Vampire Chronicles – Queen

Ich muss mir wirklich abgewöhnen, die Bücher so kurz vor knapp zu lesen xD Wer mitzählen kann, bzw. weiß, der wievielte Monat gerade so noch ist, sollte also auch wissen, dass wir nun beim dritten Buch angelangt sind: Königin der Verdammten.

Fürst der Finsternis endete mit einem Cliffhanger und genau da setzt Königin der Verdammten an. Mehr oder weniger, vorerst springt das Buch ein wenig in der Zeit zurück, um zu zeigen, wie sich die Situation erst so zuspitzen konnte. Denn entgegen Interview und Fürst ist Königin nicht wie eine Autobiographie, auch wenn die Teile mit Lestat durchaus weiterhin aus dessen Sicht geschrieben sind, sondern springt fröhlich zwischen den verschiedenen Charakteren hin und her. Muss das Buch auch, denn es passiert viel und das an vielen Orten, da kann Lestat einfach nicht überall mitgemischt haben.

Überhaupt ist Lestat als Charakter, Anne Rices geliebter Rockstar, der sich gegen Gott und die Welt auflehnt, mit seinen in die Welt hinausgeschriehenen Wahrheiten einen Krieg anzetteln will, der Rebell schlechthin ist, eine sehr passive Rolle im Geschehen. Zunächst, weil das Buch halt behandelt, was die anderen Vampire getan haben, während Lestats Schilderungen gen Ende vom Fürst, und dann, weil er von Akascha klein gehalten wird. Die wichtigsten Figuren in Königin sind Frauen: Natürlich Vampirurquell Akascha, und dann noch die Zwillinge, deren Legende hier zuerst auftaucht und Anne Rices Vampirmythos aus alten Zeiten, als in Ägypten noch keine Steinmonumente standen, eine zusätzliche Nuance geben.

Auch sehr feministisch Akaschas großer Plan. Zuerst tötet sie fast die ganze Vampirbrut, bis auf eine Hand voll Auswerählter. Aber dann macht sie sich auf, als Göttin auftretend die Frauen verzaubern zu wollen, aus der Knechtschaft der Männern zu befreien. Ihr Plan ist simpel: Männer sind zu aggressiv. Männer morden, vergewaltigen und zetteln Kriege an. Also muss die Welt eine Welt der pazifistischeren Frauen werden. Alle Männer umbringen, nur einen von hundert verschonen. Radikal-feministischer Grundgedanke auf die Spitze getrieben, eine Karrikatur seiner selbst. Um Krieg und Gewalt zu beenden, die Hälfte des Menschenvolkes brutal abschlachten, Neugeborene, wenn sie männlich sind, sofort erschlagen. Natürlich ist der Gedanke irrsinnig, Akascha ein Musterbeispiel auch weiblicher Blutrünstigkeit. Natürlich kann es nicht funktionieren, aber als Spiel mit einem Extremgedanken und dessen Demontage durchaus interessant.

Lestat, als Mann, als Geliebter aber zunächst auch Sklave Akashas ist da beinahe schon unwichtig. Sie gibt ihm ihr Blut, er bekommt unermässliche Kräfte, aber letztendlich tut er kaum etwas. Seiner Rebellion, seinem Kriegsschrei wird kaum Glauben geschenkt. Die Menschen halten es für Fiktion. Die alten Vampire kümmert es nicht, nur die jungen, einfach zu besiegenden, greifen ihn an. Und werden von Akasha unverzüglich im Dutzend erledigt. Stattdessen hat der Rockstar eben etwas ganz anderes wachgerüttelt, nämlich Akasha, die Königin der Verdammten. Und das ist viel größer und schlimmer, als er es sich hätte denken können. Es geht um die Jahrtausendalte Auseinandersetzung zwischen ihr und den Zwillingen, um den letzten Kampf, wer nun gewinnt.

Königin der Verdammten ist super, der absolute Höhepunkt der Vampirchronik. Kann man schon fast wieder „leider“ sagen, denn da kommen ja noch 7 weitere Bücher, keines davon kommt an das dritte heran. Interview ist Louis Biografie, auf sich relativ alleinstehend. Fürst dann die Biografie von Lestat, dem missverstandenen Charakter aus Interview, aber eben auch der Anfang einer größeren Geschichte, die Einführung des Mythos. Königin ist der große Paukenschlag, der dies schon wieder beendet. Der Mythos wird ausgebaut, die bisher bekannten Vampire kommen alle zusammen, die große Katastrophe steht bevor, scheint alles zu überrollen und muss abgewendet werden. Und gegen Ende? Die Überlebenden lecken sich die Wunden, gründen einen neuen Orden, unter Regeln, die weitere Bücher eigentlich verhindern würden, würde sich Rebell Lestat daran halten. Lestat und Louis sind wieder vereint, sie besuchen sogar Louis‘ Grab – mit ihm ging es im ersten Buch los, hier steht er am Ende an seinem Grab. Ein fulminanter Abschluss wäre dieses Buch gewesen.

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