Tangled

Was war eigentlich Disneys letztes klassisches Prinzessinenmärchen? Sleeping Beauty? Ich mein, Arielle ist eine Prinzessin, aber Die kleine Meerjungfrau keine der großen Prinzessinenfabeln. Fürs 50. Animated Feature hat man sich zumindest wieder einem angenommen, diesmal der Geschichte von Rapunzel, auch wenn der US-Titel auf dortige Aussprachfeundlichkeit geändert wurde :D

Wie das bei Disney desöfteren üblich ist, hat das Ergebnis sowieso nicht mehr unbedingt so ganz viel mit dem Ausgangsmaterial zu tun, abgesehen von den Grundpfeilern. Ist ja auch nicht weiter schlimm. Es gibt eine Pflanze im Königreich, die Wunden heilen kann, doch die böse Gothel hält sie versteckt, weil sie sie nutzt, ihre Jugend zu erhalten. Dann wird die schwangere Königin krank, die Blume gesucht und gefunden und für ihre Heilung genutzt. Die Verjüngungsplfanze ist also weg, doch das Baby hat nun magisches Haar mit der gleichen Wirkung. Also stielt Gothel die kleine Rapunzel aus der Wiege und zieht sie als ihr eigen in einem versteckten Turm auf.

Mit 18 ist so ein Mädel allerdings nun mal in der rebellischen Phase und will die Ausenwelt sehen. Auf ihrer kleinen Abenteuerreise steht ihr Rider zu Seite, der das Königspaar bestohlen hat und ihr dann in die Arme lief. Gothel versucht sie zurück zu holen, die beiden verlieben sich ineinander und zum Schluss verliert Rapunzel ihr magisches Haar, gewinnt dafür ihre Thronfolge zurück.

Ganz so große Erwartungen hatte ich an Tangled gar nicht. Ein CGI-Streifen von Disney, der nicht von Pixar stammt? Kann ganz nett werden, aber wird sicher kein Reißer. Um so überraschter war ich letztendlich, wie sehr mir der Film gefallen hat. Denn er hat schlichtweg alles. Humor ist natürlich ordentlich drin, viele clevere Sprüche, natürlich nicht ganz so bissig wie ein Dreamworks-Film, sondern etwas braver, aber doch wirklich witzig und unterhaltsam, die Dialoge. Die Charaktere sind sympathisch, selbst das Sidekick-Chamäleon und vor allem der weiße Schimmel. Die Romanze zwischen den beiden Hauptakteuren ist nicht zu kitischig, Action gibt es aber dennoch jede Menge, die Bilder sind rasant und trotzdem hübsch. Selbst die Gesangseinlagen, wenn auch keine Oscar-verdächtigen Nummern, sind eingängig und nerven nicht.

Und eben trotz des ganzen Humors und rasanten Abenteuers weiß der Film auch, wann er mal leise sein darf. Eine meiner Lieblingsszenen ist beispielsweise mit dem Königspaar, die glaub ich im ganzen Film sowieso nicht ein Wort sagen. Jedes Jahr zu Rapunzels Geburtstag lassen sie eine Laterne in den Himmel steigen und die ganze Stadt macht mit, für den Fall, dass sie es vielleicht doch sieht und nach Hause findet. Die Hunderte an in die Nacht aufsteigenden Lampions ist sowieso eine wunderhübsche Szene, doch viel mehr beeindruckt hat mich die direkt davor. Es sind ja nun schon 18 Jahre. In der besagten Szene bereiten sich König und Königin seelisch darauf vor, erneut die Laterne fliegen zu lassen. Eigentlich ist nicht mehr mit einer Rückkehr nach all der Zeit zu rechnen und die beiden wissen das, können den Versuch dennoch nicht aufgeben. Es ist ein jährliches, tieftrauriges Ereignis für die beiden. Und diese kurze, komplett ohne Worte auskommende, Szene zeigt dies in einer Herzlichkeit… einfach wunderbar umgesetzt.

Also ja, Tangled hat einfach alles, so sehr es mit Action, Witz und flotten Sprüchen auf die Pauke hauen kann, weiß es auch wann Ruhe und Romantik ihren Platz brauchen und bindet das alles in ein echt super unterhaltsames Gesamtpacket. Für mich ist der Film schon jetzt ein großer Disney, der den alten klassischen Animationsfilmen in nichts nach steht. Einige sogar übertrifft, da er weder so steif wie die alten Prinzessinenmärchen ist, aber dennoch mehr Herzlichkeit als einige der Abenteuergeschichten ausstrahlt.

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2 Kommentare

  1. Find ich spannend, denn gerade als ich den Trailer sah, vermutete ich eine Klamaukkomödie. Wenn er wirklich so gut ist, sollte ich tatsächlich doch mal einen Blick riskieren.

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  2. Nachdem ich bei Drachenzähmen leicht gemacht über den Lieblingsanimationsfilm im Computerbereich von einer anderen Person gesprochen habe, werde ich hier wohl auf meinen persönlichen Liebling zu sprechen kommen. Jepp, das ist Rapunzel, der sogar in meinen Augen die Pixar-Werke übertrifft.
    Wie iki wurde ich anfangs von den Trailern abgeschreckt, doch nach einiger Recherche fand ich heraus, dass das Wesen des Films zum Glück anders ist.
    Neben den Punkten, die du angesprochen hast, finde ich auch die Gestaltung des Films außerordentlich gut. Dieses leicht verwaschene Design mit den an die Szenen entsprechend angepassten Farbgebungen. Herrlich.^^
    Es ist auch der einzige Film, der es mit dem Charme eines gezeichneten Film aufnehmen kann, denn obwohl es computeranimiert ist, hat es doch irgendwie die Vorteile beider Medien. Ein vollkommen gelungener Hybrid sozusagen. Ich weiß nicht – kann es nur sehr schwer erklären. ^^‘

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