Vampire Chronicles – Lestat

Gerade so im Monat noch geschafft xD Fast 10 Jahre hat es gedauert, bis Anne Rice nach Gespräch mit einem Vampir dann doch nach legte und im Fürst der Finsternis nun ihren neuen Liebling Lestat seine Biografie erzählen lässt.

Dieser ist hier eine ganze Ecke anders, als wir ihn im Vorgänger kennengelernt haben. Erklärt wird das dadurch, dass Louis nun mal ein anderes Bild von ihm hatte, als er selbst. Kann man schlucken, immerhin ist so ziemlich alles subjektiv von der eigenen Wahrnehmung geprägt. Letztendlich ist Lestat eben doch kein so fieser und oberflächlicher Lebemann. Impulsiv und aufbrausend ist er immer noch, was ihn zu einem erfrischenden Gegenstück zu Louis im Vorgänger macht, der ja doch sehr melancholisch ist. Lestat hingegen hat – zumindest meist – viel mehr Spaß am Leben und auch am Leben nach dem Tod, wenn auch er eine gewisse Grundschuld am Vampirdasein mit sich führt und unter den diversen Schicksalsschlägen zu lange leiden hat. Doch er zieht sich da immer wieder raus.

Das Buch, obwohl doppelt so lang wie Gespräch, ist übrigens immer noch schön bündig geschrieben, statt allzu ausschweifend zu werden. Neben Lestats Leben über die Jahrhunderte, werden so beispielsweise auch die Biografien von Armand und Marius angesprochen und natürlich in zweiterer hier die Entstehungsgeschichte der Vampire aufgedeckt. Gespräch war ein kleiner, kompakter Vampirroman, bei dem es hauptsächlich um das Leben eines Vertreters ging, beim Fürst der Finsternis geht es zuallererst natürlich auch hauptsächlich um Lestat, doch baut Anne Rice hier nun ihren größeren Mythos auf. Inklusive Cliffhanger-Ende, die Vergangenheit Lestats ist aus dem Weg geräumt, im nächsten Buch kommen nun seine Eskapaden in der Gegenwart. Es ist insgesamt einfach die größere, umfassendere Erzählung, und dann auch gerade mal die Hälfte davon.

Hier fällt mir vor allem auch auf, wie unterschiedlich man doch teilweise Bücher liest, wenn dazwischen 10 Jahre vergehen. Die Aussage des Buches kann sich natürlich nicht ändern, aber man als Mensch schon und so nimmt man ganz andere Dinge ganz anders wahr. Früher fand ich es immer etwas übertrieben, dass die Vampire so über ihre Unsterblichkeit trauern – ich würde ewig leben und ewig neue Erfahrungen machen wollen. Ich glaube immer noch nicht, dass mir die Ewigkeit bereits nach ein oder zwei Jahrhunderten zu doof würde, doch das einem über längere Zeit hinweg das Leben einfach zu hektisch und die Außenwelt zu fremd werden kann, so dass man einfach eine Auszeit braucht, weil man nicht mehr mit kommt – das kann ich mittlerweile doch gut nachvollziehen. Gerade wenn man aus einem ganz anderen Zeitalter kommt. Auch Lestats kurze Panikattacke, als ihm aufgeht, dass das Leben keinen Sinn ergibt, man wird geboren, man hat gelebt und irgendwann stirbt man, was jederzeit passieren könnte, und dann ist alles einfach rum und nüscht mehr, kann ich nun viel besser verstehen.

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