Scream: Part Un

Mensch, ist es schon 15 Jahre her, dass der erste Scream raus kam? Man, da fühlt man sich ja mal so richtig schön alt. Die von Horror-Urgestein Wes Craven produzierte Serie war immerhin das große Ding in den späten 90ern, hat nicht nur dem (Teen-)Slasher wieder enorme Popularität geschafft, bis die J-Horror-Welle 5 oder so Jahre später das wieder ablöste, sondern Horrorfilme allgemein wieder Leinwandtauglich gemacht. Schaun wir sie uns doch mal wieder an, wie wär’s.

Scream beginnt mit einem Knall und eigentlich der atmosphärischsten und besten Szene des Filmes: Drew Barrymore allein daheim, setzt sich Popcorn für einen Filmabend mit dem Freund auf und bekommt einen seltsamen Anruf. Zuerst noch mit dem charmanten Angeblich-Verwähler flirtend, wird das Gespräch immer unkomfortabler, bis sie merkt, dass er sie beobachtet und er sein „Horrorfilm“-Quiz startet, bei dem es um ihr Leben geht. Eine spannende Jagd durch Haus und Garten später ist sie tot, genau in dem Moment erstochen, als die rettenden Eltern sich dem Hause bereits näherten.

Und dann beginnt der eigentliche Film um Sidney, deren Mutter vor einem Jahr vergewaltigt und ermordet wurde und deren Freund seither für einen Teenager überraschend verständnisvoll ist, was die Kein-Sex-Regel angeht. Die Mordserie weitet sich aus, Sidney wird mehrmals angegriffen, und alles hängt natürlich mit ihrer Mutter zusammen.

Scream ist ein Whodunnit-Plot, beim ersten Schauen ist man voll davon eingenommen, zu rätseln, wer der Mörder sein könnte. Solche Filme haben dann beim erneuten Ansehen häufig das Problem, dass viel Interesse verpufft, da man es ja schon weiß. Scream erneut zu schauen hat mir dennoch sehr gut gefallen, weil es ein echt cleverer und gut gemachter Film ist. Er ist spannend und kurzweilig, hat weitestgehend gute Charakterisierung (Matthew Lillards super nerviger Charakter mal ausgenommen) und genug Verfolgungs-/Ermodrungsszenen, um bei Laune zu halten. Zudem auch ein paar kleine versteckte Hinweise auf die Mörder, die man nicht wirklich wahr nimmt, wenn man ihre Identität noch nicht kennt, aber dann freudig entdeckt, wenn man ihn erneut schaut. Nicht zu vergessen den bekanntesten Aspekt der Serie: Obwohl weitestgehend ernst, nimmt er sein Genre mit einen Wink. Er zitiert die Regeln und Klischees typischer Horrorfilme, er nutzt sie, er bricht sie. Wenn sich die Kids auf der Party darüber unterhalten, dass nur Jungfrauen, die nichts trinken, die Filme überleben und Sidney ein Stockwerk drüber endlich ihren Billy ran lässt. Wenn im Film, den die Kids sich ansehen der obligatorische Tit-Flash kommt, Sidney ihn uns allerdings trotz frontal zur Kamera verwehrt, da der Rücken von Billy im Weg ist, nur um uns in der nächsten Szene bei Tatum in der kalten Garage die Nippel durch den Pulli stehen zu sehen. Scream spielt geschickt mit den Genrekonventionen.

Scream 2, ein Jahr nach dem Erfolg des Vorgängers hinterher geschoben, spielt allerdings ein paar Jahre später. Die Überlebenden gehen aufs College, Gale hat ihr Buch über die Mordserie geschrieben, welches jetzt sogar als Stab verfilmt wurde. Kaum läuft der in den Kinos an, bricht eine neue Mordserie am Campus von Sidney aus. Selbstverständlich ist das nicht einfach nur ein Nachahmer, sondern erneut ein Zusammenhang zu den Ereignissen aus dem Vorfilm zu finden.

Scream 2 ist mehr vom Gleichen. Was immer so ein wenig abwertend klingt, aber so ist es nun mal. Es ist ein wirklich gut gemachter und gut geschriebener Slasher, spannend rüber gebracht, aber die Novität des Vorgängers ist halt nicht mehr so ganz da. Er hat auch durchaus viele clevere Ideen. Beispielsweise spielt er viel mit den Erwartungen, die man durch das Wissen des Vorgängers hat. Wenn Sidneys neuester Freund dem Mörder einfach ins Haus hinterher läuft, welche Mensch ist schon so dumm?, und dann auch nur mit einer Schnittwunde davon kommt… ja, da trauen wir ihm sofort gleich ein bisschen weniger. Außerdem sehen wir immer wieder mal eine kurze Szene aus dem fiktiven Film Stab, die Szenen aus dem vorigen Film nachempfunden sind, allerdings mit den typischen Horrorklischees angereichert sind, die der vorige weitestgehend zu umgehen versucht hat. Jepp, gut unterhalten tut Scream 2 definitiv ebenso, auch wenn die Endauflösung etwas forciert wirkt.

Was an den Screams auch interessant ist, ist wie viele mehr oder weniger bekannte Schauspieler in ihnen zu finden sind. Das war immerhin bis zu dieser Serie ein No-Go, wenn du bereits einen Namen hattest, dann hast du dich nicht für Horrorfilme hergegeben. Die Sache ist allerdings die, das die meisten Schauspieler zum Zeitpunkt von Scream noch nicht ganz so bekannt waren, das Novum eher ist, dass sie nach dem Erfolg auch in den Sequels zu sehen sind, statt schnell aus dem Genre auszusteigen aus Angst, nur noch dafür getypecastet zu werden. Macht auf jeden Fall Spaß, all die bekannten Gesichter zu sehen. Eine Drew Barrymore, die nach einer Karriere als Kinderstar und dem folgenden Suchtabsturz zurück auf die Leinwand kommt; eine Neve Campbell, die höchstens aus Party of Five bekannt war; Courtney Cox nur durch Friends; Rose McGowan noch vor Charmed; Portia de Rossi noch vor Ally McBeal; Sarah Michelle Gellar, die sich gerade die Füße mit der ersten Buffy-Staffel nass gemacht hatte; und so einige mehr.

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Ein Kommentar

  1. „…auch wenn die Endauflösung etwas forciert wirkt.“
    Ich hatte das mal in nem Deutschaufsatz angestrichen bekommen, da das Wort nicht mehr anders gebraucht werden sollte als im konnotierten…^^
    Ich weiß nicht, ich fand die Scream-Serie doof. Genau wie 90% der Teenie-Horrorfilme die nach gleichem Schema ablaufen. (Aus irgendeinem Grund fand ich Düstere Legenden (1) aber besser… hm…)

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