Anime Week – Summer Wars

Kenji hat unglaubliches Glück, obwohl er ein Nerd ist, der außer einem Händchen für Mathematik und Computern nicht viel vorzuweisen hat, wird er vom beliebtesten Mädchen der Schule, Natsuki, eingeladen mit ihr über den Sommer zum Geburtstag ihrer Großmutter zu fahren. Angeblich in Form eines Aushilfsjobs und kaum angekommen, muss Kenji auch feststellen, wie sich das Aufgabengebiet gestaltet: Er soll ihren perfekten Freund mimen, damit die 90-Jährige glücklich ist. Das vor der halben Hundertschaft der Großfamilie… muss natürlich auffliegen.

In der ersten Nacht bekommt er aufs Handy einen seltsamen Code. Denkend, es ist ein mathematisches Rätsel, löst Kenji es und schickt die Antwort an den Absender. Am nächsten Tag ist OZ, das größte soziale Netzwerk im Internet, plötzlich gehackt. Stellt sich raus, die Nachricht war dessen Source Code.

Dann kommt auch noch der vor 10 Jahren verschollene Onkel Natsukis zum Fest, der von einer Geliebten, statt einem ehrenvollen Familienmitglied abstammt. Und er ist ausgerechnet derjenige, der „Love Machine“, die AI, die gerade OZ hackt, erschaffen hat. Das kratzt natürlich an der Ehre der Großfamilie, die seit Generationen ihr Finger überall in Japan hat und das Kaiserhaus bei Kriegen unterstützte.

Und so beginnt der Krieg im Internet um die Widerherstellung OZs, während Love Machine mehr und mehr darin hängende Systeme lahm legt und letztendlich damit die ganze Welt bedroht.

Man merkt, dass Mamoru Hosada bevor er The Girl Who Leapt Through Time und Summer Wars erschuf, für Toei an den Digimon-Filmen gearbeitet hat. Zumindest erinnert die virtuelle Welt OZ doch stark an die digitale Welt der Viecher im Film. Und damit haben wir das Kontrastprogramm auch schon: Virtuelle Netzwerke gegen reale Großfamilie. Realistisches Landpanorama gegen kunterbunten Avatar-Vergnügungspark.

Bei The Girl Who Leapt Through Time meinte ich schon, dass man über den Zeitreise-Plottwist am besten nicht viel nach denkt und auch bei Paprika die Relation, die die Träume auf die echte Welt entwickeln, eher nicht hinterfragt. Genauso schaltet man das Hirn in Summer Wars am besten ab, wenn es um OZ geht. Das hier ist das Internet, wie sich Filme der 80er die Virtual Reality vorgestellt haben, eine rein fiktive Sache um die Handlung sich zuspitzen zu lassen, mit dem realen Internet hat das nicht viel zu tun. Das funktioniert so einfach nicht und wird es auch nie.

Aber nur weil es etwas realitätsfremd wirkt und keinen Sinn macht, bricht der Film an sich natürlich noch nicht zusammen. Dafür sind die vielen unterschiedlichen Charaktere der Großfamilie und ihr Zusammenspiel einfach viel zu sympathisch und herzig. Dazu ist OZ einfach ein viel zu guter Kontrast und Plot Device um Konflikt auszulösen. Es gibt viele Handlungsebenen in Summer Wars: Das Geschehen in OZ, die Ereignisse im Haus der Familie, die Romanze zwischen Natsuki und Kenji, das immer wieder eingeblendete Baseball-Spiel. Genug Abwechslung, um 2 Stunden zu füllen ist also da. Der Film hat Herz und Seele und das ist sowieso am Wichtigsten. Gerade in einer Zeit, wo ich mir von immer mehr desillusionierten Anime-Fans permanent anhören muss, dass überall nur noch uninteressanter, berechnender Moe-Brei und Otaku-Pandering läuft (na ja, der Nerd rettet schon die Welt und bekommt das Mädel…).

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