Adventure Week #5: Clock Tower

Anstatt wie üblich über Adventure-Games, die ich noch nicht kenne (was ja die meisten sind, da ich mich früher nie sonderlich fürs Genre interessiert habe), diesmal eines, welches ich schon kenne. Und zwar eines meiner Lieblingsspiele überhaupt. Irgendwann 2005 oder so bin ich durch Zufall auf die fantranslated ROM gestoßen, nix über das Spiel wissend, aber den Titel ansprechend findend. Durchgespielt war ich dann begeistert genug, um mir die beiden PSX-Nachfolger rein zu ziehen und etwas später dann auch Clock Tower 3 und Haunting Ground zu kaufen (wobei ich hier bei CT3 schnell genervt aufgegeben habe und mich an Haunting Ground bisher nie versucht hab).

Das erste Spiel erzählt eigentlich eine typische B-Slaher-Hororfilm-Geschichte nach: Jennifer und ihre Freundinnen sind Waisenkinder, die von den Barrows adoptiert werden und deswegen in deren Anwesen ziehen. Doch kaum dort angekommen hört Jennifer einen Schrei und findet sich plötzlich ganz alleine im dunklen Herrenhaus wieder. Einige Räume durchsucht, findet sie auch schon die Leiche ihrer ersten Freundin vor, zusammen mit einem Killer, der mit einer riesigen Schere auf sie losgeht.

Der Rest des Spieles besteht nun natürlich daraus, das schreckliche Familiengeheimnis der Barrows herauszufinden und sich einen Weg aus der Bredouille zu rätseln. Alles, während ihr Scissorman auf den Versen ist. Das Haus ist dabei recht groß, aber dennoch überschaubar, genau wie die Interaktionsmöglichkeiten. Wenn auch nicht aller Rätsel Lösung immer ganz offensichtlich ist, sollte man also nie allzu lang wo hängen bleiben. Das Point and Click Interface funktioniert dabei trotz SNES-Steuerkreuz recht gut, da der Cursor auf Hot Spots automatisch die Form ändert und nichts in Pixeljagd endet. Allerdings sollte man sich vor dem Spielen evtl. durchlesen, welche Taste was macht, um die Steuerung besser zu beherrschen (gerade Jennifer mit L bzw. R in jene Richtung sprinten und mit X sofort stoppen zu lassen ist nützlich und wird anscheinend schnell übersehen)

Scissorman ist einem dabei theoretisch nicht wirklich permanent auf den Versen. Es gibt gewisse Punkte im Spiel, die ihn triggern können, aber er wird nie automatisch die Verfolgung aufnehmen, nachdem eine gewisse Zeit vergangen ist, wie das in den Sequels der Fall ist. Kämpfen kann man dabei nicht, sondern muss vor ihm Fliehen und sich irgendwo verstecken, bis er die Verfolgung aufgibt. Die ganze Angelegenheit ist streng genommen bestechend einfach, denn selbst wenn er einen erwischt, kann er durch schnelles Hämmern des Panick-Buttons dennoch zurückgeschlagen werden und selbst wenn man stirbt, befördert das Spiel einen beim anwählen von „Continue“ direkt in den Raum zurück, in dem man gestorben ist.

Dennoch ist das Spiel für ein SNES-Game erstaunlich unheimlich. Denn Atmosphäre hat es durch und durch. Obendrauf gibt es halt auch jede Menge Horrorklischees, wie ein plötzlich vom Wind aufgestoßenes Fenster, klingende Telefone deren Leitung gekappt ist, Fernseher die von alleine angehen, Mannequins die ihren Kopf verlieren usw. usf. um einen zu erschrecken. Zusätzlich wird dies dadurch unterstützt, dass 90% des Spieles keinerlei Hintergrundmusik läuft, wodurch jedes Geräusch um so lauter und erschreckender erscheint. Nur wenn Scissorman einem auf den Versen ist oder eine Story Revelation stattfindet, wird eine unheimliche Melodie eingespielt, die sich mit Halloween fast messen kann.

Leider verliert das Spiel viel von seinem Unheimlichen, wenn man es schon mehrmals gespielt hat. Eben weil man dann bereits weiß, was Scissorman triggern kann und was nicht und wenn man weiß, was man tun muss, um zum Ende zu kommen, muss man dies sogar nur ein Mal tun, da es eigentlich nur weniger Gegenstände benötigt, um durch zu kommen und einige Räume des Gebäudes nie betreten werden müssen. Das Spiel möchte den Widerspielwert etwas damit erhöhen, dass es 9 verschiedene Enden gibt und sich die Platzierung einiger Gegenstände und Räume zwischen Durchgängen ändert, genau wie die meisten Schreckeffekte (Wind bläst Fenster auf, TV geht von alleine an, wie oben erwähnt halt) auch zufallsgeneriert sind, um immer mal wieder was Neues zu erleben. Dennoch, wer weiß was er tut, tut für viele Enden die gleichen Sachen und wird selbst die besten Enden in unter einer Stunde sehen (gut, viel mehr gibt die minimalistische Handlung eigentlich auch nicht her), die schlechtesten sind sogar in 5 Minuten zu erreichen. Dann wiederum ist aus vielen Survival Horror Games mit wiederholtem spielen die Luft raus und Clock Tower besonders in den ersten Durchgängen definitiv eines der besten.

Das Spiel wird übrigens häufig auch als Clock Tower: The First Fear bezeichnet (theoretisch hat aber erst der PSX-Port diesen Untertitel), um ihn von Clock Tower 2 auf der PSX zu unterscheiden, da dieser ob Ermanglung des Erstlings im Westen auch schlicht Clock Tower genannt wurde. Um die Sache noch zusätzlich zu verkomplizieren, heißt der dritte Teil, dessen japanischer Titel Clock Tower: Ghost Head ist, im Westen Clock Tower II: The Struggle Within und nachdem Capcom die Serie übernommen hatten, haben die die Nummerierung wieder aufgenommen und den vierten Teil weltweit als Clock Tower 3 raus gebracht. Und nachdem jener gefloppt ist, man dem Gameplay aber anscheinend doch noch eine Chance geben wollte, das unter dem Working Title Clock Tower 4 produzierte Spiel als Demento/Haunting Ground released worden. Complicated much.

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2 Kommentare

  1. Wollte ich immer mal spielen, aber irgendwie kam ich nie dazu…
    Den Absatz mit der Nummerierung hab ich aber nicht ganz verstanden. Ist Clock Tower 3 nun der vierte Teil oder ist Haunting Ground als dieser geplant worden?
    Letzteren habe ich nämlich gespielt und fand es durchaus recht unterhaltsam, wenn auch auf Dauer nervig alle 10 Minuten ein Versteck aufzusuchen und zu warten bis die Musik wieder aufgehört hat.

    Antworten
    • Clock Tower 3 ist der vierte Teil. Haunting Ground hatte den Arbeitstitel CT4, weil halt CT3-Nachfolger, wäre aber dennoch der fünfte gewesen. Wie gesagt, die Sache ist echt konfus :D

      Und dem Erstling ruhig mal eine Chance geben, er ist echt kurz, hält also nicht lang auf.

      Antworten

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