Lonesome Cowboy

Ich habe mich jetzt heran gewagt und Brokeback Mountain geschaut. Hatte ja etwas Angst davor, da gelinde gesagt die meisten Filme mit „schwuler Thematik“ ziemlich langweilig sind. Es ist halt ein sicheres Geschäft, da das Klientel die Dinger schon allein aus Solidarität kauft, besser mäßige Filme über Schwule, statt gar keine mehr. Es gibt ein paar ganz gute, doch als Teenager hab ich davon reichlich gesehen und der Gros ist echt nicht so toll. Brokeback Mountain ist natürlich eine andere Geschichte, als groß gefeierter Mainstream-Blockbuster, kein Independent- oder TV-Film, der hauptsächlich Schwule ansprechen will.

Viel besser ist er leider dennoch nicht.

Zwei Cowboys hüten Schafe auf Brokeback Mountain. Und wenn man Monatelang in der Ödnis verschollen ist, müssen Bedürfnisse nun mal gestillt werden – bevor man ein Schaf fickt, dann doch lieber sich vom Kumpel aushelfen lassen. Natürlich ist der Hütejob irgendwann zu Ende, die beiden müssen sich trennen, heiraten, bekommen Kinder. 4 Jahre später treffen sie sich wieder, werden rollig und verabreden sich nun alle paar Monate auf einen „Angeltripp“. Scheidung, dennoch die Angst vorm Zusammenleben, da es ja die 60er sind und zwei Cowboys, die ihr Leben miteinander verbringen, lassen Hinterwäldler schnell dem ein Ende setzen wollen. Also doch kein Home Sweet Home zusammen, stattdessen der Tod des einen (für ein Happy End wäre sich Brokeback Mountain sowieso viel zu wichtig, das die Sache nicht gut ausgehen wird, weiß man von Anfang an) und das Zurückbleiben des anderen.

Brokeback Mountain nicht zu mögen darf man eigentlich fast nicht. Nur warum nicht? Wegen der Thematik? So mutig und besonders ist der Film nun wirklich nicht. Queer as Folk flimmerte schon 5 Jahre früher über US-Bildschirme. Aber er ist halt so schrecklich ernst, überwirft sich in seiner eigenen Tragik. Mag mich oder du bist zu dumm, nicht feinsinnig genug, um mich zu würdigen. Mag mich oder du hast ein Problem mit Schwulen. Und dann spielt auch noch Heathe Ledger mit, seit dessen Tod man ja auch keinen seiner Filme plötzlich mehr nicht mögen darf.

Denn mal einfach so genommen hat Brokeback Mountain definitiv ein paar sehr schöne Szenen, dazwischen aber jede Menge tote Luft, über die selbst die schönen Landschaftsaufnahmen nicht hinweg helfen wollen. Von den über 2 Stunden sind vielleicht 30-45 Minuten interessant gewesen, der rest plätschert vor sich her.

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3 Kommentare

  1. Fand ich auch ziemlich öd und langweilig. Gerade der Anfang, der ja auf dieser Kurzgeschichte basiert. Danach gings eigentlich, v.a. die Backgroundstory mit Michelle Williams hat mir gefallen, aber auf die steh ich sowieso total.

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  2. Na toll. Da wollte ich mich einmal solidar zeigen und mir so nen Film halt doch mal ansehen und du verleidest mir ihn… naja, wie schon an anderer Stelle erwähnt: Wenn du tatsächlich mal nen GUTEN Schwulenfilm findest, gib Bescheid…

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  3. Ich habe den Film auf DVD. Was nicht viel heißt, denn ich kaufe mir ab und zu Filme, die mir nicht bekannt sind, aber schon viel gutes drüber gehört habe. Nun, wie bei District 9 wurde auch dieser hochgehypte Film nicht meinen Erwartungen gerecht. Manchmal habe ich vor Langeweile gestoppt, um mir irgendein Video auf YouTube anzusehen. Nebenbei habe ich dann noch FF3 gespielt, um die Ödnis zu überwinden. Alles, nur damit ich mich nicht vor Langeweile erschießen muss.
    Hinzu kommt, dass die Dramaturgie nicht richtig greifen konnte. Das führte dazu, dass man nicht mit den Charakteren mitfühlte, was für ein Film dieser Art ein KO-Kriterium ist.

    Überflüssigerweise ging mir auch die ganze Zeit der blonde Cowboy (Name vergessen – jedenfalls der, der am Ende überlebt) tierisch auf den Keks. Mag sein, dass das von persönlichen Erfahrungen meinerseits geprägt ist, aber Personen, die Genderklischees für das Größte halten (Mann darf nicht weinen, Mann muss stark sein, Mann muss prügeln, bla bla), sind absolute Ar… Hinternöffnungen.
    Schön waren allerdings die Landschaftsaufnahmen. Das muss man dem Film lassen.

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