden und ist einfach ermüdend, denn abgesehen von der anfänglichen Metzelaction, die irgendwie an die Invasion der Amis am Strand der Normandie in „Saving Private Ryan“ erinnert, passiert einfach gar nichts mehr. Dümmliche Dialoge und ein Hauptcharakter, der den Film einfach nicht tragen kann. Alles in allem nicht zu empfehlen!

    Antwort
    • Ah, anscheinend hab ich bei beiden Filmen die Extended Version gesehen. Die Credits beim ersten Film sind die hübscheren und der Untertitel des zweiten ist in jenem tastsächlich das von mir genannte „Revenge“ statt „Requiem“.

      Wie gesagt, der erste Film hat mir in den kurzen, zwischenmenschlichen Einwürfen eher wenig gegeben. Vielleicht kamen die mir im Nachhinein auch so unwichtig zwischen der vielen Metzelei vor, weil sie nicht wie in BR2 den Film plötzlich für fast eine Stunde zum Stillstand bringen :D

      Antwort
  2. Jillia

     /  9. Mai 2012

    Habe ihn mir gestern auch mal angeschaut auf irgendeinem Stream. Die Qualität war so lala und ich habe keine Ahnung, welche der Versionen es war. Fand ihn aber gar nicht mal so schlecht wie befürchtet.
    Allerdings fand ich es von vornherein leider klar, dass die zwei überleben, da sie einfach die meiste Screentime hatten. Das mit dem Flashback mit der beinahe Vergewaltigung war aber bei dem Film, den ich gesehen habe, nicht drin. Komisch.

    Antwort
    • Jepp, so extrem grafisch, wie man erwartet, ist der Film auch wieder nicht. Fand ihn trotz des vielen Gemetzels nun auch nicht sonderlich extrem optisch.

      Ich hab gerade mal bei Schnittberichte.com vorbeigeschaut und dieser Kindheits-Flashback scheint wirklich nur im Extended Cut zu sein, fehlt in der Originalversion.

      Antwort

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