Anime Week – Paprika

Bereits nach seinem ersten Film Perfect Blue wollte Satoshi Kon den Roman Paprika verfilmen. Doch daraus wurde zunächst nichts und so schenkte er uns erst Mal Millennium Actress und Tokyo Godfathers auf der großen Leinwand und Paranoia Agent am kleinen Bildschirm, bis dann 2006 Paprika Wirklichkeit wurde – und gleichzeitig der letzte Film des 2010 verstorbenen Anime-Virtuosen.

Das DC Mini ist eine neue Art der Psychotherapie und noch experimentell: Mit ihm kann in die Träume der Patienten eingedrungen werden, um jene besser leiten und analysieren zu können. Die Dinger werden sogar aufgenommen, um sie sich nach dem Aufwachen erneut ansehen zu können. Atsuko ist eine der Beteiligten am Projekt und nutzt nebenbei das DC Mini im Geheimen als Paprika, um Leute zu therapieren.

Doch dann verschwindet einer der Beteiligten des Projektes zusammen mit den DC Minis und der Projektleiter hat plötzlich eine Wahnvorstellung, die ihn beinahe ins Grab befördert. Jemand missbraucht die DC Minis also, um Leute unfreiwillig in Träume zu locken.

Was nun beginnt ist ein sich langsam aber stetig entwickelnder Thriller darum, wer die DC Minis entwendet hat und wozu er sie missbrauchen will. Die Handlung ist dabei in ihrer Grundform relativ simpel, von ihrem Verlauf allerdings schon komplexer, geradezu verwirrend an Stellen. Eben weil die Grenze zwischen Realität und Traumwelt zunächst langsam und dann immer schneller zu bröckeln beginnt. Eine Sache, in der Satoshi Kon sowieso immer gut war, beides miteinander zu mixen.

Dazu kommen noch einige philosophische Fragen und Charaktertraumata, die man in den Film rein interpretieren kann, wenn man will und genau aufpasst, die aber auch schon wieder vorbei sind, wenn man nur mal an der falschen Stelle blinzelt, weil der Film sie nie wirklich breit behandelt, sondern lieber dem Zuschauer überlässt, ob er sich drauf versteifen will oder nicht. Und manchmal ist es vielleicht gar keine ganz so schlechte Idee, das Denken einzustellen und die Fahrt zu genießen, denn wirklich die Logik hinter allem jederzeit auseinander nehmen zu wollen.

Erzählt wird das alles in spektakulären Bildern, die stark zwischen nüchterner Realität und quietschbunter Traumilogik kontrastieren, visuell einige hübsche Dinge zu bieten hat, von der man eigentlich gern noch mehr hätte, als der Film einem zeigt. Es ist ein wenig wie bei Black Swan: Die Trailer lassen das Ding wesentlich abgedrehter wirken, als es wirklich ist.

Der gute Herr Kon mag uns nicht viele Werke hinterlassen haben, aber an Qualität und Diversität sind sie alle herausragend. Zumindest seine Filme, Paranoia Agent habe ich ehrlich gesagt bisher noch nicht gesehen, auch wenn es zu jenen gehört, die ich mir schon ewig zu sehen vor nehme.

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Ein Kommentar

  1. Ein echt wunderschöner Film, den ich mir immer wieder ansehen kann. Das Titel-Theme spielte stellenweise in Dauerschleife in meiner Musikbox.^^

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