Star Wars Week – The Phantom Menace

George Lucas hatte große Ideen zu Star Wars. So einiges hat sich von den ursprünglichen Gedankengebilden zum Endprodukt geändert. Irgendwann waren mal 9 Episoden in drei Trilogien angedacht, dass dann aber auf 6 verkürzt. Episode I-III hätten sich um Aufstieg und Fall der Jedi gedreht, Anakin nur das Finale einnehmend. Aber dann kam ja eh lange erst mal nix und 16 Jahre nach Episode VI sollten aus den Prequels dann wieder eine ganz andere Geschichte werden. Wirklich schade, dass er mit deren Produktion so lange gewartet hat, bis zu einer Zeit, wo er es verlernt hat, wie man gute Filme macht. Episode I ist übrigens der einzige Star Wars, den ich damals tatsächlich im Kino gesehen hatte… ich mochte ihn 1999 eigentlich, doch 11 Jahre ist eine lange Zeit, auch wenn ich so langsam in ein Alter komme, wo man sich plötzlich wundert, wo diese Jahre überhaupt alle hin sind.

Die Republik erstickt langsam an ihrer eigenen Bürokratie zum Punkt der Handlungsunfähigkeit. Die frische Königin Amidala trifft es besonders hart, wird ihr Planet doch von der Handelsförderation belagert, ohne dass Hilfe in Sicht ist. Zwei Jedi hat man ihr geschickt, die letztendlich aber auch nicht mehr vermögen, als ihr zur Flucht zum Hauptstadt-Planeten der Republik zu helfen, wo sie ihr Anliegen vortragen will. Nebenbei wird auch der junge Jesus Skywalker aufgegabelt, der per unbefleckter Empfängnis entstand und in dem die Macht stark ist.

Amidala sorgt dafür, dass der Senator ihres Planetens, bei dem der Film nicht sonderlich zu kaschieren versucht, dass er der Scheming Bad Guy ist, zum neuen Ratsvorsitzenden der Republik wird und düst zurück zu ihrem Heimatplaneten, um die Besatzer erfolgreich zu bekämpfen, während die Jedi einen Sith erledigen müssen, die alle für ausgestorben hielten. Der Rat mag übrigens Jesus nicht ausbilden, aber Obi-Wan sagt ihnen STFU, sein Lehrer hat im Kampf sein Leben lassen müssen und als letzten Wunsch die Ausbildung von Jesus gehabt, und da gibt der Jedi-Rat dann auch schon klein bei.

Oh Episode I, so viel lief falsch. Was fehlt? Herz und Seele vor allem. Episode I ist berechnend, auf Familientauglich getrimmt, traut sich nicht Risiken einzugehen. Der Witz zündet nicht. In Episode IV-VI kommt der Humor hauptsächlich durch die Wortgefechte zwischen den Charakteren oder dem Austausch zwischen den beiden Droiden. George Lucas 1999 versteht unter Humor den „saukomisch“ trotteligen Jar-Jar Binks und wie er von einem Alienreittier ins Gesicht gefurzt bekommt. Hilarious! Die super Chemie zwischen den Charakteren der Originaltrilogie wird man hier auch vergeblich suchen. Anakin ist an und für sich nicht mal ein sonderlich sympathischer Charakter, der Junge geht einem schlichtweg am Arsch vorbei. Und das Podrennen… musste das tatsächlich in seiner vollen Länge quasi in Echtzeit eingebracht werden? Ich hab auf die Uhr geschaut, es geht eigentlich doch „nur“ 10 Minuten von Startschuss bis Ziellinie, fühlt sich aber wesentlich länger an. Überhaupt war ich überrascht, dass der Film mit knapp über 2 Stunden ungefähr genauso lang wie die Vorgänger ist, aber wo die einem in der gleichen Zeit erstaunlich kurz vorkamen, weil man so eine gute Zeit mit ihnen hatte, fühlt sich Episode I mindestens eine halbe Stunde länger an, als er ist. Und mal ernsthaft: Jar-Jar Binks? Ich gehöre zwar nicht zu den Leuten, die ihn so sehr hassen, dass sie ihn gekreuzigt sehen wollen… aber witzig ist er nicht… wichtig auch nicht… und bekommt viel zu viel Screentime. Das ist so ein typischer Charakter, der entsteht, wenn Leute Studien anstellen, was gerade hip bei den Kids ist und was die witzig finden, und dann kommt was dabei raus, was genau ins Gegenteil geht.

Das Beste am Film ist die Optik, aber selbst da hab ich ein oder zwei sehr subjektive Probleme. CGI ist eine tolle Sache, man kann damit Dinge darstellen, die mit traditioneller Tricktechnik unmöglich herstellbar oder viel zu kostspielig wären und das ganze in einem viel enormeren Größenmaß. Aber CGI sieht halt auch immer wie CGI aus, besonders damals 1999. Modelle, Bühnenbilder, Animatronics, Schauspieler in Alienkostümen… sieht auch nicht unbedingt echter aus, aber man merkt doch, dass in diesem Fall wirklich irgendwas Physikalisches da ist. Bei CGI merkt man, dass da ursprünglich nichts war. Das Design der Städte, besonders der Schauplätze auf Naboo, ist super. Die Weltraumfights sehen toll aus. Aber sobald lebendige Kreaturen ins Bild kommen, die aus dem Computer stammen, platzt die Illusion. Noch schlimmer, wenn dann auch noch echte Schauspieler dazu stoßen. CGI in der Größenordnung wie in den Prequels ist einfach zu viel. Die Szenen mit ausschließlich realen Schauspielern vor Bühnenbildern funktionieren, aber der Großteil, wo reale Menschen vor Greenscreens standen und mit einem Wesen sprechen, dass noch gar nicht da ist… wo (fast) die komplette Kulisse und Gesprächspartner CGI sind… das kollidiert, das sieht unglaublich Fake aus und das hilft den Schauspielern auch nicht gerade eine berauschende Leistung abzuliefern, so im fast Luftleeren Raum zu agieren. Es wirkt künstlich, klinisch, wo ich Episode IV-VI nach kurzer Zeit wirklich abnehme, in einer lebenden, atmenden Welt zu sein, egal sie sehr Yoda nach Puppe aussieht, da schau ich bei den Prequels hin und denk mir nur „hübsches Computerspiel“. Da ist keine Welt, da ist nur hübsche Tapete, die nicht zum Rest der Inneneinrichtung (Realschauspieler) passt.

Das andere Design-Highlight, neben den Naboo-Schauplätzen, sind Padmes Kostüme, von denen sie in fast jeder Szene ein neues trägt. Aber auch hier ein Problem: Die Hälfte davon ist so unkomfortabel und sperrig, dass Natalie Portman keine schauspielerische Leistung erbringt, sondern wie ein Brett steif da sitzt oder steht und nur ihren Kopf oder Augen leicht nach links und rechts drehen kann. Schmerzlichst statische Szenen.

Alles ist also nicht schlecht. Neben dem Design unter Anderem auch die Musik. Und die Action-Szenen. Ich mag auch die politisch angehauchte Handlung. Sicher zeigt sich hier, dass dies nur die kleinen Beginne der Trilogie sind, der erste Schritt, die Weichen werden gelegt und wenig mehr. Doch ich mag Padmes Kampf um ihren Planeten, auch wenn die Politik in Star Wars schrecklich durchsichtig und vereinfacht ist, weit von Dingen wie Dune entfernt. Nur halte ich nun, in 2010, Episode I nicht mehr für einen guten Film, sondern für einen mittelmäßigen, einen gewissen Unterhaltungswert hat er trotz aller negativer Kritik nämlich schon. Würde man sich Monate später wirklich noch dran erinnern, ihn gesehen zu haben, wenn er eben nicht Star Wars hieße?

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2 Kommentare

  1. Sehr schönes Review, Kaoru. Bringt sehr viel auf den Punkt und in den meisten Fälle geht es mir genauso. Vor allem war ich auch im Kino damals stark begeistert (Jar Jar Binks hat man ignoriert, weil ma nicht glauben konnte wie real diese CG Kreatur wirkte), und umso erstaunter, wie schlecht der Film gealtert ist. Vielleicht sogar am schlechtesten von allen sechs Episoden.

    Ich will ja jetzt mein Fan-Wissen anbringen, damit man George Lucas Idee dahinter versteht. Lucas wollte in jedem Prequel-Teil starke Reminiszenen an die Original-Trilogie wecken, v.a. I -> IV, II -> V und III -> VI. Am stärksten fällts meiner Meinung nach in Episode II auf, aber dazu kommen wir ja eh morgen. Wenn man Teile der Handlung aufzeigt, kann man I und IV so zusammenfassen: Ein exotisches Duo (I: Jedi, IV: Droiden) flüchten und landen dabei auf einem Sandplaneten (Tatooine), wo sie einen jungen Skywalker treffen (I: Anakin, IV: Luke), der vorerst nicht den Planeten verlassen kann, obwohl er möchte, dem aber nachher nix anderes übrig bleibt. Die Mission dieser neu geschaffenen Kompanie betrifft eine Prinzessin (I: Padme, IV: Leia), die in Angst um ihr Volk bis zum äußeren geht. Das ganze endet mit einer riesigen Raumschlacht, die ebenjener Skywalker mit zwei Torpedos gegen das Hauptziel entscheidet, und einer entsprechenden Feier am Ende, wo ebenjene Prinzessin irgendwas überreicht, is ja auch egal. Und solche Anlehnungen gibt es durch und durch: Ober-Jedimeister wird von einem Sith getötet, der Schüler ist nun auf sich allein gestellt. Sehr schön ist da auch, dass John Williams Themen aus der jeweiligen Vorgänger-Episode nutzt um diese Gleichheiten zu unterstreichen. Wie gesagt, in Ep. II kommt das noch stärker raus.

    Nichtsdestotrotz hats nicht funktioniert. Lucas kann keine Geschichten mehr erzählen, er kann seinen Charakteren kein Leben mehr einhauchen. Anakin nervt (später mMn noch mehr), die Dialoge sind hölzern, die Entscheidungen der Personen nicht nachvollziehbar. Die einzige positive Person ist Darth Maul. Der rockt, der rockt jedem Sith davor und danach die Hölle weg. Gerade die Lichtschwertkämpfe (mit dieser genialen Musikuntermalung) zählen zu meinen absoluten Star Wars Highlights. Und Lucas ist dumm, absolut DUMM, dass er Maul gleich im ersten Teil killt. Überhaupt ein Problem bei den Prequels: Es gibt keinen konstanten Gegenspieler. Maul tritt auf, rockt, stirbt. Danach kommt Dooku, der viel zu spät in Erscheinung tritt, dank Christopher Lee wenigstens etwas Klasse in den zweiten Teil bringt und dann auch in Ep III gleich wieder stirbt? Nur um Platz für diesen iditiotischen Grievous zu machen? Sorry, Lucas, da hast du dramaturgisch ganz was falsch gemacht. Liegt wohl auch daran, dass er immer und immer wieder die Episoden angepasst hat und von der ursprünglichen Vision abgewichen ist. Laut den Interviews steckt ja eine Menge von dem, was er eigentlichen zeigen wollte in Ep. III. Nimm das Ende von Ep. II, die Clone Wars Cartoons und den Anfang von Ep III und du bist annähernd an dem, was wir uns gewünscht haben. Anakin ist als Trickfilmfigur sogar viel sympathischer. Lucas hätte einfach jemanden das ganze in die Hand drücken sollen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja in 30 Jahren einen Reboot von jemanden, der’s kann :>

    Ansonsten noch eine kleine Anmerkung: In den meisten Szenen spielt nicht Natalie Portman Amidala, sondern Keira Knightley, und die konnte damals noch nicht wirklich gut spielen (kann sie jetzt auch noch nicht, aber sie hat dafür Brüste bekommen…). Man hat sie übrigens gecastet, weil sie Portman so ähnlich sieht. Guckst du: http://static.skynetblogs.be/media/107544/dyn004_original_400_400_jpeg_2608177_d45618bdbba14702360890c8ac73c8b7.jpg

    Ich freu mich auf morgen :)

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  2. In Ep.I war es mir nur hier und da aufgefallen, bei II tatsächlich wesentlich häufiger. Vielleicht auch nur, weil du mich Gestern drauf aufmerksam gemacht hast :D

    Ah, dass es in ein paar Szenen eine andere ist, die die Königin spielt, war schon klar. Auf der Flucht beispielsweise. Da ja sowohl Echt-Amidala als Dienstbotin verkleidet wie Fake-Amidala im Kostüm sehr präsent sind. Das es aber in den meisten solcher Szenen Knightley ist, die sie spielt, wusste ich tatsächlich nicht.

    Jepp, Darth Maul ist schon ziemlich cool. Man merkt halt auch, dass er von einem Stuntman gespielt wird, dadurch sind die Actionshots mit ihm viel flüssiger, da man nicht zwischen Schauspieler und Stuntdouble wechseln muss.

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