Ghibli Sunday – Nausicaä

Ah, das Studio Ghibli, das japanische Traditions-Animationsstudio schlechthin, sozusagen deren Disney. Nur mit konstanterem Output, was aber auch klar ist, wenn die Filme immer von den gleichen drei Hauptfiguren gemacht werden. Mein erster war damals übrigens Die letzten Glühwürmchen, auf Arte noch. Anschließend war es immer wieder eine Freude auf einer Animagic mal einen Nausicaä, Mononoke, Kiki oder Totoro mitzubekommen. Ach ja, die damaligen Zeiten, heutzutage hat man es ja so einfach, Ghibli komplett auf DVD zu bekommen. Und was sind die Bluray-Cover erst so classy, wenn auch wahrscheinlich zu schlicht, um in Deutschland groß verkaufsfördernd zu sein.

Egal, Nausicaä aus dem Tal der Winde, ähnlich wie Heidi beim World Masterpiece Theatre eigentlich noch vor deren Gründung erschienen, aber gern dazu gezählt, wird ja mittlerweile auch über Ghibli vermarktet. Basierend auf einem – wesentlich längeren – Manga von Miyazaki himself.

Vor 1000 Jahren ging in den sieben Tagen des Feuers die Welt unter. Mittlerweile wird sie vom Wald der Fäulnis beherrscht, ein giftige Sporen aussendender Urwald, voller mutierter Rieseninsekten, die bei der kleinsten Provokation durchdrehen. Die Menschen leben verstreut in den wenigen noch nicht vom Wald eingenommenen Gebieten, darunter auch das Tal der Winde mit dessen Prinzessin Nausicaä, die die Insekten und Sporen sogar heimlich studiert.

Dummerweise stürzt ein Flieger aus Tolmekia im Tal ab, mit einer seltsamen organischen Ladung. Schon bald kommen weitere Flieger und besetzen das Tal, töten Nausicaäs Vater. Die Ladung ist nämlich ein Titan, die damals in den Tagen des Feuers die Apokalypse übers Land haben regnen lassen. Eine mächtige Waffe also, die jeder gerne hätte und den die tolmekische Prinzessin mit Krieg aus Pejite geholt hat.

Auf dem Weg zurück nach Tolmekia, Nausicaä als Geisel nehmend, werden sie von Pejite angegriffen, stürzen im Wald der Fäulnis ab, wo Nausicaä herausfinden muss, dass jener eine sehr wichtige Daseinsberechtigung hat.

Der erste Film also vom Team, dass dank dessen Erfolges zum Studio Ghibli werden konnte, und was für einer. Immerhin waren die alle keine Neulinge mehr, haben vorher beispielsweise bei Nippon Animation in den World Masterpiece Serien oder den Mumins mitgearbeitet, Castle of Cagliostro auf die große Leinwand gebracht. Und das merkt man, liefern sie hier doch einen weitestgehend runden Film ab. Wenn ich den Manga nicht kennen würde, würde mir gar nicht bewusst, dass er dennoch fast nur ein Schatten des wahren Epos ist.

Es ist ein moralischer Plot, natürlich, Miyazaki hat schon immer gern Umweltbotschaften in seine Filme eingebaut, wirklich tragend sind sie allerdings nur hier und in Prinzessin Mononoke. Es ist eine Geschichte gegen das scheinbare Bedürfnis ständig und wegen allem Krieg zu führen, auch wenn es uns nur dem Untergang näher bringt. Gegen Umweltverschmutzung und dafür, sich mit seiner Umgebung besser zu befassen, immerhin ist der für den Menschen auf den ersten Blick tödliche Wald nichts anderes, als der Selbstverteidigungs- und Reinigungsmechanismus des Planeten. Eben um jene katastrophalen Wunden zu heilen, die der Mensch ihm zugefügt hat.

Dennoch zeigt der Film nie zu sehr mit den Zeigefinger, schleudert wirklich Zaunpfähle um sich. Und funktioniert eben auch ohne die Botschaft als Film voll Action, mit einer interessanten Mythologie und sympathischen Charakteren. Keine einfache Schwarz-Weiß-Malerei, hier agieren Personen, nicht eindimensionale Klischees.

Weitestgehend zumindest, aufs Finale merkt man dem Film dann leider doch etwas an, dass die Geschichte runter getrimmt ist, das hier mehr dahinter steckt, als umgesetzt werden kann. Vielleicht hat man halt doch einfach mehr abgebissen, als man in einem schlucken kann. Auf jeden Fall wird er – viele tolle ikonische Szenen zum Trotz – auf den Schluss hin etwas holprig, wenn alles irgendwie zu einem Ende zusammen kommen muss. Das Geschehen zwischen Tolmekia und Pajite wird schnell abgehandelt, der auf den Anfang gehypte Titan, der alles ausgelöst hat und der dann für längere Zeit vergessen wurde, wird schnell verheizt, nach der großen Ohmu-Szene ist es schon etwas abrupt beendet. Hier war die Idee wohl doch etwas größer als die umsetzerischen Möglichkeiten.

Aber das ist nur ein kleiner Makel in einem sonst wirklich tollen Film. Übrigens auch toll animiert, trotz des Alters merkt man hier schon Ghiblis Detailverliebtheit und tolles Weltendesign.

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2 Kommentare

  1. Vielleicht solltest du den Regeln der Erörterung folgen und am Ende den Eindruck stehen lassen, der dein Fazit am besten beschreibt, denn das ist das, was letztlich hängen bleibt. Oder fandest du den Film nicht so pralle?

    Ich muss ihn mir, wie so viele Ghibli-Filme noch ansehen. Dir empfehle ich derweil Pom Poko, ebenfalls mit Umweltbotschaft.

    Antworten
  2. Einer der wenigen Filme von Ghibli , die ich bereits gesehen und noch nicht erworben habe. Wird sich aber bald ändern, da ich dieses Jahr den Fokus auf Anime legen wollte. Jedenfalls kenne ich den Film von der Ausstrahlung auf arte.^^

    Den Ghibli-Filmen habe ich unter anderem zu verdanken, dass mein Interesse an Anime erneut aufgeflammt ist, nachdem ich es jahrelang sträfligst vernachlässigt habe. Die meisten des Studios sind irgendwie… magisch. Diesen Begriff habe ich bereits damals bei den Disneyfilmen verwendet und dabei meine ich nicht unbedingt, dass sich die Werke beider Studios ähneln, sondern mich jede auf ihre eigene Weise fasziniert.

    Zum Film selbst: Ich mag das Setting bzw ich finde es sehr interessant. Auch ist ihnen die Charakterisierung wirklich gut gelungen. Leider kann ich nicht mehr viel zu sagen, da der Film schon eine ganze Weile her ist. Eines kann ich aber sagen: Ich fand den Film wirklich gut.

    Antworten

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