Dracula on Celluloid

Es gibt so einige Dracula-Filme, man kann bestimmt ein halbes Leben damit verbringen, sich durch alle durchschauen zu wollen. Also tun wir das nicht. Wir schauen nur zwei: Den ersten und den besten. Gut, genau genommen ist die erste Dracula-Verfilmung Nosferatu, den ich letztes Jahr gesehen habe, doch meine ich hier damit den ersten Film, der auch den Namen trägt/offiziell die Rechte an der Verfilmung hatte.

Die 1931er-Version kommt dabei rüber, wie die Kurzfassung, muss doch die ganze Schoße in 70 Minuten über die Bühne gebracht werden. Apropos Bühne: Er basiert nicht wirklich direkt auf dem Roman, sondern über zwei Ecken auf einem Bühnenstück, das auf dem Buch basiert. Es ist also die geänderte Kurzfassung der geänderten Kurzfassung. Änderungen beinhalten unter anderem, dass es hier Renfield ist, der Dracula in Transsylvanien besucht und nach London verschifft, statt Jonathan Harker. In Berührung mit Mina kommt er, da diese hier zur Tochter des Dr. Seward gemacht wurde, der ja die Irrenanstalt (in der auch Renfield eingewiesen wird) neben dem neuen Anwesen Draculas betreut.

Lucy ist hier nur eine Fußnote, damit schon gut ein Drittel der Handlung entschlackt. Eine große Jagd und Spurensuche nach dem Grafen gibt es auch nicht, er schaut sogar gern mal zu Besuch bei unseren Leuten vorbei. Wölfe wird man nicht sehen, Ratten auch nicht, die Verwandlungen Draculas sind off screen und das Finale findet auch nicht in Transsylvanien statt. Was übrig bleibt ist also nur das lose Grundgerüst des Buches, welches sich mit voranschreitender Spielzeit mehr und mehr von der Vorlage entfernt.

Das Problem des Filmes ist dabei nicht, dass so viel anders ist, sondern dass er so kurz ist. Es fehlt so viel, viele der interessantesten Szenen sind nicht oder nicht spektakulär genug im Film und wurden auch nicht mit viel ersetzt. Wikipedia meint, der Film hätte ursprünglich anders werden sollen und ist dann wegen Budgetkürzungen um seine zu teuren Szenen gebracht worden. Das würde das erklären, aber wie gesagt werden diese Szenen häufig auch nicht adäquat ersetzt. Der Film ist einfach zu schnell durch und verläuft zu holprig.

Was nicht bedeutet, dass er restlos schlecht ist. Er ist ganz nett und auch irgendwie ganz witzig, wenn auch nicht gewollt. Gerade Bela Lugosi als Dracula ist hervorragend, auch wenn er permanent das macht, was man als „chewing the scenery“ bezeichnet. Jeder Blick und jede Geste ist so unglaublich dramatisch, aber es funktioniert. Dass die Stummfilm-Ära auch noch nicht lang rum war, merkt man dem Film ebenfalls an, es gibt viele überraschend statische Shots, die typisch für jene wären, aber auch einige sehr atmosphärische, stille Szenerien.

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