Queen of the Damned

Fast 10 Jahre hat es gedauert, bis nach Interview mit einem Vampir auch Königin der Verdammten verfilmt wurde. Doch halt, das überspringt ja ein Buch! Und dann auch noch, wo Königin der Verdammten keine alleinstehende Geschichte ist, sondern die Ereignisse aus Fürst der Finsternis die nötigen Grundlagen legen. Nun gut, der Film trägt zwar den Titel des dritten Buches, aber Teile aus dem zweiten sind natürlich auch mit drin. 2 Bücher von je fast 600 Seiten in 100 Minuten Film gepackt… und das als Schnellschuss, bevor das Studio die Rechte an der Verfilmung verliert. Goodies! Das kann ja nur toll werden.

Über tausend Seiten bekommst du nicht in 100 Minuten Film, selbst Interview mit einem Vampir musste gewisse Abstriche machen und da waren es keine 300 Seiten, die verfilmt gehörten. Das bedeutet natürlich es fallen Dinge raus. Und andere Dinge sind geändert, um filmisch besser zu wirken und damit es trotz Wegfall anderer Dinge noch funktioniert. So die Theorie, die bei jeder Buchverfilmung nun mal Anwendung findet. In der Realität hat der Film mit den Büchern überhaupt nichts mehr zu tun. Und funktioniert auch nicht, macht kaum einen Sinn.

Klar, das Grundskelett der Geschichte ist das gleiche. Will man das Buch aufs möglichst Minimalste runterbrechen (kennt das noch jemand aus der Schule? Gebe Inhaltsangabe von Buch XY, aber maximal in Z Sätzen?) wäre das in etwa: Vampir-Rebell Lestat wird zum Rockstar, verbreitet über die Songtexte Vampirgeheimnisse und weckt die uralte Akascha, den Ursprung der Vampire, auf. Die nimmt sich ihn als Gefährten und tötet, bis sie selbst zur Strecke gebracht wird. Und mehr ist im Film dann auch nicht wie im Buch, der Rest ist komplett anders.

Und nicht nur Kleinigkeiten. Marius macht Lestat zum Vampir? Damit könnte ich leben. Aber der Film lässt die ganze Legende um den Vampirurquell und die Zwillinge raus. Der wichtigste Teil im Buch schlechthin. Die Zwillinge gibt es hier noch nicht mal, nur Maharet. Dafür erfindet der Film dann plötzlich auch noch neue Sachen. Im Buch ist die Problematik mit dem Ausschalten Akaschas, dass damit, da sie der Urquell des Vampirblutes ist, alle anderen Vampire auch umkommen. Macht soweit eigentlich Sinn. Der Film lässt das fallen und erfindet stattdessen einen Blödsinn darüber, dass derjenige, der Akascha das letzte bisschen Blut aussaugt (hier angeblich die einzige Tötungsmethode), selbst stirbt. Unnötige Änderung und auch noch zum Schlechteren. Und warum ist Jesse so geil darauf, ein Vampir zu werden? Im Buch ist sie mit ihrem Menschendasein zufrieden und wenn der Film schon so was erfindet, könnte er wenigstens eine Erklärung abgeben, warum sie so Emo ist.

Wie gesagt, was übrig geblieben ist, ist eine Hülle, die absolute Grundstruktur der Geschichte, ohne mit dem angefüllt zu sein, was sie überhaupt gut machte. Und obendrauf noch Änderungen, die unnötig und nicht zum Besseren sind. Und das Endprodukt ergibt dann auch wenig Sinn als Gesamtheit, selbst losgelöst von der Vorlage. Ich hatte Königin der Verdammten eigentlich nur als mittelmäßig in Erinnerung, bei weitem nicht gut, aber auch nicht so schlecht, wie viele ihn darstellen… aber meine Güte, der ist ja doch so scheiße!

Das einzig Gute am Film sind die Musikvideos von Lestats Band. Gesungen von Marilyn Manson, Linking Park und Co. und teilweise aufgezogen wie alte S/W-Horrorfilme. Die machen Laune, die sind toll. Leider ist der Rest des Filmes nicht so Stilsicher. Genau genommen sieht er eher wie ein Direct-to-DVD-Filmchen aus, kein Kinoblockbuster. Gerade die Vampireffekte kommen extrem billig rüber, erinnern mich an die Dune-TV-Miniserien.

Und die Moral von der Geschichte? Überlege dir immer gut, für welche Filme du Rollen annimmst. Könnte immer passieren, dass du kurz darauf einen Unfall hast und du willst doch nicht, dass so was wie Königin der Verdammten der letzte Film war, in dem du zu sehen bist.

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2 Kommentare

  1. Wohobei: Der Film war zwar mies, aber Akasha (oder wie die Tante heißt) hat ganz schön mein Blut in Wallung gebracht.

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