To know death, Otto, you have to fuck life in the gallbladder!

Andy Warhol’s Frankenstein/Flesh for Frankenstein ist ein extreme seltsamer Film. Künstlerisch, avantgardistisch, und mit vielen sozialen Untertönen? Vielleicht. Es ist immer einfach, einen extremen und unklaren Film zu machen, irgendjemand wird schon große Kunst rein interpretieren. Ich hingegen fand die ein oder zwei Warhol-Filme, die ich bisher gesehen habe, als eher einschläfernd, ich Kulturbanause ich.

Das Leitthema von Flesh for Frankenstein ist Sexualität, nicht gerade ungewöhnlich für Warhol, und nackte Haut kommt immer schnell aus Kunst durch, solange kein Hardcore stattfindet. Sowas schaut sich ja keiner zur Belustigung an, sondern aus künstlerischem Interesse. Die Familie Frankenstein zeigt nach außen hin extreme Prüderie und verdammt die ganzen Verlustigungen, denen die Diener im Gebüsch so nachgehen. In Wahrheit ist die Baronin allerdings nur maßlos unbefriedigt und treibt es gerne mal mit einem Zuchthengst aus der männlichen Dienerschaft. Der gute Dr. Frankenstein hingegen ist nur lebenden Frauen extrem abgeneigt, da er ein Fall von Nekrophilie ist. Sein Assistent übrigens auch. Zudem sind die beiden Frankensteins nicht nur ein Ehepaar, sondern auch Geschwister – mit Nachwuchs.

Wenn der Doc nicht damit beschäftigt ist, in die geöffnete Bauchdecke einer Frauenleiche zu stoßen, hat er allerdings noch den üblichen Plan, über das Zusammensetzen von Leichenteilen ein perfektes Paar zu schaffen, die nur auf ihn hören und eine neue Superrasse auf die Menschheit loszulassen. Leider geht ihm bei der Kopfbeschaffung des männlichen Exemplars was schief: Er schnappt sich einen Schönling, der aus einem Bordell kommt, annehmend, dieser Kopf enthält den nötigen sexuellen Appetit. Was er nicht weiß ist, dass jener keinerlei Interesse an Frauen hat und Mönch werden will, sein Freund hat ihn nur mitgenommen, damit er sieht, was er verpasst. Und besagter Freund wird natürlich der Zuchthengst der Baronin. Einiges hin und her und dann noch mehr und alle sind erledigt, bis auf besagten Freund. Und die Kinder, die statt ihn zu befreien, nun selbst mal ein wenig experimentieren wollen.

Klingt mehr oder weniger nach einer Mordsgaudi, oder? Ich fand es allerdings erneut ein wenig träge. Es gibt Hightlights, nämlich die Trash-Faktoren des Filmes. Jeder Charakter ist schamlos am mies schauspielern. Warhols Liebling Joe Dallesandro, den er gerne als Hauptrolle/Held in seinen Filmen einsetzt, hat sowieso schon immer bewiesen, dass er ein sehr gutaussehender Mann ist, aber nicht einen Funken Schauspielern kann. Es hilft nicht, dass seine tonlose Stimme und leerer Blick ihn auch immer wirken lassen, als hätte er nicht eine Gehirnzelle im hübschen Köpfchen. Der Rest des Casts, Schönlings-Charakter Frankenstein’s Male Monster mal ausgenommen, sind hingegen eher am Overacting, was da schon wesentlich häufiger einen Schmunzler zaubert. Gerade Udo Kier und sein Assistent, die im englischen O-Ton den deutschesten Akzent haben, den ein Klischeedeutscher nur bringen kann. Nicht zu vergessen die hier und dort aufkommenden dämlichen Dialoge, von denen das Highlight auch direkt als mein Titel herhalten durfte. Der Rest ist viel nackte Haut, viel Prüderie-Gelaber und hin und wieder ein wenig Splatter. Ich fand es mäßig unterhaltsam.

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Ein Kommentar

  1. Auch zum Thema Nekrophilie fällt mir die passende MoH-Folge ein.^^

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