Vampire Chronicles – Armand

So, Lestat liegt nach den Ereignissen in Memnoch also im Koma und Armand hat sich ins Feuer begeben. Doch wie wir hier erfahren, all dies überlebt, er kommt geleutert wieder in die Welt und erzählt uns erstmal seine Lebensgeschichte, wie üblich also.

Der christliche russische Fanatiker, der an ein Bordell verkauft und dann von Urgesteinvampir Marius ins dekadente Leben zur Zeit der Republik Venedig gebracht und erzogen wird. Beim ersten Lesen fand ich das Buch ehrlich gesagt etwas langweilig, diesmal hat es mir ein ganzes Stück besser gefallen. Es ist nicht Anne Rices bestes Buch, aber eines der besseren der 90er. Das ausschweifende Leben der Renaissance, die schwüle Atmosphäre, die sexuellen Experimente, prachtvolle Kleidung. Anne Rice ist hier zu Hause. Grausige Szenen gibt es nicht ganz so viele, nur hier und da mal, dafür ist es das sexieste Buch der Reihe. Schwülstig-intensiv schreiben kann die gute Frau ja, wenn man einem solchen Schreibstil denn was abgewinnen kann. Netterweise hält sich das Buch auch in den Stellen schön kurz, die schon bekannt sind. Also das Leben nach Marius, im Orden in Paris – kennen wir schon dank Lestat und Louis. Der Vollständigkeithalber ist’s drin, damit neue Leser nicht im Regen stehen müssen, doch ausgebreitet wird es nicht mehr großartig. Das ist ja immer das Problem, wenn man so spät erst die Biographie eines Charakters schreibt, der schon in so vielen früheren Geschichten dabei war: Redundanz.

Allerdings merkt man mittlerweile hier und da die Probleme, die zumindest ich mit den neueren Vampirchroniken habe: Anne Rice liebt die großen Paukenschläge. Gegen Ende passiert immer was superdramatisches, das dann in späteren Büchern revidiert wird. Und es gibt Hints für weitere Plots, die dann nie kommen. Armand ist also wiedergeboren und bereit für neue Taten, doch wir werden ihn in den nächsten Büchern nicht mehr erleben. Zwei neue Vampire sind geschaffen, von denen wir nie wieder was lesen werden. Es gibt Hinweise, dass es noch mehrere interessante Uralte gibt, deren Leben mal erzählt werden könnte, die dann aber nie geschrieben wurden. Am Ende von Memnoch bringt Lestat das Schweißtuch der Veronika mit und alles fällt in religiöse Hysterie, doch hier ist das alles schon nicht mehr relevant, der Vatikan hält es unter Verschluss und alle sind wieder normal.

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: