Academy Weekend – The Social Network

Für 8 Oscars nominiert, 3 davon abgeräumt (Best Adapted Screenplay, Original Score und Film Editing, hat also hauptsächlich die technische Seite des Filmemachens hier gewonnen), kommen wir nun zu The Social Network. Ein Film über die Entstehung von Facebook und die daraus resultierenden Klagen.

Mark Zuckerberg ist ein Genie, aber ein Idiot, wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht, kann oder will die gängigen sozialen Konventionen nicht verstehen. Deswegen macht seine Freundin auch mit ihm schluss, wie sie so schön noch klar stellt „nur damit er sich nicht darin flüchtet, es wäre weil er ein verkanntes Genie ist, sondern weil er ein Arschloch ist“. Und das ist er auch irgendwie. Anschließend macht er erst mal einen fiesen Blog-Post über sie und programmiert zum Frustabbau Facemash, wo die per Hacking aquirierten Bilder aller Harvard-College-Mädels gegenüber gestellt und bewertet werden. Das Ding legt das Netzwerk der Uni lahm, so viele Hits bekommt es.

Das macht drei andere Studenten auf Zuckerberg aufmerksam, die eine Idee eines Harvard-Netzwerkes haben und ihn für die Progammierarbeit wollen. Er willigt ein, sagt ihnen dann später aber doch wieder ab und stellt lieber sein eigenes The Facebook online, mit Servern aus der Tasche seines besten und einzigen Freundes Eduardo. Das Ding wird ein Hit am Campus, verbreitet sich an andere Colleges, mit Hilfe von Napster-Erfinder Sean Parker sogar ins Ausland.

Doch zwischen Mark und Eduardo werden die Spannungen immer größer, bis zum großen Bruch der beiden und Eduardos Klage, der aus der Firma gebotet wurde und seine gerechten Anteil einklagt. Gleichzeitig läuft auch die Klage der anderen drei Studenten ob des Diebstals ihrer Netzwerk-Idee.

Und eine weitere Pseudo-Biographie, hier nur wesentlich cineastischer und spannender aufgezogen als der Doku-Style von The Fighter. Wie viel hiervon wahr ist, sei dann mal dahin gestellt, immerhin basiert der Film auf einem Buch, dessen Quelle Eduardo Saverin war, während sich Mark Zuckerberg wiederholt dazu äußerte, wie unwahr all dies hier ist. Dann wiederum kommt der gute Mann natürlich hier auch wesentlich schlechter weg als ein Micky in The Fighter, der und dessen spätere Frau in jenem Film schon unrealistisch ideal und Fehlerlos daher kommen.

Denn Zuckerberg in The Social Network ist kein sympathischer Kerl. Seine Ex hat recht mit ihrem harschen Urteil zu Filmbeginn. Und wird zum Antrieb für Facebook, Marks Hauptmotivation scheint zu sein, ihr zu zeigen, was sie verpasst hat. Was die Logik dahinter auch immer ist… das sich Frauen nur für Erfolg interessieren? Genau wie Facemash sich auf ihr äußeres degradiert? Ist ja auch egal, egal wie reich Mark durch Facebook wird, egal wie genial er ist, vom Menschlichen her ist er niemand, mit dem man sich anfreunden würde.

Es ist schon Ironie, dass ein Mensch mit so viel sozialier Inkompetenz derjenige ist, der das soziale, Weltumspannende Netzwerk Facebook gebärt. Das derjenige, der eine Seite ins Leben ruft, wo jeder 500 Fake-Freunde hat, von denen er 99,9% gar nicht wirklich kennt, über eben jenes seine einigen echten Freund verliert.

The Social Network ist ein unglaublich packender Film, dank Schauspiel und Inszenierung. Die Geschichte wird frisch, jung, cool und rasant erzählt. Die menschliche Komponente, die zerbrechende Freundschaft ist immer präsent. Der Aufstieg von der Idee zum kleinen Hit in den Colleges zur Weltenkrake cool, die Schattenseiten des Erfolgs deprimierend. Der Film zeigt sowohl die enormen Möglichkeiten, die in solchen modernen Medien und damit zusammenhängenden Ideen stecken, kommentiert gleichzeitig aber auch zynisch über die Online-Sucht und die extreme Vernetzheit, das Leben online jederzeit irgendwo eingebunden.

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2 Kommentare

  1. Vecrix

     /  25. Februar 2012

    Den Film fand ich schon echt gut. Ich finds halt faszinierend, wie eigentlich die eigentlich recht seichte Geschichte vom Werdegang einer zunächst kleinen Homepage soweit ausgeschmückt und dramatisiert wird, dass ein ziemlich guter Hollywoodstreifen dabei herauskommt. Vor allem eben die Darstellung von Mark Zuckerberg ist imo halt echt gelungen, gerade WEIL er wie ein absolut unsympathischer Arsch daherkommt, den zumindest ich nichtmal auf ne Facebook-Freundesliste setzen würde ;)

    Irgendwie würd mich der Wahrheitsgehalt dahinter schon ein klein wenig interessieren, gerade weil halt echt jeder was komplett andres über die Realitätsnähe erzählt ^^

    Antworten
    • Das ist natürlich immer schlecht zu sagen. Wie gesagt basiert es auf einem Buch, dessen Autor wohl mit Facebook-Co-Founder Eduardo gesprochen hat. Was natürlich auch bedeutet, dass er nur dessen Seite der Geschichte kennt. Es ist schon etwas fishy, dass Eduardo im Film als einziger Charakter nicht arschig rüber kommt :D

      Antworten

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