Academy Weekend – The Fighter

Diesen Sonntag ist es wieder soweit, die Academy Awards werden verliehen. Eigentlich mach ich mir nicht so viel daraus, ich hab mir vor zehn Jahren mal ein oder zwei Verleihungen live angesehen und fand das Komplettding jetzt nicht so super spannend, da les ich lieber am Folgetag, wer gewonnen hat. Allerdings gibt es mir eine gute Ausrede, ein paar Vorjahresgewinner endlich mal zu schauen. Damals haben 6 Filme mehrere Oscars abgeräumt, Alice in Wonderland (2) und Inception (4) sah ich bereits, Toy Story 3 (2) will ich irgendwann mal mit allen Pixars schauen. Bleiben genau drei Kandidaten fürs Wochenende übrig.

Den Anfang macht The Fighter, für 7 Oscars nominiert, 2 davon abgeräumt (Best Supporting Actor und Actress). Basierend auf dem echten Aufstieg des Boxers Micky Ward. Jener wird von Mark Wahlberg verkörpert, sein Trainer ist – gespielt von Christian Bale – dessen älterer Bruder, der selbst mal ein Boxer mit enormen Erfolgsaussichten war, mittlerweile allerdings zum unzuverlässigen Drogenjunkie verkommen ist. Die Familie abrunden tut die Mutter der beiden, die als Mickys Managerin fungiert, aber eindeutig immer den älteren Bruder bevorzugt.

Was nun kommt ist weniger ein Film übers Boxen an sich, die Matches sind bis aufs große Finale alle ziemlich kurz und eher selten gestreut. Stattdessen ist The Fighter viel mehr ein Familiendrama. So sehr Micky seine Familie liebt und auch jene in ihren Augen nur das Beste für ihn wollen, müssen doch alle Parteien langsam einsehen, dass es so nicht weiter gehen kann, dass Mickey mit den von ihnen arangierten Gigs sein Talent vergeudet.

Das braucht lange, um die Grundsteine zu legen, die ersten 45 Minuten sind extrem langsam, dann nimmt der Film allerdings langsam Fahrt auf. Die Reibereien mit der Familie werden stärker, Mickys Bruder kommt in den Knast und er selbst fängt unter neuer Trainerschaft langsam zu glänzen an. Dennoch bleibt der Stil vergleichweise ruhig und nüchtern, will nie zu sehr in die Dramatik fallen. Dabei mag Mark Wahlberg Micky gut verkörpern, wenn auch der Charakter an sich sowieso nicht der spannendste ist, da der übliche, gutmütige Underdog, der am Ende des Tages als Sieger dastehen wird, doch die Show hier stielt eindeutig Christian Bale. Der Bruder ist nicht nur der interessantere Charakter, das Schauspiel fabelhaft, er bekommt auch reichlich Screentime eingeräumt und am Ende des Filmes hat man fast mehr das Gefühl, eine Pseudo-Biographie über ihn denn Micky geschaut zu haben.

Ich muss sagen, dass mich Boxen nicht sonderlich interessiert, oder Filme über White Trash. Doch The Fighter, vorhersehbare Standardhandlung hin oder her – wie praktisch das Wards Leben alle Kriterien des üblichen American Dreams im Sportgenre erfüllt -, lahmer Anfang mal vorweg gelassen, bleibt es auf die finale Stunde doch durchweg interessant, nicht nur aber gerade attestiert an Christian Bale. Und die pseudo-dokumentarische Machart sorgt dafür, dass man sich immer nahe am Geschehen fühlt.

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