Vampire Chronicles – Interview

Hätte ich doch beinahe vergessen, dass ich jeden Monat ein Buch der Vampirchronik lesen wollte. Gerade noch so rechtzeitig eingefallen. Gespräch mit einem Vampir ist dann auch schon wieder so einige Jahre her, übrigens habe ich zuerst den Film gesehen und dann irgendwann Jahre später erst das Buch gelesen. Hatte mir damals so gut gefallen, dass ich nach und nach alle gekauft habe. Und zwar nicht nur der Vampirchroniken, sondern alle von Anne Rice, die erhältlich waren. Mein üblicher „Gefällt mir eins, kommt davon alles ins Haus“-Spleen also.

Es ist auch das erste Buch Anne Rices, das auf den Markt kam. Und ein wenig merkt man das schon. Mit nicht mal 300 Seiten ist es erstaunlich kurz für ein Buch von ihr und hält sich auch entsprechend knapp im Vergleich mit ihren ausladenden Beschreibungen in späteren Büchern. Dennoch hat genau dieses etwas ungeschliffene und prägnante seinen gewissen Charme. Es hat schon was, an die Anfänge zurück zu gehen, als die Chronik noch nur aus einem dünnen in sich geschlossenen Buch bestand.

Natürlich darf man gegen moderne Vampirromantik, die ja Anne Rice mit geprägt hat, nichts haben. Vampire von Rice sind durchaus auch Raubtiere, einige genießen es, böse zu sein. Doch Louis selbst, der hier ja einem Reporter seine Geschichte erzählt, ist anders. Er verabscheut es, sich vom Leben anderer ernähren zu müssen. Er ist ständig mit sich uneins, schafft es nicht sich gegen Claudia oder Lestat durchzusetzen und ist ständig so ein wenig unterschwellig unglücklich über seine neue Nicht-Lebenssituation. Ein wenig weinerlich ist er sozusagen also schon, wenn auch nicht so schlimm wie in modernen Werken oder schlechter Vampir-Fanfiction.

Louis ist da dann aber auch schon so ziemlich der einzige. Lestat ist erstaunlich weltlich, liebt das Töten, liebt die schönen Dinge und was er sich mit dem Geld so alles leisten kann. Hier kommt er allerdings auch noch ganz anders rüber, als in den späteren Büchern – denn Louis erzählt die Geschichte und Louis mag ihn nicht, eben weil Lestat sich nur seinen bösen Spielchen und Vergnügungen hingibt und kein Wissen anstrebt, während Louis doch so gerne wüsste, ob ein größeres Ganzes hinter seiner Vampirexistenz steckt.

Und dann gibt es ja auch noch Claudia, die Monstrosität mit dem Puppengesicht. Im Buch ist sie gerade mal 5, als sie zum Vampir gemacht wird, also noch ein Kleinkind. Doch über die Jahrzehnte reift sie, zumindest geistig. Seelisch wird sie also zur erwachsenen Frau, bleibt aber im ewigen Körper eines Kindes gefangen. Und das zerfrisst sie. Außerdem verliert sie die Erinnerung an ihre Menschlichkeit, da sie noch so jung war, was sie erschreckend skrupellos werden lässt, wenn es denn sein muss.

Die meisten Vampire scheinen die Unendlichkeit auch bald leid zu werden. Sobald Claudia und Louis endlich in Paris auf andere Vampire treffen (zumindest welche, die geistig in der Lage sind, zu sprechen, denn vorher machen sie einen Abstecher nach Osteuropa, wo sie durchaus Vampire treffen, aber eben jene altmodisch, zurückgebliebenen Schreckgespenster aus alten Vamprisagen), erfahren sie, dass es nur eine Regel unter ihnen gibt: Keinen anderen Vampir umbringen, denn es gibt so wenige. Armand ist mit seinen 400 Jahren der älteste Vampir, von dem er weiß. Denn die meisten bringen sich nach ein oder zwei Jahrhunderten um, da sie es nicht mehr ertragen, sie sind in der Zeit gefangen, in der sie erschaffen wurden, können nicht über die Jahrhunderte mit den Änderungen mithalten, werden es müde, alleine und ziellos durch die Zeit zu gleiten. Auf der einen Seite kann ich das durchaus ein Stück weit verstehen, aber ehrlich gesagt glaub ich nicht, dass ich die Unsterblichkeit so schnell leid werden würde :D

Aber egal auch. Nach all der Zeit wieder gelesen, fand ich Gespräch mit einem Vampir immer noch sehr gut. Wie erwähnt ist es wesentlich kürzer und auf den Punkt, als spätere Bücher. Die moderne Romantik der hübschen, poetischen Vampire ist natürlich da, wird aber nicht übertrieben. Und es hat einige wirklich interessante Charaktere und Stellen zu bieten, darunter eigentlich fast alles, was mit Claudia zu tun hat.

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