Viper of Okinawa

Yakuza 3 ist durchgespielt und war… ok. Im Vergleich zu den ersten beiden Teilen schwächelt es leider schon. Aber wenn man bedenkt, wie Sega die Teile raus haut (2005 ging es los, seither sind 4 Hauptteile und 3 Spinoffs erschienen, also 7 Spiele in 6 Jahren), verwundert es evtl. nicht, dass sich da so ein wenig Routine einstellt und gewisse Abnutzungserscheinungen auftreten.

Die Yakuza-Serie war ja schon immer wesentlich Story-lastiger, als man denken würde, besonders da es gern mit GTA verglichen wird. Und man kann natürlich so einige Spielstunden drauf hauen, in dem man zwischen Storybrocken durch die Stadt wandert, um Leute zu vermöbeln, mit Hostessen einen zu heben, Nebenmissionen zu initiieren usw. usf. Aber ganz so frei wie in einem westlichen Sandbox-Game ist man eben nie im Leben, Kazuma ist ein vorgefertigter Charakter und es gibt jede Menge Handlung, wenn man ihr denn dann wieder folgt. Genau hier ist Yakuza 3 aber ein wenig langweilig. Kazuma hat sich ja jetzt endlich wirklich ehrlich richtig und endgültig von seiner Yakuza-Vergangenheit getrennt und betreibt ein Waisenhaus auf Okinawa, weit ab vom Tokyo-Trubel. Natürlich wird er letztendlich doch wieder in die Irrungen und Wirrungen des tokyoter Tojo-Clans gezogen. Sein Grund, warum er das tut ist, weil er sein Waisenhaus behalten will. Die Kinder und Nachbarn sind also seine Motivation in Yakuza 3. Anstatt das das Spiel einem nur zu Beginn nur schnell sagt „Kazuma kämpft für seine Waisenkinder“, verbringt man den Anfang des Spieles mit ihnen in Okinawa. Das ist grundsätzlich erst mal ganz gut, da man als Spieler sich viel eher kümmert, wenn man Zeit mit ihnen verbringt und so besser sieht, warum sie Kazuma so wichtig sind. Idealerweise würde Kazumas Motivation auch zur Motivation des Spielers. Leider dauert das in Yakuza 3 ganze 4 Kapitel – von 12 – und so viel Zeit mit dem Spielen mit kleinen Kindern und Ratschläge bei ihren Alltagsproblemen zu verbringen, ist leider doch sehr langweilig. Da wäre weniger mehr gewesen.

Sobald die Haupthandlung los geht, ist die durchaus annehmbar, aber wird eben etwas durch den langen Leerlauf zu Beginn untergraben. Zumal hoffnungslos durchschaubar ist, wer der letzte Bösewicht unter den Tojo-Klan-Angehörigen sein wird und wer wirklich hinter Black Monday steckt. Cineastisch spannend wie das teilweise umgesetzt sein mag, ist also auch hier die Luft ein wenig dünner, als in den Vorgängern – besonders im Erstling, Teil 2 hatte ja auch seine Hänger.

Kazuma ist übrigens bereits zu so einem ewigen Gutmenschen geworden, dass er doch etwas seltsam mittlerweile rüber kommt. So richtig ernst nehmen kann man ihn nicht mehr, überhaupt gibt es viel mehr nicht ernstzunehmende Teile im Hauptspiel, statt sich dies hauptsächlich für Nebenmissionen aufzusparen. Das geht sogar so weit, dass Kazuma im Abspann mitten auf der Straße noch einem Ex-Yakuza einen seiner Vorträge hält.

Vom Gameplay her hingegen ist das Spiel knorke wie eh und je, da sich ja auch nie viel ändert. Kamera kann nun selbst gedreht werden, statt statisch zu sein. Außerdem gibt es einen weitestgehend überflüssigen First-Person-Modus und Verfolgungsjagden. Ausrüstung kann auch modifiziert werden. Und das waren die kleinen Neuerungen glaub ich schon so ziemlich. Spaß macht das Spielerische am Spiel also immer noch, aber das tut es auch in den Vorgängern und im Gegensatz zu jenen hatte ich bei Yakuza 3 diesmal tatsächlich viel mehr Interesse daran Nebenmissionen aufzustöbern und zu erledigen, als wirklich der Haupthandlung zu folgen. Die geht halt wie gesagt in diesem Teil etwas unter und bei einer so Handlungs-zentrierten Serie ist das eben ein Minus.

Das klingt jetzt alles sehr negativ, aber unterm Strich würde ich schon sagen, dass Yakuza 3 „gut“ ist, aber eben der bisher schwächste Teil, im Vergleich zum „sehr guten“ 2er und „extrem tollen“ 1er. Vielleicht sollte man der Serie doch mal eine Pause gönnen. Oder Kazuma Kiryu in Rente schicken und mit einem neuen Charakter frisch anfangen.

Hier wie bei den Vorgängern übrigens mal wieder die Endstatistik:

  • Difficulty: Easy
  • Difficulty changes: 0 times
  • Retries: 0 times
  • Times knocked down: 21 times
  • Weapons broken: 100 times
  • Distance on foot: 42.195 km
  • HEAT action finishes: 50 times
  • Encounters: 119 times
  • Harukas trust level: E
  • Completion total: 24.35%
  • Play time: 27:42h

Macht es zu dem Teil, mit dem ich am meisten Zeit verbracht habe (1 war glaub ich 20 und 2 23 Stunden oder so um den Dreh). Wird irgendwie immer mehr Statistik-Daten, die man am Ende bekommt. Diesmal wird aber leider nicht aufgezeigt, wie viel Missionen und wie viel Rest man gemacht hat, stattdessen gibt es die Completion total, die natürlich entsprechend niedrig ausfällt, weil auch so was rein genommen wird, wie wie viele von den über 600 Speisen und Getränken man zu sich genommen hat (erledigte Missionen sind es btw 62 gewesen).

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Ein Kommentar

  1. Hab zwar die ersten beiden Teile schon sehr lange im Regal aber bin noch immer nicht zum Spielen gekommen. Das sollte ich wohl langsam mal ändern.

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