Kubrick Wednesday – Paths of Glory

Es ist Krieg, der Erste Weltkrieg. Die Franzosen stehen momentan nicht allzu schlecht, aber diese verdammten Deutschen haben sich auf den strategisch wichtigen und schwer einnehmbaren „Ameisenhügel“ zurück gezogen, diese Feiglinge. General A zu seinem untergeordneten General B: Den müssen wir einnehmen. General B weiß, dass es ein Selbstmordkommando ist und will seine Leute nicht opfern, da lässt General A durchblicken, dass B eine ordentliche Beförderung bevorstehen könnte, wenn er sich noch durch eine weitere Meistertat auszeichnet.

Also stapft B wiederum zu seinem Untergebenen, Colonel Dax, der ebenfalls nicht davon überzeugt ist, sein Regiment in eine Aktion zu schicken, bei dem weniger als die Hälfte eine reale Überlebenschance hat. Darauf B, dass man Dax ja auch beurlauben und jemand anderen die Sache leiten lassen kann. Also macht Dax notgedrungen mit.

Das Ding ist nur, besager Sturm auf den Ameisenhügel ist wirklich nicht machbar, nach etlichen Toten zieht sich das Regiment auf halbem Wege zurück. B tobt und befielt, auf die eigenen Reihen zu schießen, damit ihnen nur die Möglichkeit des Vorpreschens bleibt. Dem Befehl wird nicht gefolgt, der Ameisenhügel bleibt in deutscher Hand. Das hat natürlich Konsequenzen.

Krieg ist scheiße, klar. Paths of Glory und das ein paar Jahre vorher entstandene Fear and Desire sind zwar nicht die ersten Antikriegsfilme, die es je gab, doch noch früh dabei und damit immer noch zu Zeiten, wo es nicht sonderlich populär war, dagegen zu wettern. Die 70er und Vietnam waren noch fern. Als junger Frischling kann sich Kubrick natürlich mehr trauen, als alteingesessene Hasen der Zeit.

Aber Paths of Glory ist sowieso eine große Überraschung, wenn man rein geht und nur weiß, dass es ein Antikriegsfilm ist. Denn um den Krieg an sich geht es gar nicht mal so sehr. Nach der ersten halben Stunde ist die Schlacht vorerst geschlagen (und verloren) und zurück aufs Feld geht es nicht mehr. Danach kommt nämlich für die restliche Stunde die Verhandlung. General B hat nicht bekommen, was er wollte, und deswegen müssen Köpfe rollen, selbst wenn es unverschuldete sind. Immerhin muss im Militär mit starker Hand durchgegriffen werden, um den Bauern zu zeigen, wer hier das Sagen hat und am längeren Hebel ist. Also kommt es zu einer Verhandung wegen Feigheit in der Schlacht. Und keiner sonderlich fairen, jeder geht hinein schon ziemlich genau wissend, wie sie verlaufen wird und wer seinen Willen bekommt.

Paths of Glory prangert also nicht mal so sehr den Krieg und das Kampfgeschehen an sich an, sondern viel mehr die Militärhierarchie. Das Bestrafen des eigenen Denkens, des Zuwiederhandelns unrealistischer Befehle. Das hochgestellte Figuren für ihre Fehler nix zu befürchten haben, stattdessen die Bauern fallen müssen. Alles nicht unbedingt subtil inszeniert, Kubrick geht sicher, dass auch jeder seine Message bekommt, aber durchweg gut inszeniert und gespielt. Dafür, dass es in der letzten Stunde fast nur Gerede darüber ist, wer was falsch gemacht hat und wer wie hätte handeln sollen, ist es ein sehr kurzweiliger Film.

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