Zoophile Boyfriend

Japan ist seltsam, gerade deswegen ist es ja so faszinierend und deren Unterhaltungsmedien so… unterhaltsam halt. Nach dem Konsumieren einer halben Tausendschaft an Anime und nicht wenigen Games gewöhnt man sich allerdings ein Stück weit dran. Wenn man sich das Hirn mit einer Knarre weg pustet, um mit dem so als Dämonen manifestierten wahren Selbst die Welt zu retten; in Fernseher klettert und mit den eigenen Ängsten in Form von Prinzessinnenschlössern und Schwulensaunen konfrontiert wird; oder ein Blockpuzzel erklimmen muss, gejagt von einem mit einer Kettensäge ausgestatteten Baby, weil ein babylonischer Gott verhindern will, dass man die Fruchtbarkeit der Freundin vergeudet… nur um mal ein paar aktuellere Beispiele sogar in den Westen gekommener Spiele zu nennen, da zieht man dann auch keine Augenbraue mehr hoch, wenn ein Titel wie Conception: Please Deliver My Child in der Mache ist. Btw, ich hab vor kurzem einen Manga gelesen, in dem ein 17-Jähriger durch ein Zeitloch fällt, in der Vergangenheit eine sexuelle Beziehung mit seinem damals 14-jährigen Vater anfängt, später wieder in seine Zeit zurück muss und im Prinzip deswegen geboren wurde, weil sein Vater sich in seine Mutter verliebte, weil die beiden sich so ähnlich sehen. Das war selbst für die niedrigen Standards von Boys Love Manga mal dämlich.

Anways, kommen wir also zum neuesten „WTF Japan?“, das das Internet unsicher macht: Hatoful Boyfriend, ein nur im Japanischen funktionierendes Wortspiel aus „heartful“, „hurtful“ und „bird“. Das Ding ist ein Visual Novel, mein zweites Otome Game – vor vielen Jahren habe ich mal einige Boys Love Games gespielt und auch mal so was wie Chaos;Head, aber es ist erst mein zweites für Mädels… nein, das ist auch wieder falsch, Boys Love ist ja eigentlich für Mädels, es ist aber nach Meine Liebe das einzige, in dem man ein Mädel spielt, das sich hübsche Jungs anlachen will. Nur das in Hatoful Boyfriend all diese Junge im wahrsten Sinne des Wortes ziemliche Vögel sind.

Und das ist im Prinzip der ganze Gag des Spieles. Es ist ein weitestgehend normal strukturiertes und erzähltes Visual Novel um ein Mädel an einer neuen Schule, die auf einen Harem aus Jungs trifft und sich über die diversen Multiple Choice Entscheidungen über den Spielverlauf gute bzw. schlechte Enden mit jenen erspielen kann. Wirklich viel extra humorige Einlagen sind da gar nicht dabei, Hatoful Boyfriend gestaltet sich weitestgehend straight. Die Seltsamkeit, der Witz an der Angelegenheit, wenn man das so will, kommt halt nur komplett daraus, dass diese ganz gewöhnlichen „Dating Sim“ Situationen mit Vögeln passieren. Und das war’s auch schon.

Klar schmunzelt man mal, wenn das Mädel (das ich für etwas mehr Komik auch prompt „Fuck Birds“ nannte) sich drüber aus lässt, wie sexy Heute doch wohl der gefiederte Kommilitone aussieht. Und einige Character Arcs können schon ziemlich over the top werden (was aber fürs Genre nicht zwangsläufig ungewöhnlich ist). Aber ganz ehrlich, die Prämisse mag irgendwie seltsam sein, klar das schon, doch so wirklich „WTF“-würdig… ist es das wirklich? Gerade wenn man sich nach kurzem Anspielen dran gewöhnt hat, dass hier halt alle Kerle Vögel sind, verliert das Spiel schnell an Quirkyness und ist nicht wirklich so wahnsinnig witzig. Wenigstens ein paar herrlich schräge CGs hätte man einfügen können, wie das normalerweise im Genre der Fall ist, in dem man das Mädel auch mal mit einem der Typen auf den Dates sieht. Aber gerade weil man sie nie zu Gesicht bekommt, kontrastiert das eben nach einer Weile auch nicht mehr so, dass man ja eigentlich einen echten Menschen spielt, der Federviech bespringen will. Wenn, dann zeigt einem Hatoful Boyfriend eher, wie seltsam die meisten Ren’ai Games an sich schon sind, nachdem es mit den Vögeln die Suspension of Disbelief sprengt und man plötzlich alles ob seiner Sinnigkeit zu hinterfragen beginnt.

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3 Kommentare

  1. Ich bin grade furchtbar versucht Witze über’s Vögeln zu machen…^^

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  2. Nehmen die da tatsächlich Shadowgate auf die Schippe? :D

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