Kubrick Wednesday – Fear & Desire

Ich muss mal wieder ein Geständnis ablegen: Ich habe nie einen Film von Stanley Kubrick gesehen. Nein, nicht mal The Shining, zumindest nie ganz. Aber solange es noch nicht der 21. Dezember ist, kann man das ja noch alles nach holen und das habe ich nun vor. Alle Kubricks, zumindest die „richtigen“. Sprich den Anfang macht Fear and Desire, der mit knapp 70 Minuten der erste Film voller Länge von ihm ist, davor hat er allerdings bereits ein paar Kurzfilme gedreht.

Vier Männer crashen mit ihrem Flugzeug in einen Wald. Vier Soldaten crashen mit ihrem Flugzeug in einen Wald auf einer Insel. Vier Soldaten crashen mit einem Flugzeug in einen Wald auf einer Insel, der zum Feindesgebiet gehört. Ok, genug „Ich packe meinen Koffer“ gespielt. Das Quartett findet sich also ab ihrer eigenen Kompanie inmitten von Feindesland wieder. Doch sie haben einen Plan: Ein Floß bilden und damit den Fluss befahren, bis sie wieder hinter den eigenen Linien sind.

Auf dem Weg zum Fluss treffen sie auf eine feindliche Baracke, die allerdings momentan nur von zwei Soldaten beim Essen besetzt ist. Also riskieren sie den Überraschungsangriff, erschlagen die Feinde und klauen deren Waffen und Verpflegung. Am Flussufer treffen sie dann auch noch auf ein Eingeborenenmädchen, das ihre Sprache nicht spricht und das sie bewacht an einen Baum fesseln, damit sie ihren Standort nicht verrät. Nur wird der mit der Stummen allein gelassene Bewacher wahnsinnig und erschießt sie. Die anderen haben derweil eine Villa mit einem feindlichen Kommandanten entdeckt und lassen den Fluchtplan fallen, starten lieber eine Suizidmission jenen zu erschießen.

Krieg ist böse. Krieg macht gestandene Männer zu Wahnsinnigen. Das ist kein neues Thema, was uns Kubrick hier bietet. Leider zieht er es auch ein wenig langweilig auf. Vier Männer stapfen durch den Wald. Viele innere Monologe darüber, wie sehr sie Angst haben, sich gegenseitig misstrauen und so weiter, äußere Dialoge mit extrem dick aufgetragenen philosophischen Tönen. Anscheinend wird in einer Extremsituation nicht nur jeder zum wahnsinnigen Barbaren, sondern auch zum dichtenden Feingeist. Es passiert einfach nicht allzu viel im ganzen Film, er wirkt eher wie ein überlanger Kurzfilm. Die inneren Monologe und Extrem-Closeups mögen gut dabei behilflich sein, das Seelenleben der Protagonisten zu spiegeln, aber mehr als viel Gerede ist an Fear and Desire kaum dran. Stattdessen wird unser Quartett einfach nur durchs Stapfen durch den Wald langsam immer wahnsinniger oder verstörter. Klar, wir sind ja im Feindgebiet und so sind sie ständig unter Druck und Angst, aber da eben so selten der eigentliche Feindkontakt besteht, die vier meist nur unter sich zu sehen sind, vergisst man das als Zuschauer derweil auch mal wieder und ist etwas befremdet, wie sehr sie sich doch über nix aufregen.

Der Sache ist natürlich nicht geholfen, dass das Schauspiel eher durchschnittlich ist und die Optik auch bei meiner Version so extrem schlecht war, als hätte man einen Extrem-Photoshop-Filter drüber gelegt. Denn Fear and Desire ist in der Publick Domain, da niemand mehr die Rechte am Film hat – und Kubrick selbst zu Lebzeiten wohl versuchte, jeglichen Umlauf von ihm zu stoppen, da der Perfektionist mit seinem Frühwerk selbst nicht mehr zufrieden war. Publik Domain bedeutet halt positiverweise, dass man ganz legal den Film wie eine Crackhure herumreichen darf, ungünstigerweise aber auch, dass viele Bootlegs und Co. ziemlich dürftig aussehen.

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2 Kommentare

  1. Danke für den Filmtipp, ich selbst habe leider nur „A Clockwork Orange“ (sehr sehenswert btw) vollständig gesehen, bei „Shining“ und „Eyes Wide Shut“ bin ich unglücklicherweise eingeschlafen…
    Möchte mit diesem Post auch meine Unterstützung kund tun, dass ich deinen Blog bemerkt habe und mir demnächst mal die Zeit nehme, die Artikel durchzugehen und den ein oder anderen Comment zu „droppen“.

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